Hilden: 1989: Hilden bekommt sein Museum

Hilden: 1989: Hilden bekommt sein Museum

Der Altbau an der Benrather Straße 32a ist zu klein. Die Stadt hat alle Voraussetzungen für einen Neubau geschaffen.

Mit der Ausstellung "Wilhelm Fabry - Persönlichkeit, Wirken, Weltbild, Netzwerk, Patienten" feiert das Museum, das seinen Namen trägt, am 18. September sein 25-jähriges Bestehen. Dass es überhaupt etwas zu feiern gibt, ist engagierten Hildener Bürgern zu verdanken. Denn die Stadtväter hatten damals andere Vorstellungen.

Das erste Heimatmuseum wurde 1927 zunächst in einem leerstehenden Klassenraum in der evangelischen Schule an der Steinhofstraße eröffnet. Gezeigt wurde in fünf Abteilungen "Heimatnatur", "Heimatscholle", "Der Mensch auf der Scholle", "Heimische Industrie" und eine "Volks und Kulturgeschichtliche Sammlung". Im Mai 1933 zog das Museum in eine Gründerzeit-Villa an der Elberfelder Straße 24. Im Zuge der Verkehrsneuordnung der Hildener Innenstadt musste das Heimatmuseum 1971 schließen. Das Haus wurde abgerissen und die Exponate verteilt.

Im Januar 1984 gründeten engagierte Bürger den "Förderverein des Museums der Stadt Hilden". Sie entdeckten die seit 1979 stillgelegte "Dampfkornbranntwein-Brennerei Vogelsang" (die bis auf 1864 zurückgeht), erkannten ihren Wert und retteten das einzigartige Industriedenkmal vor dem Abriss. Fünf Jahre lang warben Heimatfreunde wie Ulrike Unger öffentlich für ihre Idee eines neuen Museums und konnten schließlich auch die lange abweisenden Stadtväter und -mütter dafür gewinnen. Das Konzept war schlüssig: das Industrie-Denkmal Alte Kornbrennerei (ein Besucher-Magnet) und das neue Museum bilden eine Einheit. Das Museum erhielt den Namen des Arztes Wilhelm Fabry. Er ist der berühmteste Sohn der Stadt Hilden und gilt als Begründer der modernen Chirurgie in Deutschland. "Sein Name ist Programm", erläutert der stellvertretende Museumsleiter Bernd Morgner: "Im Museum ist fast alles auf Arzt und Patient, Diagnose und Therapie, Krankheit und Heilung ausgerichtet."

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Damit hatte das Hildener Museum sein Thema gefunden, das weit über Heimatkunde hinausreicht. "Es lohnt sich, wieder Fabry zu zeigen", macht Museumsleiter Dr. Wolfgang Antweiler Lust auf die Jubiläumsausstellung: "Die Sammlung wurde erheblich erweitert und umfasst mittlerweile über 350 Objekte, darunter chirurgische Originalinstrumente und wertvolle Ausgaben der Werke Fabrys sowie Bücher anderer bedeutender Mediziner aus dem 17. Jahrhundert." Der Museums- und Heimatverein (er heißt jetzt: Unser Hilden) hat dafür über 100 000 Euro an Spenden gesammelt.

Das Fabry-Museum sei heute ein "bundesweit anerkanntes Spezialmuseum", betont Morgner. Prof. Dr. Karl-Heinz Leven vom Institut für Geschichte der Medizin der Universität Erlangen-Nürnberg schrieb: "Das Museum ist ein echter Leuchtturm für Geschichte der Medizin." Damit kann man durchaus Publikum locken und begeistern - wenn man es richtig anfängt. Das bewies die jüngste Ausstellung "Vom Tatort ins Labor - Rechtsmediziner decken auf". Zur Eröffnung kam Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, Prof. Dr. Michael Tsokos, Leiter der Rechtsmedizin der Charité in Berlin. "Mit knapp 3000 Besuchern war das die erfolgreichste Ausstellung seit Bestehen des Museums", bilanziert Morgner. Dem kleinen Museumsteam mit ebenso kleinem Etat ist es in den vergangenen 25 Jahren immer wieder gelungen, bundesweit Aufmerksamkeit zu finden. Beispiel: Zum Hildener Jugendkulturjahr 2005 zeigte das Fabry-Museum die Ausstellung "Bravo wird 50!". Michael Krambrock vom Stadtarchiv machte den legendären Sexual-Aufklärer "Dr. Sommer" ausfindig und lud Dr. Martin Goldstein zu einer Podiumsveranstaltung ein - ein Highlight. Wie es in den nächsten 25 Jahren weitergeht, ist offen. Pläne und Ideen gibt es, es fehlt das Geld.

(RP)
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