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Hilden: 150 Jahre Hildener Arbeiterbewegung

Hilden : 150 Jahre Hildener Arbeiterbewegung

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hält am Samstag die Festrede bei der Jubiläumsfeier in der Hildener Stadthalle.

Ferdinand Lassalle gründete am 23. Mai 1863 in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Auch in Hilden bildete sich im selben Jahr eine Ortsgruppe der Arbeiterbewegung. Der Weg zu einer politischen Kraft mit Gestaltungsmöglichkeiten war lang, steinig und beschwerlich, hat Jürgen Scholz in einem Lesebuch zur Geschichte der Sozialdemokraten im Kreis Mettmann nachgezeichnet.

Sie gaben und geben der SPD in Hilden ein Gesicht (Von oben links im Uhrzeigersinn): Bürgermeister Robert Gies. Bürgermeister Günter Scheib. Bürgermeister Horst Thiele. Birgit Alkenings mit Franz Müntefering. Bundestagsabgeordneter Uwe Holtz mit Ratsmitglied Hans-Georg Bader. Foto: Staschik/Privat/Stadtarchiv

Die ersten Arbeiter-Anführer waren August Stein und W. Eggert. Die Arbeiterbewegung in Hilden wurde verboten (Sozialistengesetz 1878), unterdrückt und nach Kräften behindert. Wie schwer die Anfänge waren, lässt sich auch daran ermessen, dass erst 48 Jahre später (1911) zwei Sozialdemokraten zum ersten Mal in den Hildener Stadtrat gewählt wurden: der Maurer Ernst Hannemann und der Metallarbeiter Ernst Peekhaus. Dort waren beide isoliert.

Sie gaben und geben der SPD in Hilden ein Gesicht (Von oben links im Uhrzeigersinn): Bürgermeister Robert Gies. Bürgermeister Günter Scheib. Bürgermeister Horst Thiele. Birgit Alkenings mit Franz Müntefering. Bundestagsabgeordneter Uwe Holtz mit Ratsmitglied Hans-Georg Bader. Foto: Staschik/Privat/Stadtarchiv

Wegen der Zustimmung zu den Kriegsanleihen spalteten sich die Sozialdemokraten 1917 in SPD und USPD — auch in Hilden. Bei der Kommunalwahl 1919 wurde die USPD zur stärksten Partei und stellte mit Dr. Erich Lerch 1920 auch den Bürgermeister. Die SPD erhielt nur ein Prozent der Stimmen und trat in der Weimarer Republik in Hilden kaum in Erscheinung.

Nach der Verfolgung unter der Nazi-Diktatur wagte die Hildener Sozialdemokraten im Oktober 1945 den Neuanfang. Ihr Vorsitzender Robert Gies wurde 1952 zum Bürgermeister gewählt — und war 17 Jahre lang das Stadtoberhaupt. Durch Flüchtlinge und Vertriebene verdoppelte sich die Zahl der Einwohner bis 1966 nahezu auf 45 000 Hildener. Wohnungen, Schulen, Sportanlagen, Straßen, Kindergärten — vieles musste neu errichtet werden.

Bei der Bundestagswahl 1972, der legendären "Willy"-Wahl, erreichte die Hildener SPD mit 48,4 Prozent der Zweitstimmen das beste Ergebnis ihrer Geschichte bei Bundestagswahlen. Der prominente CDU-Kandidat im Wahlkreis Mettmann I, Dr. Gerhard Schröder, ehemaliger Außen- und Verteidigungsminister, wurde von seinem SPD-Herausforderer Dr. Uwe Holtz, ein nahezu unbekannter junger Historiker (28), überflügelt. Holtz vertrat seinen Wahlkreis bis 1994 im Bundestag.

1969 verlor die SPD die Mehrheit im Rat. Erst 1994 kam sie wieder an die Macht — in einer Koalition mit den Grünen. Sie wählte Günter Scheib zum ersten sozialdemokratischen Bürgermeister Hildens seit 1969. Er war 20 Jahre lang das "Gesicht" der Hildener SPD. 1999 wurde der Lehrer zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. 2004 bestätigten die Hildener den populären und angesehenen Kümmerer mit absoluter Mehrheit im ersten Wahlgang für eine zweite Amtszeit. Nachfolger und Verwaltungsfachmann Horst Thiele gelang es 2009, das Amt des Bürgermeisters für die SPD mit einem überragenden Wahlergebnis (46,4 Prozent) zu verteidigen: Er erhielt 46,4 Prozent, die SPD bei der Kommunalwahl 29,5 Prozent.

2003 übernahm Birgit Alkenings den Vorsitz der Fraktion und 2008 auch den des Ortsvereins. Die Biologin ist nach 145 Jahren die erste Frau in der Hildener SPD auf diesem Posten.

Bundesweite Aufmerksamkeit ist Hilden seit 2009 durch einen prominenten Genossen sicher. Bei der Bundestagswahl trat im Wahlkreis Mettmann I der ehemalige NRW-Ministerpräsident und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück an. Er unterlag der CDU-Familienpolitikerin Michaela Noll und zog über die Landesliste in den Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl am 22. September ist Steinbrück sogar Kanzlerkandidat der SPD. Er ist Mitglied im SPD-Ortsverein Hilden und hat sein Wahlkampfbüro an der Bahnhofsallee 24.

Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität: Die alten Werte der Arbeiterbewegung haben für Partei- und Fraktionsvorsitzende Birgit Alkenings auch nach 150 Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren: "Wir setzen uns jeden Tag neu ein für eine soziale Politik, die den Menschen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt."

www.rp-online.de/Hilden

(RP/EW)