100 Jahre Autohaus Schnitzler in Hilden

Hilden : Schnitzler hält Kunden seit 100 Jahren mobil

Zu seinem runden Jubiläum erhielt das Hildener Autohaus gestern eine Urkunde der Handwerkskammer Düsseldorf. Der Betrieb ist noch immer in Familienhand.

Wie viel Tradition in dem Betrieb steckt, verdeutlicht die Fotogalerie auf der Empore: Zu sehen sind dort Generationen von Unternehmern und ihre Arbeitsplätze. „Das ist der Meisterbrief meines Ur-Großvaters“, erklärt Isabell Schnitzler, während sie auf das historische Dokument deutet. Nebenan ist auch sie selbst an der Wand verewigt – als 14-jähriges Mädchen über eine geöffnete Motorhaube gebeugt. Heute leitet die mittlerweile 50-Jährige das Autohaus Schnitzler in dritter Generation.

Donnerstag freute sie sich über eine besondere Ehrung: Alfons Kunz, Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung, überreichte ihr eine von der Handwerkskammer Düsseldorf ausgestellte Urkunde zum 100-jährigen Jubiläum des Betriebes. „Das ist wirklich bemerkenswert“, sagte Kunz. Denn ein solches Alter sei für einen Betrieb der Branche eine Seltenheit. „Zumindest habe ich in meinen 15 Jahren als Obermeister noch keine Urkunde über 100 Jahre ausgehändigt“, verriet er.

Zumal das Unternehmen stets in Händen der Familie blieb: Am 24. März 1919 hatte Franz Schnitzler die erste Werkstatt in Benrath gegründet, in der anfangs Motorräder gebaut und repariert wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg zog das Unternehmen nach Hilden zur Schwanenstraße. Ein Verkauf und Kundendienst für Borgward-PKW und -LKW kamen hinzu sowie später noch eine Tankstelle. 1954 übernahm Franz Schnitzlers Sohn Karl Heinz den Betrieb. Und in dem ist er noch heute zu Hause: Zwar reichte er das Zepter der Geschäftsleitung 1998 an Tochter Isabell weiter – sie betreibt das Autohaus inzwischen gemeinsam mit Ehemann Markus Keller. Doch noch heute unterstützt der 88-Jährige, der in diesem Jahr sein 65-jähriges Meisterjubiläum feierte, seine Nachfolger im Unternehmen.

Das ist seit 1976 am Standort Auf dem Sand zu Hause. Die Audi- und VW-Vertretung hat ihr Gelände ebenso beträchtlich erweitert wie seine Belegschaft: Rund 200 Mitarbeiter sind für das Autohaus Schnitzler tätig – sowohl in Hilden als auch in der Langenfelder Niederlassung. Auch Skoda und Seat gehören zum Portfolio. „Als ich anfing, haben wir etwa 250 Neuwagen verkauft“, erinnert sich Isabell Schnitzler, „heute sind es 4000 Neu- und Gebrauchtwagen.“

Die Digitalisierung habe zweifellos vieles verändert. „Aber sie ist auch eine Chance“, betont die Inhaberin. „Zuverlässigkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft“, skizziert ihr Vater derweil die Werte, die zur Langlebigkeit eines Unternehmens über alle Trends hinweg ausmachten. Und man müsse „Freude an der Arbeit haben“, betont Isabell Schnitzler. Die Begeisterung für den Betrieb habe sie schon früh gefunden. Nach der mittleren Reife absolvierte sie eine technische und kaufmännische Ausbildung im Kfz-Gewerbe, besuchte eine betriebswirtschaftliche Fachschule und arbeitete als Betriebswirtin bei Händlerkollegen, ehe sie in den Familienbetrieb einstieg. „Beruf kommt eben von Berufung“, sagt die zweifache Mutter. Ob ihre Kinder die auch im Kfz-Gewerbe sehen, ist noch nicht endgültig geklärt. „Wir würden sie natürlich niemals in irgendeine Richtung drängen“, betont Schnitzler. Ganz abgeneigt scheint Tochter Marie der Materie aber zumindest nicht geneigt zu sein: Die 14-jährige absolviert gerade ein Schulpraktikum im Autohaus.

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