Freizeitgestaltung mit Nadel und Faden : Handarbeiten liegen voll im Trend

Stricken fristete lange ein Schattendasein – doch das hat sich geändert. Das gilt auch für Näharbeiten.

Wollknäuel liegen bergeweise auf dem Tisch, um den sich eine Gruppe von strickenden Frauen gesellt hat. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht hat, diese Wolle in echte Unikate zu verwandeln, die man anziehen kann – denn kältere Tage kommen bestimmt. Und so ist die Schaufensterpuppe eine der wenigen, die eine der selbstgemachten Strickjacken trägt.

Jeden Donnerstag trifft sich die Truppe im hinteren Raum des „Atelier Kunstraum“ und zaubert wirklich alles was man aus Wolle nur herstellen kann; von Socken über Pullover bis hin zu eben jenen selbstgemachten Strickjacken und noch viel mehr. „Alles was wir hier herstellen sind Unikate“, betonen die Damen, nicht ohne Stolz. Beim letzten Stadtfest gab es dann sogar eine Modenschau mit eigenen Stücken vor der Tür. Professionelle Anleitung bekommen sie dabei von Gaby Beenders.

Eine der Teilnehmerinnen erzählt, dass sie seit 30 Jahren keine Stricknadel in der Hand gehabt habe: „Bei Gaby hab ich alles wieder richtig gelernt und in nur zwei Monaten eine tolle Jacke gestrickt, das ist für mich richtig schnell.“

In der Gruppe strickt jeder was er möchte. „Gaby hat immer Tricks und Kniffe parat, die uns helfen. Sie hat auch einen Blick für Farben und Modelle, und sie weiß immer was einem steht.“ In der Donnerstagsgruppe strickt jeder was er möchte, es gibt aber auch Kurse, in denen die Teilnehmer ein festes Thema haben und an einem gleichen Modell arbeiten. Stricken, das sei Entspannung, betont die Gruppe. „Man kommt zur Ruhe, weil man sich nur auf die Handarbeit konzentriert“, findet Beenders. Ihr sei wichtig, dass die Teilnehmerinnen auch auf die Qualität ihrer Wolle achten: „Es wäre doch schade, wenn man so viel Stunden Arbeit investiert und dann ruiniert die Wollqualität alles.“ Manche der Teilnehmerinnen stricken seit Jugendtagen, andere entdecken dieses Hobby erst wieder – denn Handarbeiten rund um das Stricken und Nähen sind wieder ganz im Trend.

Davon zeugen unzählige Lehrvideos im Internet, Strickanleitungen und Schnittmuster zum Nähen. Besonders beliebt: Junge Mütter stricken für ihren Nachwuchs. So bietet der Club am 17. November einen Näh-Workshop an, in dem in vier Stunden an einem Samstag, die grundlegenden Fertigkeiten vermittelt werden, um etwa einen Matchsack, Utensilo oder Kissen genäht werden. Weitere Cllub-Kurse, darunter zwei in den Herbstferien, richten sich ausschließlich an Kinder ab sieben Jahren: In kleinen Gruppen wird hier der Umgang mit der Nähmaschine und einfache Verarbeitungstechniken gelehrt.

Für die Strickerinnen im Kunstraum geht das Stricken dabei weit über das bloße Produzieren von Stücken hinaus: „Stricken ist wie Yoga für die Seele und die Hände“, finden sie. Denn Stricken entspanne und sei fast schon so etwas wie Meditation: „Wenn der Stress einen wieder mal gepackt hat, dann nehm ich mir das Strickzeug und wenn ich mich auf die Handarbeit konzentriere, dann kann ich wirklich runterkommen.“

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