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Zweite Chance: Haans Zigarettenkippen könnten künftig recycelt werden.

Haan : Zweite Chance für Haans Zigarettenkippen

Der Verein „Tobacycle“ stellte ein Rücknahmesystem vor. Die Politik hat noch nicht über einen Beitritt entschieden.

Die Zahl klingt schier unfassbar – und doch haben freiwillige Helfer beim jüngsten Dreck-weg-Tag 3000 Zigarettenkippen in der City aufgehoben. „Trotz der Stadtreinigung nach der Kirmes haben acht Helfer in kurzer Zeit die Kippen nur im Bereich Kaiserstraße rund um die Bushaltestelle am  Markt gesammelt“, berichtete AGNU-Vorstandsmitglied Sven Kübler. Zuspruch erhielten die Sammler demnach von vielen Geschäftsinhabern, die sich auch über die Kippen und den Müll ärgern, die sie jeden Morgen vor dem Geschäft entfernen müssen.

Genau so etwas will „Tobacycle“ vermeiden. Der gemeinnützige Verein aus Köln setzt sich für die Vermeidung des Problemabfalls Zigarettenkippen ein und hat dafür ein spezielles Sammelsystem entwickelt. Vereinschef Mario Merella stellte es jetzt den Politikern im Haaner Ratsausschuss für Stadtplanung, Umwelt und Verkehr  vor.

Zigarettenkippen verursachen einen immensen Schaden in der Umwelt. 4300 Milliarden Zigarettenkippen fallen jährlich weltweit an. 80 Prozent davon landen in der Umwelt. Bereits ein kleiner Regen genügt um die enthaltenen Giftstoffe auszuwaschen und ins Grundwasser zu leiten.

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Um das zu vermeiden, will „Tobacycle Zigarettenkippen direkt nach dem Rauchvorgang sammeln. „Danach werden die Zigarettenkippen von uns restlos verwertet – also inklusive Asche und Giftstoffen“, berichtete Merella. Die getrockneten Kippen werden gemahlen und mit Recyclingplastik vermischt. Das daraus entstandene Kunststoffgranulat wird wieder zum Taschenaschenbecher verarbeitet. Die Giftstoffe in den Kippen werden im neuen Produkt verkapselt. Im Schnitt zwei Jahre hält ein solcher Aschenbecher, sagt Merella, dann kann er wieder recycelt werden – bis zu fünf mal. Ein geschlossener Kreislauf.

Über fünf Tonnen hat Merellas  Verein bereits von den Straßen geschafft. Allein im Großraum Köln gibt es fast 40 Annahmestellen. Bis 2016 leitete Merella ein Call-Center-Unternehmen. Diese Arbeit macht ihm aber kein Vergnügen. Mario Merella suchte nach etwas Neuem.

Dann weckte ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sein Interesse. „Die WHO hatte die Tabakpflanze in Indien zur unnachhaltigsten Pflanze gekürt“, erzählt er. Mit jeder weiteren Info verstärkte sich der Wunsch, etwas besonderes rund um die Entschärfung des Zigarettenproblems zu schaffen. Eineinhalb Jahre später gründete er „Tobacycle“.

Die Haaner Berufsschülerin Tessa Lukat hatte an ihrer Ausbildungsstätte mit dem System Bekanntschaft gemacht und die Idee geboren, es doch auch einmal in der Stadt zu präsentieren. Die WLH bereitete den Weg dafür vor.

Bei den anderen Fraktionen brach jedoch keine spontane Begeisterung aus. Es wäre schön, wenn Merella noch ein paar schriftliche Informationen beibringen könne, schlug beispielsweise die CDU vor. Das wolle man sich gerne anschauen und dann entscheiden. Bei der SPD wurde offene Skepsis deutlich: gleich mehrfach reklamierten die Genossen „Verständnisprobleme“.

Die will der „Tobacycle“-Chef gerne lösen. Er ließ schon einmal jede Menge Informationsflyer zurück, dazu diverse recycelte Taschen-Aschenbecher. Die Raucher unter den Ausschussmitgliedern konnten so in den Pausen gleich einen Praxistest vornehmen.