Weihnachtlicher Trödelmarkt in Haan Eine gute Idee wird zur beliebten Tradition

Haan · Bevor in Haan am ersten Adventssonntag die erste Kerze auf dem heimischen Adventskranz angezündet wird, ist für viele der Besuch des weihnachtlichen Trödelmarktes Pflicht. Wir haben 7 Fakten zu der Tradition zusammengetragen, die Sie so vielleicht noch nicht kannten.

Am ersten Advent wird in Haan getrödelt
15 Bilder

Am ersten Advent wird in Haan getrödelt

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Foto: Michael Ebert

1. Ursprung In den 1970er Jahren gab es nur wenige Weihnachtsmärkte. Und Trödelmärkte kamen gerade erst auf. Der Haaner Künstler Wolfgang Niederhagen hatte die Idee, beide Veranstaltungsarten als weihnachtlichen Trödelmarkt zusammenzufassen. Der erste Trödelmarkt fand 1974 auf dem unteren Neuen Markt statt. Die Idee setzte sich durch und füllte bald am ersten Advent die gesamte Innenstadt mit den Ständen von Hobbyhändlern und Vereinen.

2. Veranstalter Auch wenn die Stadt seit Jahrzehnten das Treiben mit Genehmigungen oder Einsätzen des Betriebshofes unterstützt, handelt es sich beim Haaner Trödelmarkt seit Anbeginn um eine privat organisierte Veranstaltung. Nach Wolfgang Niederhagen stiegen Dora und Jürgen Kummer in die Veranstalterrolle, 1993 übernahmen Fritz und Gaby Köhler. Seit 2010 ist die Närrische Zelle Haan Veranstalter.

3. Unterm Hut. Am ersten Advent ist es oft kalt. Und da griff Jürgen Kummer – als Autobahnpolizist das Tragen einer Dienstmütze gewöhnt – in den 1970er Jahre zu einem schwarzen Borsalino. Man erzählte sich, den Hut habe er selbst auf dem Markt ergattert. Fortan war ein Hut Erkennungszeichen für Veranstalter und Ordner.

4. Bräuche. Nicht nur der Markt hat eine lange Tradition. Auch die Hobbyhändler entwickelten ihre  eigenen Bräuche. Da gab es Familien, die fuhren Wochen vor dem ersten Advent in die Eifel und schnitten dort Misteln, die sie in Haan verkauften. Oder: Trödler stellten sich schon mitten in der Nacht zur Kartenausgabe (damals im Rathaus) an. Oder: Sie stifteten den Erlös an die SOS-Kinderdörfer. Oder: Sie schlüpften alljährlich für ihren Handelstag in einen Overall der Bundeswehr und stülpten eine Pickelhaube auf den Kopf.

5. Flair. Der Verkauf von Neu- und Industrieware ist seit jeher ausgeschlossen beim Haaner Trödelmarkt. Besonders in den ersten Jahrzehnten fanden sich wirkliche Schätze und Antiquitäten an den Ständen – daheim aus hintersten Kellerecken oder vom Speicher gesammelt. Viele Vereine nutzten den Trödelmarkt, durch den Verkauf von Glühwein, Kuchen, Suppe oder Würstchen ihre Vereinskassen zu füllen. Allerdings dünnte sich die Präsenz im Verlauf der Jahre immer mehr aus. Am stärksten sorgte die weihnachtliche Dekoration der Stände für das besondere Bild des Trödelmarktes. Doch die Liebe zum Schmuck ließ im Laufe der Jahrzehnte stark nach.

6. Teilnehmer. In Spitzenzeiten gab es 450 bis 500 Teilnehmer, die in der Nacht zum Adventssonntag ihre Stände aufbauten - auf dem Alten Markt, entlang der Kaiserstraße, auf der Friedrichstraße und der oberen Dieker Straße und auf dem gesamten Neuen Markt. Schon weit vor dem offiziellen Handelsstart um 8 Uhr klingelten schon die Kassen – im Taschenlampenschein hielten Kenner unter anderem gezielt nach Lego Ausschau. Ab 2007 wurde die Marktfläche um Friedrichstraße und Alter Markt abgespeckt. Der  aktuelle  Markt blieb auf die Fläche rund um die Pyramide auf dem Brunnen Neuer Markt begrenzt. Vorangemeldet waren 50 Teilnehmer.

 Raritäten und Antiquitäten, wie das Tonband, das Burkhart Schönfelder auf dem Trödelmarkt 2018 anbot, finden sich immer wieder an den Ständen.

Raritäten und Antiquitäten, wie das Tonband, das Burkhart Schönfelder auf dem Trödelmarkt 2018 anbot, finden sich immer wieder an den Ständen.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)
Nein, das ist kein Computer. Joel und Sammi  beim Trödelmarkt 2015 mit einer mechanischen Koffer-Schreibmaschine.

Nein, das ist kein Computer. Joel und Sammi  beim Trödelmarkt 2015 mit einer mechanischen Koffer-Schreibmaschine.

Foto: Matzerath, Ralph (rm-)
 Teddy Henschke übernahm mit der Närrischen Zelle 2010 die Veranstalter-Aufgabe. Hier ist der frühere Vorsitzende mit dem typischen Hut zu sehen.

Teddy Henschke übernahm mit der Närrischen Zelle 2010 die Veranstalter-Aufgabe. Hier ist der frühere Vorsitzende mit dem typischen Hut zu sehen.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)
 Das Bild von 1980 zeigt, dass früher zahlreiche Vereine teilnahmen. Zugleich wird deutlich, wie sehr sich das Stadtbild in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Der VW Käfer etwa steht auf der früher zwischen Kaiser- und Dieker Straße befahrbaren Straße Neuer Markt.

Das Bild von 1980 zeigt, dass früher zahlreiche Vereine teilnahmen. Zugleich wird deutlich, wie sehr sich das Stadtbild in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Der VW Käfer etwa steht auf der früher zwischen Kaiser- und Dieker Straße befahrbaren Straße Neuer Markt.

Foto: Michael Ebert
 Trödelmarkt-Gedränge in der Fußgängerzone Friedrichstraße im Jahr 1988.

Trödelmarkt-Gedränge in der Fußgängerzone Friedrichstraße im Jahr 1988.

Foto: Michael Ebert
 1983 ging es stürmisch zu. Es gab auch Trödelmärkte, die unter heftigen Schneefällen (mit Dachlawinen, die Pavillons zertrümmerten) zu leiden hatten oder auch unter Regen. Überwiegend war der erste Adventssonntag seit 1974 aber kalt und trocken.

1983 ging es stürmisch zu. Es gab auch Trödelmärkte, die unter heftigen Schneefällen (mit Dachlawinen, die Pavillons zertrümmerten) zu leiden hatten oder auch unter Regen. Überwiegend war der erste Adventssonntag seit 1974 aber kalt und trocken.

Foto: Michael Ebert
 Trödelmarkt-Dienstkleidung für Jahrzehnte: Panzerkombi, Pickelhaube, Schnaps im Patronengurt und Schaffnerkasse.

Trödelmarkt-Dienstkleidung für Jahrzehnte: Panzerkombi, Pickelhaube, Schnaps im Patronengurt und Schaffnerkasse.

Foto: Thomas Ollendorf

7. Guter Zweck. Der Erlös aus den Standgeldern wurde stets für den guten Zweck gespendet. Die Hilfsorganisationen DRK/Malteser freuten sich ebenso über Zuwendungen wie die Verkehrskadetten, die hilfreich bei der Regelung des Park- und Andienverkehrs tätig waren oder die Musikschule. Die Närrische Zelle stellt sich als Verein in den Dienst der Kinder. Von daher hat das Trödeln in Haan immer einen guten Zweck erfüllt.

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