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Haan: Ulla Hahn setzt ihre Geschichte fort

Haan : Ulla Hahn setzt ihre Geschichte fort

Nun also Kornblumen. Nach den Rheinkieseln auf dem Buchumschlag von "Das verborgene Wort" (2001) und den Papierschiffchen bei "Aufbruch" (2009) "liegen" drei gepflückte Kornblumen auf dem soeben erschienenen Roman "Spiel der Zeit".

Die blaue Blume, sie steht für Sehnsucht und Liebe, ein Symbol der Wanderschaft. In Ulla Hahns drittem Roman über ihr Alter Ego "Hilla Palm" kündet sie von den beginnenden Wanderjahren des Arbeiterkinds aus "Dondorf", wie Hahn ihre alte Heimat Monheim in ihrer autobiografischen Romantrilogie nennt. Auch "Spiel der Zeit", das in den späteren 60er Jahren spielt, beginnt wieder mit dem Großvater, einem der wenigen Dondorfer, von dem sich das hochbegabte Mädchen verstanden fühlt, jenem Großvater, der Hilla einst die "Buchsteine" erklärte, die Welt der Buchstaben, Wörter, Sprache - die Steine, für die die Kiesel vom Rheinstrand stehen.

Hilla Palm studiert nun in Köln, genießt die Freiheit des Denkens in der Großstadt, noch dazu im Revoltejahr 1968. Auf der Suche nach einer neuen Orientierung erkennt sie aber auch: Sie kann ihre Kindheit und Jugend nicht einfach abschütteln. "Ich bin meine Vergangenheit." Hilla findet ihre Liebe - und "die Kraft für einen neuen Blick auf alte Verletzungen", wie es im Klappentext von "Spiel der Zeit" heißt.

Die Monheimer und alle anderen Leser können sich also auf einen weiteren Wandel des Dondorf-Bildes freuen: weg von der Abrechnung mit der verhassten Proletarier-Enge, mit der die Außenseiterin Hilla-Ulla manchen Monheimer, der mit ihr aufwuchs, erzürnte, hin zu einem milderen Blick auf das - heute würde man sagen: - "bildungsferne" Dorf der Nachkriegszeit. Die Entwicklungsromane der inzwischen 69 Jahre alten Ulla Hahn zeigen, dass Lektüre imstande ist, nicht nur die Leser, sondern gerade auch ihren Schöpfer zu verändern. "Das Beglückende bei diesem Roman war", sagte die Autorin bereits zum Erscheinen von "Aufbruch", "dass ich während des Schreibens für die Figuren der Familie Palm ein tiefes Verständnis entwickelt habe."

Ulla Hahn, Spiel der Zeit. Roman, 608 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 24,99 Euro

(gut)