1. NRW
  2. Städte
  3. Haan

Haan: Überfall: Ehefrau will wenig gewusst haben

Haan : Überfall: Ehefrau will wenig gewusst haben

Gut ein Jahr nach dem brutalen Überfall am Haaner Hermann-Löns-Weg wird die Tat juristisch aufgearbeitet. Am zweiten Verhandlungstag sagte die Frau des früheren Tiefbauamtsmitarbeiters aus, der Drahtzieher des Ganzen gewesen sein soll.

WUPPERTAL/HAAN Ihr Mann soll der Drahtzieher beim brutalen Überfall auf den Pensionär in Haan gewesen sein, der im Mai des vergangenen Jahres für Entsetzen gesorgt hatte. Gegen den Ehemann wird noch gesondert verhandelt, da er sich derzeit in einem anderen Verfahren vor dem Landgericht Hagen wegen diverser Überfälle auf Geldtransporter mit Millionenbeute zu verantworten hat. Als Ehefrau sitzt sie nun wegen Mittäterschaft auf der Anklagebank. Sie soll davon gewusst haben, dass ihr Mann gemeinsam mit drei Komplizen den 84-jährigen habe in dessen Haus am Hermann-Löns-Weg überfallen und ausrauben wollen. Sie sei oft mit ihrem Mann in der Spielhalle gewesen. Dort sei der gelegentlich mit anderen Männern vor die Türe gegangen. Anfangs seien es zwei Komplizen gewesen, später sei noch einer hinzugekommen. Es sei über die Überfallpläne gesprochen worden. „Was genau gesagt wurde, habe ich nicht gehört“, so die Angeklagte. Auch später will sie nicht intensiv nachgehakt haben, was ihr Mann denn plane. „Ich hab mal gefragt, aber er hat nichts gesagt“, erzählte die Angeklagte dem Gericht.

  • Senior gefesselt und Haus angezündet : Brutaler Überfall auf Rentner in Haan offenbar aufgeklärt
  • Nettetal : Ehefrau soll von Betrug gewusst haben
  • Hilden : Geldtransporter-Überfälle: Prozess beginnt

Einer der drei angeklagten Männer hatte bereits am vergangenen Verhandlungstag ausgesagt. Demnach soll es einen gescheiterten Versuch gegeben haben, den er abgebrochen habe, weil ihm vor Angst die Knie versagt hätten. Das Opfer soll zu diesem Zeitpunkt im Haus gewesen sein, der Täter will sich über die Wiese heran- und auch wieder weggeschlichen haben. Davon will die Frau nichts gewusst haben.

Allerdings ließ auch einer der Angeklagten über seinen Anwalt erfragen, wie sich das genau zugetragen haben soll. Es sei zuvor vereinbart gewesen, das Haus in Abwesenheit des späteren Opfers aufzusuchen. Für den Fall, dass man dort nichts finde, war dessen „Festnahme“ geplant. Hat es zuvor einen gescheiterten Alleingang des bereits geständigen Täters gegeben? Haben möglicherweise nicht alle von diesem Plan gewusst? Oder ist die Geschichte erfunden, um sich als ein von Angstgefühlen übermannter Krimineller in ein besseres Licht zu rücken? Auf die Antworten darf man gespannt sein.

Die mitangeklagte Frau jedenfalls will am Tattag auf Geheiß ihres Mannes unweit des Tatorts mit einem Smart gewartet haben. „Mit einer Frau fällt das weniger auf“, sagte die Angeklagte nun vor Gericht. Was genau im Haus geschehen war? Dass man Kabelbinder, Klebeband und dazu auch noch Benzin mitgenommen hatte? Von all dem will die Angeklagte nichts gewusst haben. Dass ihr Mann das Opfer über Wochen hinweg ohne großes Aufsehen ausspioniert haben soll, erklärte sie so: „Das war kein Problem. Er hat beim Haaner Tiefbauamt gearbeitet und war immer unterwegs.“ Und auch danach will sie mit ihrem Mann nicht mehr über die Sache gesprochen haben. Zwei der vier Männer sollen im Haus gewesen und ihr Opfer über Stunden hinweg gequält haben, um es schließlich – an einenStuhl gefesselt und geknebelt – auf der Terasse des brennenden Hauses zurückzulassen. Es wird damit gerechnet, dass sie zur Tat aussagen. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.