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Trockenheit frisst Erträge von Haaner Landwirt auf

Geringe Niederschläge : Trockenheit frisst Erträge der Landwirte auf

Auch wenn es jetzt etwas mehr geregnet hat: Der Kreis Mettmann gehört laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zu den Gebieten mit „außergewöhnlicher Dürre“ – und das geht zu Lasten von Nutzpflanzen und -tieren.

Die Zahlen sind ebenso eindeutig wie erschreckend: Von bis zu 30 Prozent weniger geerntetem Gras berichtet Carsten Bröcker vom Gut zur Linden an der Grenze zwischen Gruiten und Vohwinkel. Beim Mais sehe es noch verheerender aus: Die Pflanzen seien massiv geschwächt. „Der Ertrag liegt bei deutlich unter 50 Prozent“, sagt der Landwirt. Die schlechten Ernten knabbern wiederum an den Futtervorräten für die eigenen Rinder, die allmählich zur Neige gehen. Schuld an der schwierigen Lage ist abermals die Trockenheit, die Landwirten bereits im dritten Jahr in Folge Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Insbesondere in den Monaten März bis Mai fiel wie andernorts auch im Kreis Mettmann erneut viel zu wenig Regen vom Himmel – mit gravierenden Folgen: Der Blick in die Bodenschicht in etwa 180 Zentimeter Tiefe belegt für das Gebiet eine „außergewöhnliche Dürre“, wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW auf Nachfrage bestätigt. Der geringe Niederschlag wirke sich im Übrigen auch auf die Grundwasserstände aus. An 80 Prozent der Messstellen im Bundesland seien zuletzt unterdurchschnittliche Werte gemessen worden. Auch das zuletzt wechselhafte Wetter mit immer wiederkehrenden Regenschauern half da nicht viel – insbesondere angesichts der Beschaffenheit des Untergrundes: Die Böden im Übergang zwischen Lößlehmboden und Schiefergebirge könnten das Wasser nur mittelmäßig halten, erklärt Carsten Bröcker. Auf seinem Gelände, das er mit der ganzen Familie und mehreren Mitarbeitern bewirtschaftet, baut er neben Mais und Gras unter anderem Dinkel, Emmer, Weizen, Gerste und Raps für Öl an. „Vor allem die Frühjahrskulturen leiden unter der Situation“, sagt Carsten Bröcker. Besonders schwer hätten es derzeit tierhaltende Betriebe. „Es kommt eins zum anderen – neben Futter fehlt auch Stroh“, erklärt er – und spricht damit für viele Kollegen. „Unsere Milchkühe leiden sehr unter der Trockenheit“, ergänzt Franz-Peter Schmitz vom Haaner Gut Ehlenbeck. Auch er klagt über schlechte Erträge. „Jede Pflanze braucht eben Wasser“, sagt er lapidar. Sämtliche Felder angesichts fehlenden Regens zu bewässern sei wiederum viel zu teuer.

Um ihre Tiere dennoch versorgen zu können, greifen die Bauern zu pragmatischen Lösungen: Zukäufe als Kompensation von Mindererträgen gehören wohl eher nicht dazu. Schließlich hätten andere Landwirte die gleichen Schwierigkeiten, und Mais und Gras ließen sich nicht unbegrenzt weit transportieren, erklärt Bröcker. „Und wenn ein tierhaltender Betrieb Futter dazukaufen muss, wird das letztlich teurer, als es selbst anzubauen.“ Und so plant er, anstatt Raps und Getreide im Herbst erneut Gras für die eigenen Tiere auszusäen. Aber: „Ein echter Ausgleich ist das nicht“, räumt er ein. Denn um den Rindern alle benötigten Nährstoffe zu geben, müsse man noch zusätzlich Getreide verfüttern. Und doch will sich der bergische Bauer die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht nehmen lassen: „Wir gehen davon aus, dass es nicht nur trockene Jahre geben wird.“