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Analyse: Stadtgärtner pflegen den Waldfriedhof

Analyse : Stadtgärtner pflegen den Waldfriedhof

Der Betriebshof pflegt ab sofort den Waldfriedhof. Zunächst auf Probe und zusätzlich zum bisherigen Arbeitspensum.

21 Jahre lang hat Gärtnermeister Georg Buiting den Waldfriedhof gepflegt. Hat auf dem vier Hektar großen Areal mit 2500 Gräbern Rasenflächen gemäht, alles sauber gehalten, Gehölze geschnitten, Laub von den Wegen gefegt, neue Grabstellen ausgehoben, Gräber abgeräumt oder bei Bestattungen geholfen. All diese Arbeiten übernimmt jetzt der Betriebshof der Stadt. Denn der 66-jährige Buiting, der schon seit 1978 Aufträge von der Stadt übernommen hat, setzt sich zur Ruhe. Vor der Schlüsselübergabe an Nicole Krengel (Friedhofsverwaltung beim Bauverwaltungsamt) und Stadtgärtner Peter Kannemann (Betriebshof) bedankte sich Technischer Beigeordneter Engin Alparslan bei Buiting, seiner Ehefrau Annette und deren jetzt stellenlosen Mitarbeitern Ralf Müller und Heiko Liebes für die geleistete Arbeit.

Die kommt jetzt auf die 14 Betriebshof-Mitarbeiter des Grünbereichs zu. Sie waren auch bisher nicht unterbeschäftigt. "Wir haben lange überlegt, ob wir die Friedhofspflege übernehmen sollen", räumte Alparslan ein. Erst einmal bis Ende 2015 - und damit über eine gesamte Vegetationsperiode - will die Stadt den Friedhofsbereich betreuen. Bei Bewertung der bis dahin gemachten Erfahrungen sind mehrere Ergebnisse möglich: die Feststellung, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben, weitere Mitarbeiter eingestellt werden müssten, oder dass die Privatisierung doch die wirtschaftlichere Variante ist. Als Buiting 1993 seinen Dienst antrat, gab es im Jahr etwa 86 Sargbestattungen und fünf bis sechs Urnenbeisetzungen. Heute ist das Verhältnis etwa ein Drittel zu zwei Drittel. Insgesamt gab es im ersten Halbjahr erst 36 Bestattungen.

Diese schon langjährige Entwicklung ist in ein neues Friedhofskonzept eingeflossen, das jetzt bei den gärtnerischen Aufgaben berücksichtigt wird. "Wenn Grabfelder frei werden, könnten wir sie zu Wald umwandeln", zeigt Alparslan Möglichkeiten auf, die Pflegefläche zu reduzieren. Die Anstrengungen an der Leichlinger Straße könnten "zu Einschränkungen anderswo führen", deutete der Baudezernent Folgen für andere Stadtbereiche an. Stadtgärtner Peter Kannemann bat um Geduld: "Wir müssen uns erst einmal einfinden. Der Friedhof ist pflegeintensiv wie eine innerstädtische Parkanlage." Die Grabpflege übernimmt die Stadt nicht, weil sie damit in unerlaubte Konkurrenz privater Gärtnerunternehmen treten würde.

Grundsätzlich hofft die Stadt, mit ihrem eigenen (überwiegend vorhandenen) Maschinenpark Arbeiten zeitsparender ausführen zu können. Die Wege werden künftig nicht mehr von Hand, sondern von der Kleinkehrmaschine gesäubert. Schnittarbeiten sind zum Teil auch per Wandmäher machbar. Als gelernte Floristin wird Christina Hellmann für die Friedhofsbesucher Ansprechpartnerin sein. Sie hat schon zehn Jahre lang auf Friedhöfen gearbeitet und gehört seit einem Jahr zum Betriebshof-Team. Für den Sargdienst, der bisher auch von Georg Buitings Team übernommen wurde, stehe die Stadt in Gesprächen mit den anderen Haaner Friedhofsgärtnern, erklärte Engin Alparslan. "Wir können nicht vier Leute zum Sargtragen einstellen."

Die Stadt hat viele Pflegearbeiten, die im Stadtgebiet anfallen, an private Firmen ausgelagert. Rund 200 000 Euro sind für die Firmenaufträge im Haushaltsplan vorgesehen. Die Liste der vergebenen Posten umfasst rund 700 Positionen, die auf 16 Seiten zusammengefasst sind. Gerade in diesem Jahr steht die Neuausschreibung des Auftragspaketes an, erklärte Betriebshofleiter Claus Hippel.

Laut Peter Kannemann haben sich die städtischen Gärtner um 55 Hektar Grünfläche, 127 Hektar Wald und die gesamten öffentlichen Spielplätze zu kümmern. In der ersten Zeit werde der Personaleinsatz auf dem Friedhof sicher verstärkt. Die Bewertung stehe aber erst zum Ende des Jahres 2015 an.

(RP)