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Stadt-Sparkasse Haan kündigt alte Prämiensparverträge

Niedrigzinsen : Stadt-Sparkasse Haan kündigt alte Prämiensparverträge

Sie haben oft noch hohe Zinsen, gelten aber nicht mehr als marktgerecht: Jetzt kündigt die Stadt-Sparkasse Haan alte Sparverträge mit hohen Zinsvereinbarungen – nicht alle Kunden nehmen das klaglos hin.

Immer mehr Sparkassen in ganz Deutschland versuchen, hochverzinste Sparverträge ihrer Kunden loszuwerden. Das Finanzportal Biallo hatte bereits im Februar mitgeteilt, bundesweit seien mindestens 280.000 Verträge gelöst worden. Damals teilte die Sparkasse Haan mit, sie habe ihren Kunden keine Prämiensparverträge gekündigt. Der Bestand solcher Produkte sei im Unternehmen „unterdurchschnittlich“: Insofern habe sich „bisher für unser Haus kein dahingehender Handlungsbedarf ergeben.“

Mittlerweile ist es August – und auch die Sparkasse Haan ist inzwischen dazu übergegangen, alte Prämiensparverträge zu kündigen: „Es handelt sich ausschließlich um Verträge, deren Laufzeit beendet ist“, betonte Nina Schmitz-Steingröver, Leiterin der Unternehmenskommunikation, auf Anfrage. Außerdem machten die Verträge gerade einmal ein Prozent des Gesamtvolumens aus. „Und wir bemühen uns in allen Fällen, gemeinsam mit unseren Kunden adäquate Alternativen zu finden.“

Gleichwohl sind nicht alle davon begeistert, statt der sicheren Sparprozente künftig risikobehaftetere Aktienfonds-Sparmodelle oder andere Varianten abschließen zu müssen, wenn sie ähnliche Renditen wie bei ihren alten Verträgen erzielen sollen.

Unserer Redaktion liegen Beschwerden von mehreren Kunden vor, die beklagen, von den Kündigungen völlig überrascht worden zu sein. Im Frühjahr habe sich das Geldinstitut noch damit gebrüstet, nicht dem Beispiel anderer Sparkassen wie etwa Krefeld zu folgen und die Sparverträge   aufzukündigen – doch jetzt sei der damalige „Heiligenschein“ verblasst. Zumal ja auch niemand auf die Idee komme, bei den Zinsen für Kredite  nachzubessern.

„Zum damaligen Zeitpunkt konnten wir diese Aussage zu 100 Prozent treffen“, sagt Sparkassensprecherin Schmitz-Steingröver: „Da wusste aber auch noch keiner, was mit Corona auf uns alle zukommen würde.“ Die alten Prämiensparverträge seien nun noch deutlicher als nicht mehr marktgerecht einzustufen: Sie können insofern alle betroffenen Kunden nur bitten, „sich von uns beraten zu lassen – wir werden vernünftige Alternativen finden.“

Gegen die Kündigungen alter Sparverträge läuft bereits seit vielen Wochen bundesweit eine Protestwelle: Viele Verträge enthalten Laufzeiten von 15, 25 oder sogar 99 Jahren. Laut Bundesgerichtshof ist die jeweilige Bank übrigens so lange auch  an den Vertrag gebunden und muss die vereinbarten Leistungen erbringen, soweit die Prämienstufen vereinbart worden seien.