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St. Josef: Krankenhausmitarbeiter nähen Schutzanzüge aus Unterlagen

Corona-Krise : Klinik-Mitarbeiter nähen Schutzanzüge

Weil die Lieferungen ausbleiben, greifen Teile der Belegschaft inzwischen selbst zur Nähmaschine und ernten viel Lob.

Es ist schon eine außergewöhnliche Anprobe, zu der sich Farida Kohlbach und Slaviza Aksentic an diesem Tag verabredet haben. Die beiden Mitarbeiterinnen des Haaner Krankenhauses Sankt Josef sitzen an der Nähmaschine und vollenden die letzten Nähte eines grün glitzernden Schutzanzuges. Kurz darauf steigt Farida Kohlbach in das fertige Kleidungsstück. Eine kurze Drehung – und die beiden sind sich einig: „Das sieht doch ganz gut aus“.

Es sieht nicht nur gut aus – es hilft auch ihrem Arbeitgeber und vielen kranken Menschen in diesen Corona-geprägten Tagen konkret weiter. Denn die beiden Krankenhausmitarbeiterinnen haben sich mit weiteren Kollegen zusammengetan, um den Engpass an Schutzkleidung zu überbrücken. Weil Mundschutze, Schutzkittel und Schutzbrillen gerade schwer zu bekommen und doch so wichtig sind, haben sie sich selbst an die Nähmaschine oder den Basteltisch gesetzt.

„Momentan entstehen unter anderem aus Einwegunterlagen wunderbare Schutzkittel“, berichtet Saskia Kipping aus der Pressestelle der Kplus-Gruppe, die das Haaner Krankenhaus betreibt: „Die Unterlagen rollen wir normalerweise in der Notaufnahme aus. Sie sind aus einem abweisenden Material gefertigt, das sich durchaus auch für einen Schutzanzug gut geeignet.“ Und dank der tollen Fertigung durch Teile der Belegschaft seien die ersten Stücke auch schon zum Einsatz gekommen.

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Kplus-Sprecherin Cerstin Tschirner ist ebenfalls voll des Lobes über den Einsatz, erläutert zudem auch, warum dieses Engagement so wichtig ist. „Dass Schutzmasken zur Zeit für das 15-fache des üblichen Preises gehandelt werden – daran haben wir uns inzwischen gewöhnt“, sagt sie.

Immerhin seien die Masken auf dem Markt aber noch zu bekommen. Bei Schutzanzügen sehe die Lage jedoch völlig anders aus: „Die kann man zwar für sechs Euro pro Stück anstatt der sonst üblichen 90 Cent bestellen, ob sie dann tatsächlich auch geliefert werden, steht aber in den Sternen“, berichtet Tschirner. Und Kipping ergänzt: „Wir haben sogar schon mal eine Lieferung bekommen, die aus handelsüblichen Regenponchos bestand. Die sind natürlich völlig ungeeignet, weil sie keinen Schutz bieten. Also haben wir sie umgehend wieder zurückgeschickt.“

Dank der Idee und dem Einsatz von Mitarbeiterinnen wie Farida Kohlbach und Slaviza Aksentic kann das St.-Josef-Krankenhaus aktuell die Löcher in diesem Materialbereich stopfen.

Mittlerweile helfen auch handwerklich begabte Familienangehörige des Personals begeistert mit. „Unsere Mitarbeiter sind einfach toll“, loben Cerstin Tschirner und Saskia Kipping übereinstimmend. Die Näh-Aktion sei ein besonders schönes Beispiel, aber nur eines von vielen.

Auch dieser Einsatz trage dazu bei, dass das Krankenhaus mit den Herausforderungen, die die Coronakrise an alle Beteiligten stellt, bislang klarkommt.

Die Belegungszahlen seien ebenfalls stabil, auch dank der Disziplin der Bevölkerung, die Kontaktsperre ernst zu nehmen und sie nicht zu unterhöhlen. „Derzeit haben wir alles im Griff“, sagt Cerstin Tschirner und hofft, dass alles auch weiterhin gut geht. Mitarbeiterinnen wie Farida Kohlbach, Slaviza Aksentic  und ihre übrigen Kollegen leisten einen wichtigen Beitrag dazu.