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Spannend ‑ als Helferin bei der Europa-Wahl

Haan : Spannend – als Helferin bei der Europa-Wahl

Unsere Autorin hat die Europawahl als Wahlhelferin begleitet, eingesetzt im Bezirk 1120, Haus im Park.

Meine Nachbarin am Wahlhelfertisch im Wahlbezirk 1120 im Haus am Park heißt Nahid Gorji, ist Krankenschwester am Haaner Krankhaus und erzählt, dass sie seit zwei Jahren wählen darf. Sie ist stolz darauf. Und sie ist dankbar. Sie wollte ein Stück Dankbarkeit zurückgeben und hat sich als Wahlhelferin gemeldet. Pünktlich um 8 Uhr am Sonntagmorgen sitzen der stellvertretende Wahlleiter Dieter Gräßler, Jörg Kratz, Nahid Gorji und ich auf unseren Plätzen im barrierefreien Wahllokal, quasi als Gäste in der Seniorenwohnanlage Haus am Park zwischen Kaiser- und Bismarckstraße mitten in Haan.

17 Wahlkreise gibt es in der Stadt. „Dieser Wahlkreis ist bekannt dafür, dass er traditionell die höchste Wahlbeteiligung in Haan hat“, weiß Dieter Gräßler, einst Haaner Stadtrat und dienstältester Wahlaufseher der Gartenstadt. Sofort nach Öffnen der Türen dürfen wir die ersten Wähler begrüßen. Wer uns bekannt ist, darf nicht mit Namen angesprochen werden. Wahlgeheimnis pur. Sofort nach Öffnungsbeginn sind schon Hausbewohner da, manchmal erkennbar an leichtem Schuhwerk. Wer die Wahlbenachrichtigung dabei hat, wird in der Liste abgehakt. Wer sie nicht dabei hat, muss seinen Personalausweis vorzeigen und darf dann trotzdem wählen.

Danach wird der Wahlzettel ausgegeben. 96 Zentimeter lang ist er und führt 40 Parteien auf. „Ach Gott, ach Gott“, sagt gleich die erste Wählerin, denn es ist nicht leicht, das Papier zu entfalten. Manch einer fängt in der Wahlkabine an, die Liste zu studieren. Andere kichern beim Lesen. Wieder andere kennen die Liste schon und sind in Sekunden an der Wahlurne. Dort wird der Schlitz zu einer blauen, ganz normalen Papiertonne freigelegt, und der Wahlzettel kann darin verschwinden. Das Falten der Wahllisten verursacht manchem Wähler Probleme. Darum vergrößert sich das Volumen in der Tonne erheblich. Ein Blick durch den Tonnenschlitz besagt: Mittags ist sie schon halb voll. Der stellvertretende Wahlleiter hat die Anzahl der Stimmen überschlagen und erklärt gegen 13 Uhr, zur Halbzeit und zum Schichtwechsel der Wahlhelfer, dass etwa ein Drittel der Wahlberechtigten schon gewählt haben.

Die Wahlliste zeigt, dass 1496 Haaner in diesem Wahlbezirk 1120 wählen dürfen. Davon hatten bereits 425 Briefwahl beantragt. „Die Erfahrung sagt“, berichtet Dieter Gäßler, „dass etwa 10 Prozent der Briefwahl-Beantrager ihren Wahlzettel nicht abgeben“. Wir Wahlhelfer erfahren eine Reihe guter Wünsche für unseren Dienst. Einer sagt „Gutes Geschäft“.

Eine andere fragt, ob das nicht langweilig sei. Wir sind uns einig, dass es nicht langweilig ist, sondern interessant. Wir können Rollatoren schieben, defekte Kugelschreiber austauschen, die Eltern ermahnen, dass nur Vorschulkinder mit in die Wahlkabine gehen dürfen, Schulkinder nicht, Hunde ja, Ehegatten auch nicht. Wer einen Betreuer mitbringt, darf den auch mit in die Kabine nehmen. Um 18 Uhr wird das Wahllokal geschlossen. Kurz danach wieder geöffnet, denn das Auszählen der Stimmzettel ist nach dem Gesetz öffentlich.