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Haan: Sozialdienst bietet Menschen in Not eine Lebenskrisen-Ambulanz an

Haan : Sozialdienst bietet Menschen in Not eine Lebenskrisen-Ambulanz an

Ob Tod, Schulden, Armut oder Perspektivlosigkeit: Beim Haaner Sozialdienst Katholischer Männer und Frauen gibt es Soforthilfe ganz ohne Wartezeiten.

Was ist eine Lebenskrise? Hubert Gering, Geschäftsführer beim Sozialdienst Katholischer Männer und Frauen (SKFM) in Haan, gibt ein Beispiel: "In einer Mittelstandsfamilie fährt der Vater mit den beiden Kindern los, hat einen Unfall und nur ein Kind überlebt. Dann hat die Mutter viele Probleme: Trauer, materielle Sorgen - kann sie das Haus halten - und mehr." Katja Breker, die sozialpädagogische Leiterin ergänzt: "Wenn der Unfall am Samstag war, erhalten wir am Montag einen Anruf und müssen sofort helfen, denn in psychologischen Praxen müssen Hilfesuchende nicht selten sechs Monate warten."

Seit Anfang des Jahres ist Marion Beckershoff quasi die Lebenskrisen-Ambulanz des SKFM. Die gelernte Heilpraktikerin und Gestalttherapeutin hat bereits in der Vergangenheit eher unauffällig etwas bewirkt in der Gartenstadt: Sie war es, die 2006 die Haaner Tafel gegründet hat. Jetzt betreut sie etwa 15 Personen in Lebenskrisen. Sie sind entweder arm, verschuldet, krank, leiden unter dem Tod geliebter Menschen oder allgemeiner Perspektivlosigkeit. So wie der junge Mann, der ihr bei der Tafel aufgefallen ist, als er dort einen Ausweis beantragt und dabei geweint hat. Er war mittellos, obdachlos und ohne jede Chance, aus dieser Situation aus eigener Kraft herauszukommen. "Jetzt geht er wieder zur Schule, hat eine Wohnung und eine Perspektive", urteilt Beckershoff.

Ihre anderen Fälle: Ältere Menschen, die selbst oder deren Familienmitglieder von Krankheit oder Armut betroffen sind, Depressive, die schon der Karton mit den ungeöffneten Briefen und Rechnungen lähmt. "Da gehe ich dann einfach mal ein paar Stunden hin und helfe beim Sortieren und Abheften", sagt Beckershoff. Es gehe darum, Menschen dabei zu helfen, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen, so Katja Breker. "Wir glauben, dass es sinnvoll ist, bei einer akuten Krise sofort viel Hilfe zu geben, aber nur für einen kurzen Zeitraum." Wartezeiten zu überbrücken, wenn es nötig ist, bevor die anderen Hilfsangebote greifen. "Einer Familie half es schon, dass wir einmal für 100 Euro Grundnahrungsmittel gekauft haben. Dann wurden sie bei der Tafel angemeldet und mussten nicht mehr auf Lebensmittel verzichten", erinnert sich Beckershoff. "Ja, auch in Haan wird gehungert." Dann, wenn die Bedürftigen unter einer "Handlungslähmung" leiden, also nicht in der Lage sind, selbst Anträge zu stellen oder Behördengänge zu erledigen. "Wer das kann, der braucht uns nicht."

Infos und Hilfe unter www.skfm-haan. de oder Telefon 02129 2628

(RP)