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Haan: Schulen schlagen Alarm: Zu wenig Ganztagsplätze

Haan : Schulen schlagen Alarm: Zu wenig Ganztagsplätze

Schon jetzt kann der Bedarf durch die Grundschulen kaum gedeckt werden. Im kommenden Schuljahr wird die Not noch größer, sagen die Rektoren voraus.

Die Grundschulen in Haan sind mit ihrem Ganztagsangebot an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. Das sagten die Leiter gestern in einem Pressegespräch. Der Bedarf an Ganztagsplätzen liege an einigen Standorten bereits in diesem Schuljahr weitaus höher als die auf Landesebene prognostizierten 50 Prozent. Er erreicht teilweise bereits 73 Prozent. "Wir platzen aus allen Nähten", sagte Susanne Klinkow, Leiterin der Grundschule Unterhaan. Haans Schulleiter rechnen damit, dass dieser Bedarf auch in den kommenden Jahren so groß bleiben wird und schlagen Alarm: Will man dem Elternwillen genügen, muss sich das Raumangebot vergrößern. "Ansonsten werde ich im kommenden Schuljahr Anmeldungen ablehnen müssen", sagt Alexa von Saucken, Leiterin der Grundschule Mittelhaan.

Edith Schlaack (Grundschule Bollenberg), Susanne Klinkow (Unterhaan), Annegret Buchart (Don Bosco), Marcus Weikämper (Gruiten) und Alexa von Saucken (Mittelhaan) sind in Sorge. Für das Schuljahr 2014/15 sind an den fünf Haaner Grundschulen 1063 Mädchen und Jungen angemeldet. 594 davon sollen im Offenen Ganztag untergebracht werden, darunter 469 in so genannter rhythmisierter, 125 in additiver Betreuung (siehe Infobox). Das macht einen Anteil von 55,8 Prozent an Schülern in Ganztagsbetreuung aus. Denn auch für die kommenden Jahrgänge zeichne sich — absehbar am hohen Anteil von Ganztagsbetreuung schon in den Kindertagesstätten — ein weiterhin großer Bedarf ab, sagen die Schulleiter. Sie rechnen mit einem Anteil von 80 plus. Übersteigt aber die Zahl der Kinder im kommenden Schuljahr die der Ganztagsplätze, "werde ich nicht allen einen Platz versprechen können", sagt Weikämper. "Wir brauchen zwei Räume mehr, dann hätten wir auch wieder Luft", berichtet er.

Ähnlich ist die Lage in der erst 2011 erbauten Grundschule Mittelhaan. Sie teilt sich die Räumlichkeiten mit der Haaner Musikschule und kann daher ab 14 Uhr, wenn der Musikschulunterricht beginnt, nicht mehr auf alle Klassenzimmer und Gruppenräume zugreifen. 74 Prozent aller Eltern in ihrem Einzugsgebiet wünschen sich aber für ihre Kinder eine Ganztagsbetreuung, berichtet Alexa von Saucken. Doch weil sie nicht über genügend Räume verfügt, "werde ich keine weitere Ganztagsgruppe öffnen können", bedauert sie. Angesichts dieser Lage ist auch Edith Schlaack, Leiterin der Grundschule Bollenberg, hellhörig: Ihre Schule soll zwar erweitert werden. Doch "wenn umgebaut wird, dann so, dass wir nicht in zwei bis drei Jahren wieder von den Ereignissen überrollt werden".

Mit ihrem nachdrücklichen Appell richten sich die Schulleiter vor allem an die Politik. Im September melden die Eltern ihre Kinder für das nächste Schuljahr an, und dann "müssen wir Planungssicherheit haben. Wir müssen wissen, welche Kapazitäten wir zur Verfügung haben", betont Annegret Buchart. "Es bedarf einer klaren Willenserklärung von politischer Seite", sagt Buchart mit Blick auf den nächsten Jugendhilfeausschuss, der am Donnerstagabend tagt und auch über dieses Thema beraten wird.

Sorge macht den Schulleitern jedoch auch, dass eine Kommunalwahl bevorsteht, die in der politische Entscheidungsfindung zusätzlich Zeit kostet — denn die neuen Ratsmitglieder müssten sich in die Thematik erst einarbeiten.

(RP)