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Analyse: Schulen: Ganztag platzt aus allen Nähten

Analyse : Schulen: Ganztag platzt aus allen Nähten

Die Stadt Haan muss neue Konzepte erstellen. Das hat Auswirkungen auch auf die Musikschule.

Dem Haaner Rat stehen voraussichtlich millionenschwere Entscheidungen ins Haus: Mit einem jetzt vorliegenden Sachstandsbericht gibt die Stadtverwaltung dem Bildungsausschuss für dessen nächste Sitzung am 3. September Auskunft über den Zustand der Grundschulen in Haan. Der Bericht bestätigt: Es besteht Sanierungs- und Erweiterungsbedarf. Neue Konzepte, die die Stadtverwaltung im Auftrag des Rates und seiner Ausschüsse erstellt, werden Auswirkungen wohl auch auf den laufenden Betrieb der Musikschule haben.

Wo liegt das Problem? "Wir platzen aus allen Nähten", sagt Susanne Klinkow, Leiterin der Grundschule Unterhaan, und bringt damit die Situation für fast alle Haaner Grundschulen auf einen Punkt: Die Nachfrage nach einer Ganztagsbetreuung von Grundschülern ist groß, und sie steigt stetig. Räumlich ist sie kaum noch zu fassen. Zum Schuljahr 2014/15 werden 594 Mädchen und Jungen im Ganztag betreut, diese Zahl wird weiter wachsen. Räumliche Notstände entstehen beispielsweise in der Grundschule Unterhaan, die weiterhin mit Containern auskommen muss. Außerdem in der Grundschule Mittelhaan, die sich zwar über einen Neubau freut, dessen Kapazitäten aber bereits von der aktuellen Entwicklung überholt wurden.

Was bedeutet das für die Grundschule Mittelhaan? Laut Vertrag muss sie einen Großteil ihrer Räume ab 14 Uhr der benachbarten Musikschule überlassen und kann daher über die Klassenzimmer im Ganztag nicht verfügen. Die Stadtverwaltung sucht zurzeit nach Lösungen. Es wird überlegt, Musikschulunterricht in der Kernzeit von 14 bis 16.30 Uhr in andere Gebäude auszulagern, um dem Ganztag der Grundschule mehr Platz zu geben.

Schulleiterin Friederike von Wiser vor dem Gymnasium Haan. Foto: ola (3), goet

Wie geht es weiter mit der Grundschule Gruiten? Laut Verwaltung laufe die Offene Ganztagsschule am Standort Gruiten "im Vergleich zu den anderen Standorten unter den ungünstigsten räumlichen Bedingungen". Aus Sicht der Verwaltung bestehe daher "dringender Handlungsbedarf": Sie will für die Sitzung des Bildungsausschusses im November, grünes Licht der Politik vorausgesetzt, ein Konzept für die Sanierung und Erweiterung vorlegen. Laut Schulleiter Marcus Weikämper belaufen sich die baulichen Mängel unter anderem auf mangelhafte Fenster und Sanitäranlagen sowie ein sanierungsbedürftiges Dach. "Eine räumliche Erweiterung ist zwingend nötig", betonte Weikämper. Rückenwind erhält er von den Fraktionen SPD, GAL und WLH, die in einem gemeinsamen Antrag die stufenweise Sanierung des Schulgebäudes fordern: "Wir wollen das Projekt anstoßen", hatte Jörg Dürr, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, Mitte Juli bei Antragstellung gesagt. Noch im Februar war die GAL mit ihrem Antrag an der alten Ratsmehrheit gescheitert.

Grundschule Gruiten mit OGS-Pavillon. Foto: ola (3), goet

Wird die Erweiterung der Grundschule Gruiten den Neubau des Gymnasiums Adlerstraße gefährden? Der Ausbau der Grundschule Gruiten wie auch der notwendige Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Gruiten scheinen vielmehr durch den Kommunalsoli gefährdet. Stadtkämmerin Dagmar Formella zuletzt: "Dort muss etwas geschehen, das geht aber wegen des Kommunalsolis nicht." Deshalb hat sich die Stadt Haan einer Klage gegen die Abgabe zugunsten finanzschwacher Gemeinden angeschlossen. Begonnene Projekte wie der Neubau des Gymnasiums sollen ungeachtet dessen fortgeführt werden, hatte Formella versichert: "Das ist unser Ziel." Mit Kostenschätzungen für die Grundschule Gruiten hält sich Formella noch zurück.

Marcus Weikämper, Leiter der Grundschule Gruiten. Foto: ola (3), goet

Welche Fragen müssen nun Stadtverwaltung und Politik beantworten? Die nach den Kosten. Wie kann Haan die Erweiterung der Grundschule Gruiten angesichts des geplanten, 26 Millionen Euro schweren Projekts des Neubaus Gymnasium Adlerstraße stemmen? Von einem stufenweisen Ausbau ist die Rede, also auch von einer stufenweisen Finanzierung? Der Vorschlag der WLH-Fraktionsvorsitzenden Meike Lukat, die Modernisierung mit dem Geld zu finanzieren, das im Haushalt für die Erschließung des zweiten Bauabschnitts des Technologieparks bereit gestellt wurde, wird intensive Diskussionen auslösen. Ist es richtig, beide Projekte gegeneinander auszuspielen?

(RP)