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Haan: Schüco: Zähes Ringen um den Sozialplan

Haan : Schüco: Zähes Ringen um den Sozialplan

Das Unternehmen hält an seinen Schließungsplänen fest. Jetzt muss geklärt werden, was aus den Mitarbeitern wird.

Einige Mitarbeiter hatten Glück: Sie haben bereits einen neuen Job gefunden und konnten dem Haaner Werk der Firma Schüco den Rücken kehren. Doch für den Großteil der Beschäftigten laufen zurzeit die Verhandlungen um einen Sozialplan: Ende dieses Jahres will die Firma Schüco ihren Standort in Haan schließen und die Aktivitäten nach Weißenfels in Sachsen-Anhalt verlagern. Bis zu 70 Beschäftigte können von Haan nach Weißenfels mit umsiedeln - so lautet das Angebot der Unternehmensleitung.

Betroffen waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Nachricht Mitte April dieses Jahres 150 Mitarbeiter. Zehn fanden zwischenzeitlich eine neue Anstellung. Jetzt sind es noch 140, deren Zukunft ungewiss ist. Das berichten Marcus Platz, Jörg Birkendahl, Michael Wegener und Dennis Sinan. Sie gehören dem insgesamt siebenköpfigen Betriebsrat an, der zurzeit den Sozialplan für die Belegschaft aushandeln muss.

Dabei wird beispielsweise geklärt, wie die Verlagerung der 70 Arbeitsplätze nach Weißenfels geregelt wird, ob für die in Haan verbleibenden Mitarbeiter eine Transfergesellschaft eingeschaltet wird oder wie hoch mögliche Abfindungen sind. "Wir haben ein Riesen-Interesse daran, das so sozialverträglich wie möglich abzuwickeln", sagt Betriebsrat Platz.

Doch es ist offenbar ein zähes Ringen, das im Juli begann und sich seither in die Länge zieht. Das bestätigt auch Schüco-Sprecher Thomas Lauritzen: "Es gibt unterschiedliche Vorstellungen, und die müssen überein gebracht werden." Details wollen weder Betriebsrat noch Unternehmenssprecher nennen, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.

So sind bislang auch noch keine Kündigungen ausgesprochen. Interesse an einem Umzug nach Weißenfels habe nur eine Handvoll Mitarbeiter geäußert. Das liegt auch daran, dass vertragliche Einzelheiten noch nicht feststehen, vermutet Betriebsrat Platz. An dem Haaner Schüco-Standort wird immer noch produziert, berichtet Lauritzen, die Stimmung ist laut Betriebsrat gedrückt. "Die Leute sind traurig", viele Schüco-Beschäftigte seien langjährige Mitarbeiter, die in dem Werk schon in die Lehre gingen, sagt Platz. Die jüngsten Investitionen in den Standort hätten Belegschaft und Betriebsrat in Sicherheit gewogen: "Nicht einer von uns hat damit gerechnet", sagt Marcus Platz zur geplanten Schließung des Werks.

Die Arbeitsagentur Mettmann ist bereits eingeschaltet. "Eine erste Informationsveranstaltung für die betroffenen Mitarbeiter ist für den 25. September im Betrieb geplant", teilt ihr Sprecher Lars Beyer mit. "Sobald wir eine Namensliste der gekündigten Schüco-Angestellten erhalten, nehmen wir mit diesen Kontakt auf, um individuelle Beratungsgespräche zu vereinbaren", sichert Beyer zu. Die Schüco-Beschäftigten können durchaus Hoffnung haben: "Allein im Kreis Mettmann haben wir im Bereich der Kunststoff verarbeitenden Industrie 61 offene Stellen", berichtet Beyer.

Der überwiegende Teil der Mitarbeiter bei Schüco komme aus Fachberufen wie Elektriker, Schlosser, Industriemechaniker, Verfahrensmechaniker. "Wer nicht zu spezialisiert auf seinem Gebiet ist, sollte gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt im Kreis haben, erst recht, wenn er etwas flexibel ist", sagt Beyer. Denn auch im angrenzenden bergischen Städtedreieck gebe es zurzeit 64 offene Stellen im kunststoffverarbeitenden Gewerbe, in Düsseldorf sind es nochmals 41. "Fachkräfte werden allgemein in der Region gesucht, vor allem die mit einer guten Ausbildung", betont Beyer. Vielleicht ein Lichtblick für die 140 verbliebenen Schüco-Leute.

(RP)