L 357 in Haan Baustelle ist große Herausforderung für Verkehr

Haan · Die Sanierung der Landesstraße 357 hat begonnen. Die Strecke zwischen Tankstelle und Kreisverkehr wurde vorgezogen und ist gesperrt. Selbst Ortskundige wussten am ersten Tag teils nicht weiter.

Haan-Gruiten: Großbaustelle L 357 sorgt für Probleme
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Großbaustelle L 357 sorgt für Probleme

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Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Mehrfach umrundet der VW Passat mit dem Mettmanner Kennzeichen den Kreisverkehr Millrather Straße/Gruitener Straße/Osttangente. Dann, sein Blick wirkt zunächst unsicher, dann nahezu verzweifelt, kurbelt der ältere Herr am Steuer das Fenster an der Fahrerseite herunter und ruft dem Reporterteam zu: „Ich weiß nicht weiter. Ich muss doch nach Düsseldorf. Wie komme ich denn jetzt zur Autobahn? Das gibt es doch gar nicht!“ Die Sanierung der Landesstraße 357 (Millrather Straße/ Gruitener Straße) hat begonnen, und zwar zwischen Ellscheider Straße und Einmündung Lindenweg. Zwischen Polnische Mütze und Kreisverkehr läuft der Verkehr seit dem Wochenende nur noch in eine Richtung. Wer nicht absolut ortskundig ist, steht beim größten Straßenbauprojekt in Gruitens jüngerer Geschichte vor Herausforderungen. So auch Lastwagenfahrer, die aus dem Kreisverkehr in Richtung Haan-Ost fahren wollen und erst nach Einbiegen in die Gruitener Straße die Sperrbaken sehen – Rückwärtsrangieren mit Hänger in den Kreisverkehr wird immer wieder zur Herausforderung für die Fahrer und Geduldsprobe diejenigen dahinter.

Ein Tross, zu größten Teilen bestehend aus Lkw, Taxen und Pkw mit auswärtigen Kennzeichen, staut sich vor dem Sackgassen-Schild an der Gruitener Straße in Richtung Hochstraße, die vom Kreisverkehr aus geradeaus führt. Das Zusatzschild „frei bis Millrather Straße 38, keine Wendemöglichkeit“ setzt Ortskunde voraus. „Ich hatte gehofft, dass ich hier durch komme“, ruft ein Lkw-Fahrer aus dem hoch gelegenen Führerhaus des Fahrzeugs, welches gerade an erster Stelle steht. Genervte Gesichter in den Fahrzeugen dahinter, dann Versuche, hinter dem Lkw zu drehen, als klar wird: Hier geht es nicht weiter.

Viele fest in Autos verbaute Navigationsgeräte erkennen die Sperrung und damit auch die Umleitung nicht, lediglich bei der Navigation über Googlemaps sei dies der Fall, hatte Stefan Huth, Abteilungsleiter von Straßen NRW bei der Bürgerinformation am Freitagabend erklärt. Die Umleitung ist mit vielen gelben Schildern gut ausgeschildert, der Bogen, der gefahren werden muss, um eben beispielsweise vom Kreisverkehr kommend Richtung Autobahn zu fahren, ist aber groß: Es geht Richtung Wuppertal-Vohwinkel, vorbei am Hof „Zur Linden“ und dann von hinten an die Shell-Tankstelle Elberfelder Straße in Autobahnnähe heran.

An der Tankstelle haben die Mitarbeiterin und die Kunden andere Sorgen als die Straßensperrung: Öl ist ausgelaufen, sowohl auf dem Tankstellen-Gelände als auch auf einer der von der Kreuzung abgehenden Straßen. Auch die Feuerwehr ist da. „Ich dachte erst, wegen der Sperrung, aber sie kümmert sich um die Ölspur“, sagt ein junger Mann, der gerade tankt. Seine gute Laune kann die Straßensperrung nicht trüben. „Ich kenne mich hier gut aus. Ich wüsste immer, welchen Weg ich als Alternative nehmen müsste“, erklärt der Mann, Mitarbeiter einer Entsorgungsfirma. „Eigentlich komme ich aus Solingen, bin aber beruflich immer in Hilden und Haan unterwegs. Heute Morgen habe ich meine Route trotz der Sperrung gut geschafft.“

Auch die Tankstellen-Mitarbeiterin muss, nachdem sie mit dem Besen bezüglich der Ölspur aktiv war, überlegen, ob sich kürzlich Kunden wegen der Sperrung beschwert haben. „Eigentlich nicht. Also heute noch nicht“, berichtet sie. Im Vorhinein habe es schon große Bedenken gegeben, berichtet die Frau, die selbst aus Velbert kommt und ihren Arbeitsplatz an der Tankstelle somit mühelos erreichen konnte. „Aber es wurden ja alle Anwohner rechtzeitig im Vorhinein informiert. Also seitdem die Straße gesperrt ist, habe ich noch keine Beschwerden gehört. Das ist ja nur vorübergehend und hoffentlich dann bald vorbei.“

In Richtung Gruiten ist recht viel los an diesem Morgen, einen richtigen Stau gibt es allerdings nicht. Wer die L 357 in Richtung Kreisverkehr befährt, muss vorsichtig sein: Überall gilt Tempo 30, und in Höhe Stropmütze steht ein mobiles Radargerät. „Tja, die brauchen halt Geld für ihre Baustelle“, scherzt ein Gruitener, der diesen Weg gefahren ist und nun bei „Supernah“ einkauft. Dann sagt er: „Der Blitzer ist für mich eigentlich das Ärgerlichste an der Baustelle. Das muss doch nicht sein, es sind doch alle genug gebeutelt mit den Verzögerungen dadurch.“

Irritation gibt es bei Fußgängern in Baustellen-Nähe. Denn ohne ersichtlichen Grund ist am Montag auch der Weg im Grünzug (an jeder Stelle mindestens 20 Meter von der Straßenbaustelle entfernt), für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Wer vom Lindenweg nach links geht, darf durch, ist aber erst einmal der Parkplatz gegenüber der Birkensauna erreicht, mit Blick auf die Schilder nicht wieder zurück. Dienstagmorgen ist manches anders: Der Grünzug ist wieder begehbar, die Straßensperrung am Lindenweg um einige Meter vorgezogen. Auf der Niederbergischen Allee läuft der Umleitungsverkehr ruhig. Autofahrer biegen am Ende links in die Ellscheider Straße in Richtung Haan ab.

Jenseits der Sperren wird am Vormittag damit begonnen, die Leitplanken zu demontieren. Danach werden die Bankette entfernt, hatte Stefan Huth erläutert, anschließend der Asphalt aufgenommen. Um den gesamten Straßenaufbau zu erneuern, werde die Trasse ausgeschachtet – 60 Zentimeter tief –, deshalb musste auch die Eisenbahnbrücke außer Betrieb genommen werden. Dienstag lärmten Motorsägen, als Trupps in den Gehweg ragende Hecken beischnitten und später auch Straßenbäume einige Äste lassen mussten.

Insgesamt wird das heute noch von Schlaglöchern überzogene Teilstück der Landstraße auf 2,15 Kilometern Länge saniert, auch Geh- und Radweg gehören dazu. Elf Bauabschnitte wird es im Verlauf von rund einem Jahr geben.

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