Haan „Keine Toilette mehr in der Innenstadt“

Mit der Schließung der meisten Geschäfte während der Corona-Krise geht auch die Zahl der „netten Toiletten“ gen null.

 Rolf Maacken ärgert sich, dass für ihn jetzt auch die Toiletten in der Sparkasse geschlossen sind.

Rolf Maacken ärgert sich, dass für ihn jetzt auch die Toiletten in der Sparkasse geschlossen sind.

Foto: "Köhlen, Stephan (teph)"/Köhlen, Stephan (teph)

Vor zwei Jahren ist Rolf Maacken von seinem damaligen Wohnort Benrath nach Haan gezogen. Seitdem hat er es sich zur Gewohnheit werden lassen, mittwochs und samstags auf den Wochenmarkt in der Innenstadt zu gehen – einerseits, um die örtlichen Marktbeschicker mit ihren frischen Produkten zu unterstützen: „Zum anderen kann ich dann aber auch gleich meinen Hund Gassi führen“, erzählt der 69-Jährige.

Neuerdings hat Maacken aber ein Problem: Er findet keine für ihn zugängliche Toilette mehr. „Eine öffentliche Toilette gibt es in Haan ja sowieso nicht mehr“, beklagt der Rentner. Doch mittlerweile hätten im Zuge der Corona-Krise so viele Geschäfte zugemacht, dass er auch nach dem Haaner Prinzip der „netten Toilette“ nichts mehr finde.

„Nette Toilette“: Dahinter steckt die Idee, ohnehin vorhandene Toilettenanlagen in Gastronomie- und Einzelhandelsbetrieben für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ohne dass ein Konsum- oder Kaufzwang entsteht. Öffentliche Toiletten stellen für Kommunen einen hohen Kostenfaktor dar, zum einen durch den Bau in ausreichender Anzahl, zum anderen durch die anschließende Unterhaltung. Dennoch sind gerade Senioren und Eltern mit kleinen Kindern darauf angewiesen, beim Besuch der Innenstadt eine öffentliche Toilette nutzen zu können – manchmal unverhofft und dann möglichst rasch. So jedenfalls steht es auf der entsprechenden Internetseite der Stadt.

Dank der Initiative des Haaner Seniorenbeirats konnten 23 Geschäfte und Gastronomien in Haan und drei in Gruiten gewonnen werden, die ihre Toilette für dieses Projekt zur Verfügung stellen. Sie sind jeweils mit einem Aufkleber „Nette Toilette“ gekennzeichnet. „Doch nachdem jetzt auch die Sparkasse in ihrer Hauptfiliale an der Kaiserstraße wegen Angst vor Ansteckungen die Toilette für Besucher gesperrt hat, weiß ich nicht mehr wohin“, sagt Maacken. Und er sei mit Sicherheit nicht der einzige mit Prostatabeschwerden. „Wenn die alle zu Hause bleiben, müssen die Marktbeschicker drunter leiden – und ich kann sehen, wie ich sonst an meine Einkäufe komme.“

Bürgermeisterin Bettina Warnecke äußerte auf Anfrage, es gebe noch Möglichkeiten. „In der Tiefgarage des Rewe-Marktes an der Dieker Straße ist die Toilette noch geöffnet“, berichtete sie nach einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Haaner Seniorenbeirats, Karlo Sattler.

Erst in der vorletzten Sitzung des Haaner Stadtrats, hatte das Thema öffentliche Toilette größere Wellen geschlagen. Damals erklärte die Verwaltung, man plane, im Zuge des Rathausneubaus auch eine öffentliche Toilette einzurichten.

WLH-Fraktionsvorsitzende Meike Lukat beantragte jetzt, dass nun kurzfristig das Schloss der als "Behinderten-WC" ausgezeichneten Toilette am Windhövel mit einem neuen Schloss versehen wird, damit diese als öffentliche Toilette genutzt werden könne. Auch solle ein Putzplan eine tägliche Reinigung erfolgen.

„Auf eins müssen wir natürlich auch hinweisen“, fügt die Bürgermeisterin jetzt hinzu: „Das Anliegen des Seniorenbeirats ist es nicht, in diesen Tagen gerade die älteren Leute auch noch zusätzlich in die Innenstadt zu lotsen.“ Wer also nicht unbedingt den Weg auf sich nehmen müsse, der solle tatsächlich lieber zu Hause bleiben. Auch wenn es wegen einer fehlenden Toilette sei.

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