Raub: Polizei schnappt weiteren Verdächtigen

Haan : Polizei schnappt weiteren Verdächtigen

Ein 23 Jahre alter, polizeibekannter Haaner sitzt seit dem Wochenende in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, an dem spektakulären Überfall am 31. Mai 2017 auf den Rentner am Hermann-Löns-Weg maßgeblich beteiligt gewesen zu sein.

Das ging schnell: Nachdem in der Gerichtsverhandlung um den Raub an einem Rentner am Hermann-Löns-Weg in Haan erst vergangene Woche von einem weiteren möglichen Mittäter die Rede war, hat die Polizei am Freitagabend einen Mann aus Haan festgenommen.

Der bis dahin unbekannte Mittäter soll als dritter Mann mit im Haus gewesen sein, während drei weitere Angeklagte – ausgestattet mit unterschiedlichen Aufträgen – im Umfeld des Hauses gewartet haben sollen. Er soll dort sogar das Kommando gehabt und den beiden Komplizen im Gebäude gesagt haben, was sie dort tun und lassen sollen. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal legt dem 23-Jährigen daher nun zur Last, maßgeblich an der Ausführung des Raubes sowie der Brandstiftung am 31. Mai 2017 beteiligt gewesen sein. Der junge Mann ist polizeibekannt und dort schon mehrfach in Erscheinung getreten.

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft weiter mitteilen, konnte der 23-Jährige nach intensiver Fahndungs- und Ermittlungsarbeit in Haan festgenommen werden. Beamte durchsuchten die Wohnung des Tatverdächtigen und stellten dabei unter anderem diverse Waffen und verbotene Gegenstände sicher, darunter den Nachbau einer Pistole, einen Schlagring mit integriertem Messer, einen als Taschenlampe getarnten Elektroschocker, einen Teleskopschlagstock sowie eine Sturmhaube. Der 23-Jährige befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dauern an.

Wie die Staatsanwaltschaft Wuppertal auf Anfrage erklärte, hat nach der Erklärung des einen Verdächtigen im Prozess ein weiterer ausgesagt. Auf Fotos hätten die möglichen Mittäter den Komplizen identifiziert. Die Festnahme sei unter anderem deshalb veranlasst worden, weil bei einer denkbaren Haftstrafe zwischen fünf und 15 Jahren durchaus Fluchtgefahr bestanden habe. Inzwischen habe der 23-Jährige einen Verteidiger bestellt. Der habe erklärt, es müsse sich um eine Verwechslung handeln. Jetzt wird der Anwalt Einsicht in die Akten erhalten und sich dann erklären können.

Der Rentner Carl K. ist am 31. Mai 2017 in seinem Haus am Hermann-Löns-Weg brutal überfallen worden. Einige Männer sollen den Rentner dort über Stunden hinweg traktiert haben, um ihn dann gefesselt und geknebelt auf der Terrasse seines brennenden Hauses zurückzulassen. Ein Nachbar hatte den bis auf die Unterhose entkleideten Pensionär damals dort gefunden. „Eine Minute später, und ich hätte das nicht überlebt“, erinnerte sich Carl K. vor Gericht.

Die Feuerwehr sei schnell da gewesen, das sei ein großes Glück für ihn gewesen. Später sei die brennende Markise hinter ihm heruntergebrochen. Dazu sei noch das Dach eingestürzt. Die Männer hatten ihn vorher mit Benzin übergossen und ihm gesagt, dass es gleich schön warm für ihn würde.

Der mutmaßliche Drahtzieher des Raubes wird gesondert angeklagt, gegen ihn wird gerade am Landgericht Hagen wegen besonders schweren Raubes und versuchten Mordes verhandelt. Über 20 Jahre hinweg soll der Mann, der beim Haaner Tiefbauamt gearbeitet hatte, gemeinsam mit fünf Mittätern diverse Geldtransporter – unter anderem in Langenfeld – überfallen und dabei mehrere Millionen Euro erbeutet haben.

Vorgeworfen wird ihm die Beteiligung an 13 Überfällen, es dürfte am Ende auf eine hohe Freiheitsstrafe hinauslaufen. Kommt es bei einer hohen Strafe, die eventuell sogar in einer anschließenden Sicherungsverwahrung mündet, überhaupt zu einem Prozess wegen des Überfalls auf den Pensionär am Hermann-Löns-Weg? Dazu sagt Arnim Kolat vom Wuppertaler Landgericht, wo bereits Anklage erhoben wurde: „Sollte die hier zu erwartende Strafe nicht mehr wesentlich ins Gewicht fallen, kann das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt werden.“

Der Raubprozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Nach bisherigem Terminplan ist für kommenden Montag die Urteilsverkündung geplant.

(tobi)
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