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Haan: Prozess wegen dreifachen Raubes - endet mit Gefängnis und Freispruch

Haan : Prozess wegen dreifachen Raubes - endet mit Gefängnis und Freispruch

Für sechs Jahre und zwei Monate muss nach dem Urteil des Landgerichts Wuppertal ein 47-jähriger Mann wegen einfachen Raubes in Remscheid hinter Gittern.

Er hatte eine 80-jährige Remscheiderin in ihrer Wohnung überfallen und dabei rund 15 000 Euro erbeutet.

Für eine zweite ihm zur Last gelegte Tat - einen zweimaligen Überfall auf dasselbe Ehepaar innerhalb von drei Wochen in Haan - reichte die Indizienkette für eine Verurteilung nicht aus. Der Angeklagte wurde in diesem Punkt freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte insgesamt elfeinhalb Jahre Gefängnis gefordert, der Verteidiger Freispruch mangels Beweisen.

Das Gericht sah es "ohne einen vernünftigen Zweifel" als erwiesen an, dass der Mann im Mai 2013 die Remscheiderin in ihrer Wohnung beraubt hatte. Dabei hatte er sie mit der Wohnungstür zu Boden gedrückt und sie anschließend mit dem Tode bedroht. Die völlig verängstigte Frau rückte ihre Geldschatulle raus. Als schlüssige Beweise galten dem Gericht die Protokolle einer technischen Überwachung des Mannes in seinem verwanzten Auto. Er hatte tatsächlich geplant, sein Remscheider Opfer ein zweites Mal zu überfallen. Die GPS-Überwachung zeigte, dass er extrem langsam am Haus der Seniorin vorbeifuhr und zu einem Unbekannten sagte: "Die habe ich ausgeraubt." Weitere Äußerungen bewiesen eindeutiges Wissen, das nur der Täter haben konnte.

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Der Angeklagte hatte während der Verhandlung angegeben, er habe eine Goldkette von einem Hehler gekauft und wollte aufgrund einer XY-Fernsehsendung den Täter, den er im Hehler vermutete, auf eigene Faust ermitteln. "Wen glauben Sie, haben Sie vor sich?", sagte dazu der Richter in seiner Urteilsbegründung. "So einen Schwachsinn habe ich noch nie gehört."

Aus der anderthalbtägigen Überwachung sei ersichtlich, dass sich der Tagesablauf des 47-Jährigen nur um die Begehung von Straftaten drehte. Am Tatort in Haan hatte die Polizei einen Handschuh mit DNA-Spuren entdeckt, das reichte dem Gericht aber nur für einen Anfangsverdacht aus.

Weitere Indizien - wie die Bekanntschaft des Angeklagten mit einem Ehepaar, das den Überfallenen im Garten zur Hand ging und eine geraubte EC-Karte der Opfer, die 400 Meter vom Wohnort des Angeklagten in einen Bankautomaten gesteckt worden war - sprachen zwar gegen den Angeklagten, aber eben nicht zwingend. Die Gartenhelfer werden viele Menschen gekannt haben, und auch die Wege der EC-Karte könnten durchaus verschlungen gewesen sein, sagte der Richter.

Gleichwohl dürfte die Haftzeit des Verurteilten länger dauern - der Mann ist in der Schweiz (noch nicht rechtskräftig) zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sie dürfte er anschließend absitzen.

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(RP)