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Haan/Mettmann: "Polit-Haudegen" seit 1969 im Kreistag

Haan/Mettmann : "Polit-Haudegen" seit 1969 im Kreistag

Der dienstälteste Politiker Klaus-Dieter Völker aus Haan ist seit 40 Jahren CDU-Fraktionschef. Das Neanderland, Finanzen, Altenpflege und Berufsschulen nennt er als Schwerpunkte für die gestern begonnene Wahlzeit.

Häufig ist von politischen "Urgesteinen" die Rede - selten aber trifft die Bezeichnung so sehr zu wie auf Klaus-Dieter Völker (CDU). Seit 50 Jahren ist der Haaner auf dem politischen Parkett zu Hause. Er war viele Jahre Ratsmitglied und Fraktionsvorsitzender in seiner Heimatstadt und gehörte 16 Jahre dem Landtag an. Seine besondere Leidenschaft allerdings gilt der Kreispolitik. Seit 45 Jahren ist er Mitglied des Kreistags - ununterbrochen. Insofern nimmt der 76-Jährige mit der gestern begonnenen Legislaturperiode die 50 in den Blick.

"Klaus-Dieter Völker ist der personifizierte Kreispolitiker. Von der Institution 'Kreis', ihrer Wirkung und ihrer Notwendigkeit ist er zutiefst überzeugt", würdigte Landrat Thomas Hendele Völker, als der im vorigen August sein 40-Jähriges als Chef der Kreistagsfraktion feiern konnte. Recherchen des Landkreistages ergaben, dass offenbar kein anderer Kreistag in Nordrhein-Westfalen mit einem solchen Jubilar aufwarten kann.

Neun Wahlperioden hat Völker richtungsweisend mitgestaltet, gestern startete die zehnte. In einer Hinsicht bringt sie etwas Neues für den alten Polit-Haudegen: "Ich habe zum ersten Mal bei der Suche nach Mehrheiten mit mehr als einem Partner zu tun", sagt Völker im RP-Gespräch. 33 Stimmen (plus eine von Landrat Thomas Hendele) hat die CDU-Fraktion. Die FDP hat nur noch vier Sitze im Kreistag. Nach dem Verlust von fünf Mandaten seien die Liberalen "so am Boden, dass sie zufrieden sein müssen, noch mitspielen zu dürfen". Das ist Michael Ruppert (FDP) bestimmt; der Haaner Liberale wurde einmal mehr zum stellvertretenden Landrat gewählt. Die Unabhängige Wählergemeinschaft zählt ebenfalls vier Vertreter im neuen Kreistag, nachdem ein Abgeordneter der Velberter Gruppe hinzugestoßen ist. In zwei mehrstündigen Sitzungen sei es gelungen, die Kooperation zu schmieden.

Klaus-Dieter Völker war in unzähligen Gremien aktiv und hat der Kreispolitik seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Sein Denken und Handeln war und ist immer bestimmt von dem Ziel, einen Kreis zu schaffen, der im Schulterschluss mit seinen Städten den Bürgern Arbeit, soziale Sicherheit, und Lebensqualität garantiert und ihnen das gibt, was sie wünschen: eine Heimat mit hohem Freizeitwert.

Nach den Herausforderungen für die nun sechsjährige Legislaturperiode gefragt, sagt Völker spontan: "Das Neanderland mit allem Drum und Dran." Die touristische Marke müsse weiterentwickelt und dazu auch die Infrastruktur verbessert werden. Wenn nur jeder Wanderer 10 Euro im Kreis lasse, summiere sich das schnell in die Hunderttausende. Die größte Aufgabe sei die finanzielle Situation der Städte. Deren Spielräume werden durch die vom Land beschlossenen Solidarlasten beschnitten. Andererseits benötige auch der Kreis Geld, um seine Aufgaben zu bewältigen.

Im Zusammenhang mit der Inklusion sei das Problem der Förderschulen noch nicht gelöst. Gemeinsam mit den Städten sei allerspätestens im übernächsten Jahr eine Lösung fällig, steckte Thomas Hendele gestern das Ziel. Ebenfalls angepackt werden müsse die Vermittlungsquote von Langzeitarbeitslosen .Und bei der Altenpflege gebe es nicht nur eine durch den gekürzten Landeszuschuss verursachte Unterfinanzierung der kreiseigenen Akademie, sondern vor allem zu wenig Nachwuchs.

Ungebrochen sind Völkers Energie und Leidenschaft, mit der er bis heute seine Fraktion, den gesamten Kreistag und natürlich auch die Kreisverwaltung antreibt. "Ich werde so lange weiterarbeiten, wie ich gesund und munter bin", kündigt der gelernte Weber und spätere Bankkaufmann an, der ein hohes Durchsetzungsvermögen besitzt. "Mit ihm kann man leidenschaftlich und durchaus kontrovers diskutieren. Schön ist, dass es am Ende fast immer Lösungen gibt, die nicht nach faulen Kompromissen schmecken, sondern tragfähig sind", findet Landrat Hendele.

Der "Häuptling" - wie er schon mal in der Kreis-CDU genannt wird - ist stets einmütig zum Fraktionsvorsitzenden gewählt worden. Ein Ritual sorgt regelmäßig für ein Lächeln nach Sitzungen - und seien sie noch so hart gewesen: Klaus-Dieter Völker erzählt immer einen Witz.

(RP)