Waldstück Osterholz Morddrohungen gegen Kalkwerke-Chefs nach Rodung

Haan/Wuppertal · Im Streit um die Rodung eines Waldstücks im Bereich Osterholz an der Stadtgrenze zwischen Haan und Wuppertal hat die Geschäftsführung der Kalkwerke Oetelshofen Drohbriefe erhalten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

 Rund 1500 Bäume sind vor einem Monat im Osterholz an der Stadtgrenze Haan/Wuppertal gefällt worden.

Rund 1500 Bäume sind vor einem Monat im Osterholz an der Stadtgrenze Haan/Wuppertal gefällt worden.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Vor ziemlich genau einem Monat haben die Kalkwerke Oetelshofen mit der Rodung des lange umkämpften, 5,5 Hektar großen Waldstücks im Osterholz begonnen. Zuvor hatte die Polizei Baumbesetzer aus dem Wald gebracht und teils vorübergehend festgesetzt.

Inzwischen ist das Waldstück gerodet, doch die Auseinandersetzung geht offenbar weiter – und augenscheinlich mit allen Mitteln. So hat die Betreiberfamilie der Kalkwerke inzwischen bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Hausfriedensbruchs und Bedrohung, wie Oberstaatsanwalt Wolf Tilmann Baumert auf Anfrage bestätigte.

 Bereits vor der Rodung wurde dieser Drohbrief an der Einfahrt des Privathauses eines der Kalkwerke-Chefs gefunden.

Bereits vor der Rodung wurde dieser Drohbrief an der Einfahrt des Privathauses eines der Kalkwerke-Chefs gefunden.

Foto: peco

Hintergrund sind offenbar mehrere schriftliche Morddrohungen. Das Fass zum Überlaufen brachte jetzt ein Slogan, der mit Zetteln an Bäumen im Bereich Osterholz und auf den Privatgrundstücken der Kalkwerke-Geschäftsführer sowie auf dem Betriebsgelände befestigt wurde („Wenn du mich tötest, wirst du auch sterben.“). Dabei soll am helllichten Tag eine Frau mittleren Alters beobachtet worden sein. Ermittlungsergebnisse liegen der Staatsanwaltschaft bislang allerdings noch nicht vor, da sich die Unterlagen Baumert zufolge noch bei der Polizei befinden. Im Wuppertaler Stadtgebiet hat die Polizei in den letzten Wochen zudem offenbar 28 neue Graffitis mit Osterholz-Bezug entdeckt, eines davon mit dem Schriftzug „Kill Till“ – einer der Kalkwerke-Geschäftsführer trägt diesen Vornamen. Der Schriftzug war auch vorher schon andernorts aufgetaucht, etwa auf einer Bank.

Bereits vor der Rodung hatte ein doppelseitiger – handschriftlich verfasster – Drohbrief, der an der Begrenzung einer Privateinfahrt der Familie mit einem langen Nagel befestigt wurde, für Aufregung gesorgt.

 Dieser Slogan im Osterholz ist für sich betrachtet zwar nicht zwangsläufig eine Morddrohung: Er steht aber in einer Folge von Slogans wie „Kill Till“ und eines handschriftlichen Drohbriefes und wurde auch auf den Privatgrundstücken der Geschäftsführer platziert.

Dieser Slogan im Osterholz ist für sich betrachtet zwar nicht zwangsläufig eine Morddrohung: Er steht aber in einer Folge von Slogans wie „Kill Till“ und eines handschriftlichen Drohbriefes und wurde auch auf den Privatgrundstücken der Geschäftsführer platziert.

Foto: peco

Bei der dreitägigen Räumungsaktion Ende Januar im Osterholz waren laut Polizeiangaben insgesamt 25 Besetzer aus den Bäumen geholt worden. Sechs Aktivisten – so hieß es damals – seien nach einer Nacht im Wald mit Unterkühlungen von Rettungskräften behandelt und teils ins Krankenhaus gebracht worden.

Vertreter der Initiative „Osterholz bleibt“ warfen der Polizei vor allem wegen der Unterkühlungen damals Unverhältnismäßigkeit bei der Räumungs-Aktion vor und forderten eine Aufarbeitung im Wuppertaler Stadtrat. Ein Sprecher der Polizei wies die Vorwürfe zurück: Die Aktivisten seien mehrfach aufgefordert worden, die Bäume zu verlassen, auch vom Eigentümer. „Sie hätten jederzeit herunterkommen können“, sagte der Sprecher.

Einige Aktivisten wurden demnach mehrere Tage in Polizeigewahrsam gehalten, weil ihre Identität nicht so ohne weiteres festzustellen gewesen sei, hieß es. Gegen sie wird laut Staatsanwaltschaft wegen Hausfriedensbruchs ermittelt.

Wuppertal: Aktivisten wollen Rodung in Osterholz verhindern
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Aktivisten wollen Rodung bei Osterholz in Wuppertal verhindern

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Foto: dpa/David Young

Die Kalkwerke wollen den gerodeten 5,5 Hektar großen Bereich für eine neue Abraumhalde nutzen, die restlichen 195 Hektar Wald im Osterholz sollen unangetastet bleiben.

Im Anschluss an Räumung und Einzäunung wurde die gesperrte Fläche  – etwa 1500 Bäume, zum Großteil zwischen 30 und 70 Jahre alt – zur Rodung mit Großmaschinen freigegeben.

So genannte Harvester (Vollholzernter) waren dafür vorgesehen. Nach dem Abtransport werde das Holz von der Holzindustrie verwertet (Bauholz), hieß es seitens des Unternehmens: „Geplant wenige Wochen nach Einzäunung beginnt die Nutzung der Fläche als Halde, auf der wir den Abraum (Erdreich) aus unserem Tagebau in den nächsten Jahren lagern werden.“

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