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Osterholz in Wuppertal: Die ersten Bäume fallen - Fällung bis Ende der Woche

Die ersten Bäume fallen : Osterholz in Wuppertal-Vohwinkel – jetzt schaffen die Bagger Fakten

Seit 8.30 Uhr sind Baufahrzeuge im Waldstück unterwegs. Sie räumten zunächst die Barrikaden weg. Dann begann die Baumfällung, die bis Ende der Woche andauern soll. Die Protestler wurden weit vor die Absperrung verbannt.

Motorenlärm dringt aus dem Osterholz. In dem Waldstück, um das es in den vergangenen Monaten so viele Auseinandersetzungen gegeben hatte, sind die Bagger unterwegs. „Baum um Baum fällt“, sagen Beobachter.  Mit sogenannten Voll-Erntemaschinen rücken die Arbeiter dem Wald zu Leibe. Die Polizei überwacht die Arbeiten mit mehreren Hundertschaften.

Das Osterholz erlebt momentan den letzten Akt eines Dramas. Alle juristischen Mittel, die die Bürgerinitiative „Osterholz bleibt“ eingesetzt hatte, sind verpufft – jetzt hat die Polizei die Initiative ergriffen.

Über den Milchweg hatten Baufahrzeuge das Osterholz am morgen angefahren. Sie sollten die Barrikaden räumen, die dort von den Besetzern errichtet worden waren. Da hatte die Polizei die Osterholzer Straße zwischen Gruiten und Wuppertal-Vohwinkel bereits seit Stunden (ab 6:00 Uhr) gesperrt. Rechts und links der Straße reithen sich die Mannschaftswagen aneinander. Es wird allgemein erwartet, dass die Fällarbeiten bis zum Ende der Woche andauern, so lange bleibt das Areal weiträumig abgesperrt – kontrolliert von der Polizei.

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Mit Helmen, Schlagstöcken und Visieren ausgerüstet, hatten Einsatzkräfte aus mehreren Hundertschaften schon am frühen Morgen Position bezogen. Während es langsam hell wurde, gingen alle Beobachter davon aus, dass die Aktivisten im Laufe des Tages aus ihren Baumhütten heruntergeholt würden. Die hatten sich am frühen Morgen bereits dadurch bemerkbar gemacht, dass sie Feuerwerkskörper abschossen. Die Polizisten forderten sie auf, sich nicht in Gefahr zu bringen. Unter den Besetzern waren auch mehrere Frauen: Sie sangen in Anlehnung an einen alten Schlager „Gesetzestreue lohnt sich nicht, my Darling, Wenn alle dicht halten, geht keiner in den Knast“.

Auch die hohe Politik war vor Ort: Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kathrin Henneberger hatte kurz nach Beginn bereits über den Messengerdienst Twitter wissen lassen, dass sie zur Beobachtung persönlich zum Osterholz kommen werde.

Die Aktion war wenige Stunden, nachdem die Kalkwerke Oetelshofen die Räumung des 5,5 Hektar großen Waldstückes angekündigt hatten, zwischen 5 und 6 Uhr am frühen Morgen gestartet. Da rückten die massiven Polizeikräfte in das umkämpfte Waldstück ein. Sie begannen, das Gelände mit Flatterband abzusperren. 

Die Sprecherin der Initiative  „Osterholz bleibt“, Marjolein Schlüter, und die Mitglieder der Mahnwache, die sich regelmäßig im Wald versammelt, wurden des Platzes verwiesen. Mit Megaphon ausgerüstet, brüllten sie den Polizisten immer wieder den Slogan „Osterholz bleibt“ entgegen.

Offenbar, das berichteten Beobachter, hatte es rund um die Polizeiaktion auch eine kleine Sitzblockade gegeben. Wie ein Sprecher später erklärte, sei die allerdings auch aufgelöst worden, ohne dass Personalien aufgenommen oder gar Anzeigen hätten ausgestellt werden müssen.

Dem letzten Akt vorausgegangen war eine Presseerklärung der Kalkwerke Oetelshofen am Montagabend. Das Oberverwaltungsgericht hatte die letzten juristischen Hürden einige Tage zuvor aus dem Weg geräumt, die Rodung werde „in absehbarer Zeit“ erfolgen, hatte das Unternehmen in der Erklärung mitgeteilt.

In dem mehrseitigen Schreiben heißt es unter anderem wörtlich: „Zunächst wird ein 5,5 Hektar großer Teil unseres Waldgebietes eingezäunt, der bislang öffentlich zugänglich war. Der Bereich ist damit Baustellengebiet, wo der Zutritt verboten ist.“

Dann richten sich die Verfasser unmittelbar an die Aktivisten, die seit einiger Zeit Bäume im Osterholz besetzt halten. Ihr Engagement sei „bislang von uns geduldet worden, muss aber nun nach außerhalb verlagert werden. Sollte dies nicht freiwillig geschehen, sind wir – auch zum Schutz aller Beteiligten – auf die Unterstützung der Polizei angewiesen.“

5,5 Hektar werden gefällt, die restlichen etwa 195 Hektar des Osterholzes sollen unangetastet bleiben. Außerhalb der bestehenden Steinbruchgrenzen wolle man keine weiteren Flächen in Anspruch nehmen – „weder für Ausgrabungen noch zur Ablagerung“. Das gelte auch für Bereiche, die im aktuellen Regionalplan als Vorrangflächen zum weiteren Ausbau ausgewiesen sind: „Das Osterholz wird bleiben!“

Im Anschluss an Räumung und Einzäunung wird die gesperrte Fläche mit Großmaschinen gerodet. Sogenannte Harvester (Vollholzernter) fällen den Bestand von etwa 1500 Bäumen, zum Großteil zwischen 30 und 70 Jahre alt.

Nach ihrem Abtransport – so führen die Kalkwerke in ihrem Schreiben weiter aus – werden die Baumstämme von der Holzindustrie verwertet; ihre Verwendung liegt demnach im industriellen Bereich (Bauholz).

Auf der entstandenen Ebene erfolgt dann planmäßig vor den Erdarbeiten die Flächensondierung durch den Kampfmittelräumdienst, um die Möglichkeit vergrabener Blindgänger auszuschließen. Dann erst – geplant wenige Wochen nach Einzäunung – beginne die Nutzung der Fläche als Halde, auf der die Kalkwerke den Abraum (Erdreich) aus ihrem Tagebau in den nächsten Jahren lagern werden.

„Wir wünschen uns dringend eine gewaltfreie Auseinandersetzung“, heißt es in dem Schreiben weiter. Man folge jeder Möglichkeit, zusätzlichen Schaden zu minimieren. „Unsere oberste Sorge gilt der Gesundheit aller Beteiligten: Belegschaft, Demonstrationsgruppen und Ordnungskräfte.“

Kalk sei im Übrigen kein Luxus- sondern ein Kulturgut, das seit über 10.000 Jahren die Menschheitsgeschichte begleite. Einst vornehmlich Baustoff, seien Kalkprodukte heute unverzichtbarer Rohstoff für praktisch jeden physischen Schöpfungsprozess – vom Arzneimittel bis zur Zahnpasta.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Aktivisten wollen Osterholz-Rodung in Wuppertal verhindern