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Orgelaktionstag in der Evangelischen Kirche Haan

Orgelaktionstag in der Evangelischen Kirche Haan : Spendenmarathon für den guten Ton

Beim Orgelaktionstag sammelte die Evangelische Kirchengemeinde Haan am Samstag Geld für die derzeit laufende Orgelrevision. Unter anderem spielten zehn Pianisten ein Musikmotiv in 840 Wiederholungen.

Es herrscht Stille in der evangelischen Kirche Haan. Nur das langsame, fast monotone Klavierspiel ist zu hören. Vorne vor dem Altar steht ein prächtiger Flügel, dahinter eine Leinwand die anzeigt, wie oft das Stück schon wiederholt wurde. Am Ende soll dort eine große 840 prangen, denn so oft soll die Komposition „Vexations“ von Erik Satie am Orgel-Aktionstag wiederholt werden. Ziel der Aktion ist es, Spenden für die derzeit laufende Orgelrevision zu sammeln.

Nach mehr als drei Jahrzehnten unermüdlichem Einsatz in der Kirche, sei die Überholung auch dringend nötig. „Vieles ist schlimmer als wir es erwartet hatten. Aber es gibt auch einige Überraschungen, bei denen es besser aussieht als gedacht“, erklärt Martin Honsberg, Kantor und Pianist. In einem ersten Schritt wurden schon alle 3000 Orgelpfeifen ausgebaut und ausgiebig begutachtet. Nur so kann herausgefunden werden, was gemacht werden muss. Noch mindestens zwei Wochen wird die Reinigung und Generalüberholung der Pfeifen dauern.

 Auch Kantor Martin Honsberg zählte zu den zehn Pianisten, die die 840 Wiederholungen von Erik Satie’s „Vexations“ auf dem Flügel spielten.
Auch Kantor Martin Honsberg zählte zu den zehn Pianisten, die die 840 Wiederholungen von Erik Satie’s „Vexations“ auf dem Flügel spielten. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Weitere vier Wochen sind dann für den Wiedereinbau und die richtige Einstellung des Klangs geplant. Das sei die eigentliche künstlerische Arbeit eines Orgelbauers, so Honsberg. Da eine solche Revision mit rund 160.000 Euro anfallenden Kosten allerdings sehr teuer ist, organisiert die Kirche bereits seit März Events zum Spendensammeln. Das Ziel des Orgel-Aktionstages, 840 Wiederholungen der Kompostion, wollen die insgesamt 10 Pianisten in 12 Stunden erreichen. Dabei spielt jeder Pianist ungefähr eine Stunde. Das macht 60-70 Wiederholungen pro Person, denn bis das Stück einmal ganz durchgespielt ist dauert es nur etwa 55 Sekunden. 60 Mal hintereinander die gleiche Komposition zu spielen kostet Nerven und ist sehr anstrengend, weiß Martin Honsberg. „Es ist furchtbar monoton und trotzdem darf man sich keiner Ablenkung hingeben“. Aus diesem Grund mache der Titel des Stücks „Vexations“, zu Deutsch Quälerei, seinem Namen alle Ehre. „Es ist ähnlich wie ein Marathon, bei dem man sich anstrengen muss, um sein Ziel zu erreichen.“

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Darum habe der Orgel-Aktionstag eigentlich auch gleichzeitig mit den olympischen Spielen stattfinden sollen, um einen witzigen Vergleich zu ziehen. Doch wurde diese Idee letzten Endes wieder verworfen. Dennoch ist der Aktionstag für das Herzstück der Kirchenmusik ein voller Erfolg. Viele Besucher loben das Engagement der Pianistinnen und Pianisten, die die Anstrengungen zu Gunsten der Orgelrevision auf sich nehmen. Die Besucherin Gudrun Obermeier findet die Idee gut, eine solche Spendenaktion so zu verpacken.

Und auch das Stück beschreibt sie als meditativ und ruhig. Genau das Richtige, um einen klaren Kopf zu bekommen und seine Gedanken einmal schweifen zu lassen. Aber man müsse sich eben auch auf die „Zwangsentschleunigung“ einlassen, findet Martin Honsberg. Dann könne die Komposition richtig auf den Zuhörer wirken und dieser könne einfach mal abschalten. Aber wie so oft scheiden sich auch hier die Geister. Andere Zuhörer finden die Musik auf die Dauer einschläfernd und langweilig. Ein Besucher merkt an, dass er zunächst angenommen habe, die Pianistin würde das Klavier nur stimmen, und nicht schon spielen.

Nach dem Abschalten können Besucher dann noch Orgelwein von der Mosel sowie Kunst-Drucke, andere Kunstreliefs und Pfeifenpatenschaften erwerben. Und wer nach der Entspannungsmusik hungrig wird, kann bei einem Becher Kaffee und einer Waffel auf dem Kirchplatz wahlweise weiter die Seele baumeln lassen oder sich von der Monotonie des Stücks erholen.