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Haan: Neugründungen gleichen Pleiten aus

Haan : Neugründungen gleichen Pleiten aus

Haans Wirtschaftsförderer Elmar Jünemann betont: Die erhöhte Zahl an Insolvenzen führt nicht zu einem Aderlass. Es habe zum einen Neuansiedlungen gegeben, zum anderen ergäben sich oft neue Perspektiven.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt Haan sieht in der aktuell hohen Zahl von Unternehmensinsolvenzen keinen Grund zur Besorgnis. Die Solinger Wirtschaftsauskunftei Creditreform hatte berichtet, dass Haan mit insgesamt 21 Insolvenzverfahren und einem Insolvenzindex von 2,3 im Vergleich zu insgesamt zehn weiteren Städten im rheinisch-bergischen Raum "überraschend das Schlusslicht" bildet.

In Relation zu den in ihrer Stadt verzeichneten Unternehmen seien in diesem Jahr in Haan die meisten Betriebe zusammengebrochen, heißt es von der Creditreform weiter. Der "Insolvenzindex" setzt dabei die Insolvenzanfälligkeit der jeweiligen Gruppe mit der Insolvenzquote der Region ins Verhältnis. Werte über 1,0 weisen auf eine überdurchschnittliche, Werte unter 1,0 auf eine unterdurchschnittliche Insolvenzneigung hin. Zum Vergleich: Solingen weist einen Index von 0,86, Langenfeld von 1,14 auf. Haan hat mit 2,3 den schlechtesten Wert.

Doch "bei der Abschätzung, wie viele Arbeitsplätze durch die Insolvenz des Arbeitgebers bisher verloren gegangen sind, muss man erstens berücksichtigen, dass viele Unternehmen schon vor dem Insolvenzantrag aus Kostengründen ihren Personalstamm ausgedünnt haben", sagt Wirtschaftsförderer Elmar Jünemann. Außerdem bedeute eine Insolvenz nicht von vorneherein, dass das Unternehmen zerschlagen werde. "Manche Unternehmen gehen aus der Insolvenz saniert hervor, für andere findet sich ein Käufer, der oftmals auch Teile der Belegschaft übernimmt", gibt Jünemann zu bedenken.

21 Insolvenzverfahren wurden in Haan im ersten Halbjahr 2014 registriert. In 15 Fällen scheiterten dabei kleine und kleinste Gewerbebetriebe mit weniger als fünf Beschäftigten - auch das gibt Jünemann zu bedenken. Zugleich sei in vielen Fällen auch die Sicherung oder Neuschaffung von Arbeitsplätzen zu verzeichnen. So habe das Solinger Druckhaus Fischer die insolvente Druckerei Hammesfahr gekauft und siedele 26 Arbeitsplätze um. Das sei eine gute Nachricht für 14 ehemalige Hammesfahr-Mitarbeiter, die nun wieder eine Perspektive haben. Jünemann führt noch weitere Beispiele an: "Die Immobilie der Firma Dirka Schinken fand einen neuen Eigentümer und Nutzer aus dem Fleisch verarbeitenden Gewerbe, der neue Arbeitsplätze geschaffen hat." Die Nachfolge-Firma, "Halis Döner" mit Verwaltungs-Sitz in Hagen, betreibt an dem Standort nun eine Produktionshalle mit einer Gesamtfläche von 3500 Quadratmetern. Laut Jünemann fanden auch die Gebäude von Korsten & Goossens oder Wabäma neue Eigentümer, "die an gleich mehrere Betriebe vermieten."

Außerdem seien auch die Arbeitsplätze zu berücksichtigen, die durch Neugründungen entstehen könnten. In Haan werden laut Creditreform im laufenden Jahr rund 320 Neueinträge etwa 300 Löschungen gegenüberstehen. Es sind also für das laufende Jahr insgesamt 20 Selbstständige mehr zu erwarten. Dieser Saldo sei schon zum vierten Mal in Folge positiv. Zum Vergleich: Der beste Wert wurde im Jahr 2004 mit einem Saldo von 150 verzeichnet, der schlechteste Wert im Jahre 2008 mit minus 58.

(RP)