1. NRW
  2. Städte
  3. Haan

Margret und Herbert Raddatz feiern in Haan Goldhochzeit

Ehejubiläum : Goldhochzeit: Barfuß in Prag fing alles an

Margret und Herbert Raddatz sind seit 50 Jahren verheiratet. Kennengelernt hat sich das für seinen Einsatz im Haaner Sportleben bekannte Ehepaar vor 51 Jahren auf einer Studienreise – bei einem nicht nur für die beiden, sondern auch für die Tschechoslowakei denkwürdigen Abend.

Huckepack trug er seine Mar­gret an dem eiskalten Märzabend 1969 durch den Schnee. Mühsam hatten sich Herbert Raddatz und seine spätere Frau in Prag durch die Menschenmassen gekämpft, Margrets Füße waren nass und steif gefroren – hatte sie doch für einen Theaterbesuch Pumps angezogen.

An dieses und viele weitere Details des für die beiden ganz besonderen Abends vor 51 Jahren kann sich Herbert Raddatz noch bestens erinnern. Damals lernten er und seine Frau sich bei einer Studienfahrt kennen. Und es war nicht nur für die beiden, sondern auch für die damalige Tschechoslowakei ein denkwürdiger Tag. Nun feierte das Ehepaar Raddatz Goldhochzeit.

Viel Liebe füreinander ist in den Worten von Margret und Herbert Raddatz zu spüren, wenn sie über ihre Ehe und ihre Familie sprechen. „Bei uns funktioniert wirklich alles wunderbar, sei es zwischen uns als Paar, mit den Kindern und auch als stolze Oma und Opa“, sagt der 80-Jährige Herbert Raddatz, der 27 Jahre an der Spitze des in Haaner Turnvereins stand, Vorsitzender des Sportverbandes ist und ebenso wie seine engagierte Frau viel in Haan bewegt hat.

Margret Raddatz war Gymnastiklehrerin, Kursleiterin und 21 Jahre jung, als sie den Ingenieur und  Stadtjugendpfleger  Herbert kennenlernte.  Am 28. März  1969 besuchte die Gruppe das Ballett „Schwanensee“. „Dieser Abend wurde nicht nur für uns, sondern auch für die Tschechoslowakei zu einem besonderen Tag“, erzählt Herbert Raddatz. „Während der Veranstaltung war das Publikum sehr unruhig, immer wieder ging ein Raunen und dann ein Aufschrei durch das Theater.“ Denn: Mit kleinen  Radios hatten viele Zuschauer die Eishockeyweltmeisterschaft, konkret das Spiel zwischen der Tschechoslowakei (CSSR) und dem verhassten Gegner Sowjetunion verfolgt. „Mit dem Schlusspfiff und dem 4:3-Sieg für das CSSR-Team brach ein gewaltiger Jubel los und alle Menschen strömten zum Wenzelsplatz.“ Es sei unvorstellbar gewesen, was sich dort abspielte: „Jubel, Beifall, Geschrei, brennende Fackeln, die Menschen lagen sich in den Armen. Dagegen ist der Kölner Karneval ein Trauerzug.“ Hatten doch sowjetische Truppen ein Jahr zuvor den „Prager Frühling“ gewaltsam niedergeschlagen, im Januar 1969 hatte sich Student Jan Palach als Zeichen gegen die Gewaltherrschaft selbst verbrannt.

Nach der Rückkehr aus der Tschechoslowakei blieben Margret und Herbert Raddatz zusammen und heirateten 13 Monate danach. Vier Jahre später kam Tochter Simone zur Welt, 19 Monate danach Sohn Dominik. Beide sind heute verheiratet. Simone und ihr Mann Kurt haben zwei Töchter, Dana (13) und Lola (11), Dominik und seine Frau Heike eine Tochter, die vierjährige Lina. Ob es ein Rezept gibt, mit dem die Liebe so lange hält? „Sport, Natur und die Familie haben uns immer verbunden“, sagt Margret Raddatz, „aber wir hatten auch viele eigene Interessen und uns somit stets etwas zu erzählen.“ Das Ferienhaus in Winterberg, das die beiden lange  besaßen, und in das sich jeder auch mal allein zurückziehen konnte, um neue Ideen zu entwickeln, habe auch gut getan.

Die Feier des Jubiläums fiel durch Corona  ganz anders aus als geplant. „Aber es war trotzdem  ergreifend“, beschreibt Herbert Raddatz den Tag, an dem die Familien der beiden Kinder getrennt im Garten saßen und das Jubelpaar auf dem Balkon Lieder, Luftküsse und Grüße erhielt. Am Freitag feierten sie zudem mit einem Essen im Garten der Tochter, ebenfalls mit Abstand. Unberührt von der Krise kamen die Glückwünsche von Bürgermeisterin Bettina Warnecke und Landrat Thomas Hendele.