Haan: Landesfinanzschule packt Umzugskisten

Haan: Landesfinanzschule packt Umzugskisten

Letzter Unterrichtstag in Haan ist am 3. Dezember. Danach werden Schule und Internat nach Wuppertal verlagert.

Es ist große Pause. Trubel herrscht auf dem Schulhof. Viele Jugendliche stehen rauchend im Sonnenlicht, unterhalten sich, lachen, rufen. Ein Bild, das sich in Haan so nicht mehr lange bieten wird: Die Landesfinanzschule bereitet ihren Umzug nach Wuppertal-Ronsdorf vor. In vielen Büros warten schon Kartons, um darin Aktenordner und Bücher zu verpacken.

Der Zeitplan ist straff. Der letzte Unterrichtstag ist in Haan am 3. Dezember. Bis einschließlich 9. Dezember haben die Mitarbeiter dann Zeit, ihre Kisten zu packen. Vom 10. bis 15. Dezember transportiert das Umzugsunternehmen alle Kartons, Möbel und technisches Gerät nach Ronsdorf, wo die Mitarbeiter ab 16. Dezember alles wieder auspacken. Am 5. Januar soll der Schulbetrieb am neuen Standort störungsfrei wieder aufgenommen sein. Das hofft der stellvertretende Schulleiter Hans-Jürgen Brause. "Das ist eine sportliche Veranstaltung" - das weiß auch er.

Damit der Zeitplan eingehalten werden kann, wurden für die 61 Mitarbeiter der Landesfinanzschule, darunter 33 Lehrer, Urlaubssperren verhängt. Eine weitere Herausforderung: Zeitgleich zur Hauptstelle in Haan muss auch die Außenstelle der Landesfinanzschule in Hamminkeln leer geräumt werden. Von den zurzeit 316 Schülern werden dort 110 unterrichtet. Und genauso wie in Haan gibt es auch dort neben dem Schul- einen Internatsbetrieb.

Brause, der selbst 20 Jahre in Haan arbeitete, verabschiedet sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Wir freuen uns, in eine schöne, moderne Schule zu ziehen", erzählt er. Den neuen Standort in Wuppertal-Ronsdorf kennt er bereits. Dort gibt es Lehrsäle mit neuer Technik, so genannten "Smart Boards", auf die das Unterrichtsmaterial per Computer projiziert werden kann. Der Standort in Haan ist hingegen "in die Jahre gekommen", es gebe einen Sanierungsstau, berichtet Brause. "Wir hätten sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen, um ihn nach heutigem Standard hinzubekommen." So gebe es im Internatsbereich ausschließlich Doppelzimmer, Etagenduschen und -toiletten. In Ronsdorf bietet das Internat hingegen Einzelzimmer mit modernen sanitären Einrichtungen.

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Allerdings gibt die Finanzschule auch "eine attraktive Innenstadtlage" auf. Denn während die Einrichtung bislang an der Kaiserstraße inmitten der City ansässig war, ist es in Ronsdorf jetzt ein Randbereich. Selbst das Unterzentrum ist nur mit dem Auto zu erreichen.

Auch die umliegenden Einzelhändler sehen den Wegzug der Landesfinanzschule mit gemischten Gefühlen. "Die haben bei mir immer große Sträuße geholt", sagt Blumenhändlerin Angela Hahne. Sie wünscht sich, dass die Gebäude der Landesfinanzschule künftig so genutzt werden, dass die Innenstadt belebt wird. "Vielleicht mit kleineren Läden oder Büros", sagt sie. Auch Erika Pölkemann, Mit-Inhaberin des Geschäftes "Pyjama & mehr", wünscht sich mehr Leben in der Innenstadt. Würden der moderne Schulbau direkt an der Kaiserstraße abgetragen und in das Gebäude des ehemaligen Krankenhauses ("Haus Rheinland") kleinere Geschäfte ziehen, hätte das auch eine Aufwertung des Stadtbildes zur Folge, glaubt Pölkemann.

Beide Frauen wünschen sich eine stärkere Belebung der Innenstadt. Dass diskutiert wird, im Internatsteil der Landesfinanzschule ("Haus Westfalen") womöglich Flüchtlinge unterzubringen, sehen sie skeptisch: "Diesen Menschen muss geholfen werden", sagt Pölkemann. "Doch man darf sie nicht ghettoisieren. Viel besser wäre es doch, sie in Wohnungen unterzubringen, damit sie Kontakt zu Deutschen knüpfen können", überlegt die Kauffrau. Und Angela Hahne bringt die Sichtweise des Einzelhandels auf den Punkt: "Flüchtlinge sind keine Kunden."

(RP)
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