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Kritische Fragen an Flüchtlingsbetreuer

Haan : Kritische Fragen an Flüchtlingsbetreuer

Der neue Betreiber „European Homecare“ stellte sein Team für Haan jetzt öffentlich vor. Um die Klienten-Akten droht ein Rechtsstreit.

Nicole Zackrocki, Karim Bousalah und Stefan Schunk sind die Mitarbeiter der Firma „European Homecare“, die in Haan künftig für die Betreuung von Flüchtlingen und Obdachlosen in den städtischen Unterkünften zuständig sind. Im Sozialausschuss sollten sie jetzt unter dem Tagesordnungspunkt „Vorstellung des Teams“ bekannt gemacht werden. Doch erfuhr der Zuhörer weder, dass Zackrocki Diplom-Sozialpädagogin ist, noch dass ihre beiden männlichen Kollegen über einen Bachelor-Abschluss „Soziale Arbeit“ verfügen. Lediglich über Bousalah wurde mitgeteilt, er kenne sich besonders gut mit den benötigten Fremdsprachen aus – doch ausgerechnet er war an dem Abend nicht anwesend.

So gut wie nichts an Infos also über den persönlichen Werdegang des Teams – da blieb es mehrfach dem Betriebskoordinator von „European Homecare“, Adam Lisek, vorbehalten, einen ersten Überblick über die ersten Monate in der neuen Verantwortung für Obdachlose und Flüchtlinge in Haan zu geben. „Wir streben eine enge Vernetzung an“, hatte Lisek bereits im November vergangenen Jahres betont.

Was das angeht, sieht das Unternehmen sich auf einem guten Weg. Insbesondere mit den ehrenamtlichen Organisationen wie etwa dem Bürger-und Verkehrsverein Gruiten befinde man sich in einem sehr positiven Austausch, lobte der Koordinator.

Umso schwieriger erweist sich offenbar der Übergang vom bisherigen Betreiber – der Caritas Kreis Mettmann – zu „European Homecare“. So betonte Lisek, man habe nahezu „bei  Null“ anfangen müssen, „weil uns keine Fallakten übergeben worden sind“. Um das Thema kümmern sich zurzeit offensichtlich sogar die Juristen.

Eine Nachfrage bei der Caritas ergab jetzt die Auskunft, man habe aus datenschutzrechtlichen Gründen bisher davon abgesehen, dem neuen Betreiber die gesammelten Kopien zur Verfügung zu stellen. „Die Originalakten haben wir jedoch auch nicht“, betont ein Sprecher. „Die hätte sich European Homecare jederzeit bei den Bewohnern in den Flüchtlings -und Obdachlosenunterkünften besorgen können.“ Denn die hätten die Dokumente bei sich.

Einige Irritationen gab es bei der anschließenden Fragerunde. So hob Zackrocki mehrfach hervor, man sei mit einem „wunderschönen Dienstwagen“ unterwegs“, was bei einigen Teilnehmern für Kopfschütteln sorgte. Die WLH wollte vor dem Hintergrund einer neuen Verordnung wissen, ob  Akten denn auch digital geführt würden. Die CDU witterte daraufhin Verhörmethoden. Ausschussvorsitzender Bernd Stracke (SPD) glättete indes die Wogen: Nachzufragen sei gutes Recht der Politik, befand er. Gleichwohl sei klar, dass die neue Mannschaft von „European Homecare“ noch nicht auf jede Frage eine Antwort haben könne. Daher soll das Team schon bald erneut Auskunft geben.