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Kriegs-Schrecken künstlerisch erfahrbar gemacht

Haan : Kriegs-Schrecken künstlerisch umgesetzt

Der Haaner Vermesser und Künstler Franz Leinfelder bietet zur Museumsnacht Einblicke in das Schicksal der syrischen Stadt Aleppo.

Es war im Jahr 2006 , als die syrische Stadt Aleppo nach Mekka als erster Ort die Bezeichnung Hauptstadt der Islamischen Kultur erhielt. Damals lebten dort  knapp 1,7 Millionen Einwohner. Im Zuge des Bürgerkrieges wird Aleppo seit 2016  von Truppen der syrischen Regierung kontrolliert. Weite Teile der Stadt sind zerstört und ein großer Teil der Bewohner geflüchtet.

Dieses Schicksal hat den Haaner  Künstler Franz Leinfelder zu einem Zyklus inspiriert, der jetzt neben vielen anderen Arbeiten in der Alten Pumpstation Haan ausgestellt wird. Die Arbeiten aus Holz und Pappe sind durchgängig in Weiß gehalten und beeindrucken durch Andeutungen – nicht durch Brutalität. Leinfelder hat die Ansichten aus der Vogelperspektive so gestaltet, dass keine Menschen zu sehen sind, dafür aber jede Menge abgedeckte Dächer, die den Blick ins zerstörte Gebäude freigeben. Transparente Folien decken Teile der Häuser ab – „so, wie es in vielen Gebäuden dort tatsächlich passiert“, sagt der Künstler. Seine Ausstellung, die am Freitag, 27.September, um 18 Uhr eröffnet wird, bildet gleichzeitig den Auftakt zur „neanderland Museumsnacht“. Alle zwei Jahre öffnen im ganzen Kreisgebiet Museen, Kunstvereine und private Sammlungen zwischen 18 und 23 Uhr ihre Türen.Leinfelders Werkschau ist ein mehr als würdiger Bestandteil dieses Organisations-Rahmens. Er ist seit mehr als einem halben Jahrhundert als Freiberufler  tätig. Architekt Jochen Siebel, Vorstandsmitglied im Kulturverein Alte Pumpstation, hat ihn einmal so beschrieben: „Kunst ist für Leinfelder ebenso wie das Ingenieurwesen keine Freizeitbeschäftigung, Hobby oder Fingerübung. Er betreibt seine Berufungen mit großer Ernsthaftigkeit und Leidenschaft, aber immer mit einem gewissen Schalk im Nacken.“

Auch diverse Farbstudien sind diesmal darunter. Sie wirken spontan, und sind doch wohlgeordnet entstanden: „Sobald ich mir im Klaren bin, welche Farben ich für welche Aussage verwenden möchte, räume ich alles andere beiseite“, gibt der Künstler zu. Spontanität dürfe schließlich niemals Beliebigkeit bedeuten.

Skulpturen, teils aus Schrott entstanden, komplettieren die Ausstellung und verleihen ihr einen geradezu edlen Anstrich, denn sie scheinen zu strahlen, obwohl es sich bei dem verwendeten Material doch um ein Abfallprodukt handelt.

Vater Franz Xaver war Landwirt und  Kunstmaler. Der Sohn folgte den väterlichen Anfängen, bereiste indes die Welt, sammelte Eindrücke und hinterließ selber Spuren. Unsterblich gemacht hat er sich mit den liebevoll-lokalen Skulpturen „Die Haans“. Ein Vertreter von diesen freundlichen Zeitgenossen fehlt auch in der jetzigen Ausstellung übrigens nicht.