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Haan: Jecke Indianerin auf der Jagd nach einer Krawatte

Haan : Jecke Indianerin auf der Jagd nach einer Krawatte

Nein, kein Skalp soll es sein, sondern eine Krawatte. Mit einer rostigen, alten Heckenschere ausgestattet gehe ich nach dem Rathaussturm in Haan auf die Suche nach einem Schlips, um ihn nach alter Möhnen-Tradition abzuschneiden.

Doch das ist gar nicht so einfach. Der Mann am Postschalter winkt ab, als er die Schere sieht. "Das ist mein einziger!", sagt er und weigert sich standhaft, seine Krawatte kürzen zu lassen. Ob meine Chancen bei der Närrin in der Gaststätte "Magic" größer sind? "Auf keinen Fall", sagt sie mit Nachdruck und versteckt ihren pinkfarbenen Schlips unter ihrer Bluse. Es gibt eben keine Solidarität unter den Frauen.

Die Squaw pirscht zum Neuen Markt. Nur wenige Passanten sind zu sehen. "Warum tragen Sie keine Krawatte?", rufe ich einem herbeieilenden Herrn zu und sehe erst, als er näher kommt, dass es sich um den Leiter der Musikschule, Thomas Krautwig, handelt. "Weil ich das in meinem Job nicht brauche", antwortet er lachend. Und weil er auch gar nicht an Weiberfastnacht gedacht habe, fügt er hinzu. Fast klingt's ein wenig schuldbewusst. Wenigstens etwas.

Also muss die Indianerin dorthin, wo Mann und Schlips eins sind - in eine Bank. Sparkassen-Vorstand Udo Vierdag empfängt die Squaw mit freundlichem Helau, aber seine Krawatte ist bereits gekappt.

Doch Julian Kirsch von der Volksbank ist noch unversehrt. Er trägt ein altes Stück seines Vaters, bereit, es kürzen zu lassen: Die Squaw darf Beute machen. Jetzt ist sie stolze Besitzerin eines Krawatten-Zipfels mit Uli-Stein-Pinguin.

(arue)