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Hilfen in der Coronazeit sind in Hilden und Haan gefragt

Hilden/Haan : In der Coronazeit ist das Bedürfnis, zu helfen, sehr groß

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit der meisten Hilfseinrichtungen in Haan und Hilden behindert. Engagierte Bürger starteten aber auch ihre eigenen Projekte. Und die entwickelten teils enorme Wirkung.

Der erste Lockdown im Frühjahr hat vor allem selbstständige Einzelhändler, Gastronomen und ihre Angestellten getroffen. Aber auch Hilfseinrichtungen hatten mit den Einschränkungen zu kämpfen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Bedürftigen. „Wir haben seit der Beginn der Pandemie etwa 30 Prozent mehr Kunden“, berichtet Hubert Gering. Er ist Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM) in Haan, dem Trägerverein der städtischen Tafel.

Ab Ende März wurde die Ausgabe der Tafel geschlossen. Stattdessen lieferte sie die Lebensmittel an ihre Kunden aus. Durch den Anstieg der Bedürftigen sei das keine langfristig tragbare Lösung gewesen, sodass die Tafel seit Anfang Juni ihre Waren wieder in ihren Räumlichkeiten ausgibt.

Im Sommer stellte das nötige Querlüften kein Problem dar, für den Winter wurde nun ein Luftreiniger installiert. Außerdem schaffte die Haaner Tafel FFP2-Masken an, die die Mitarbeiter bei der Ausgabe tragen. Kunden erhalten bei ihrem Einkauf ebenfalls eine Maske. „Die Ausgaben für die zusätzlichen Hygienemaßnahmen belaufen sich auf etwa 10.000 Euro“, sagt Gering. Bereits im normalen Betrieb fallen Fixkosten von etwa 30.000 Euro an: „Die Finanzierung erfolgte aus Spenden des Rotary Clubs, der Haaner Bürgerstiftung und des Lions Clubs“.

  • Stefan Kießling traf bei der Spendenübergabe
    15.000 Euro Spende für die Leverkusener Einrichtung : Bayer 04-Kochbuch ausverkauft – Tafel glücklich
  • Evelina Wagner (Mars) übergab Luzia Witthake
    Spende : Schokoladige Spende für die Viersener Tafel
  • Präsenttüten für die Bewohner der Seniorenwohnungen
    Hilden: Spende der Targo-Versicherung : Präsente als Ersatz für abgesagte Weihnachtsfeier

So konnte zwar der Betrieb der Tafel fortgesetzt werden, die Qualität der Arbeit leidet dennoch darunter. Derzeit dürfen sich nur noch fünf Einkäufer gleichzeitig im Ausgaberaum aufhalten. „Normalerweise gehört zu unserem Angebot auch ein Gespräch mit den Bedürftigen“, erklärt Gering. Die Tafel unterstütze Menschen nicht nur mit Lebensmitteln, sondern diene auch als Treffpunkt: „Das fällt aber nun weg, weil uns ansonsten die Zeit fehlt, alle Menschen zu versorgen“. Das stehe im Mittelpunkt der Arbeit, die die Tafel leiste und der Bedarf bestehe auch weiterhin.

Auch für das kommende Jahr sollen FFP2-Masken gekauft werden. Gering plant bis Juni 2021 mit einem Bedarf zwischen 4000 und 5000 Stück. So will er sicherstellen, dass die Tafel den Bedürftigen auch weiterhin helfen kann.

Neben der Arbeit der etablierten Hilfseinrichtungen entstanden während der Corona-Pandemie auch kleine, eigenständige Projekte von engagierten Bürgern. Eine solche Aktion startete Helen Kehmeier. Auf ihrer Facebook-Seite „Hilden – lokal, nachhaltig und fair“ sammelte sie Ende März Spenden. Innerhalb weniger Tage kam so ein Betrag von etwa 400 Euro zusammen. „Ich freue mich, dass mir die Menschen da vertraut haben, obwohl sie mich nicht kannten“, erzählt sie: „Auch die damalige Bürgermeisterin und der aktuelle Bürgermeister haben sich beteiligt“.

Mit diesem Geld kaufte sie insgesamt zwölf Gutscheine bei lokalen Händlern und Restaurants aus Hilden. Diese verloste sie bis Anfang November an Menschen in systemrelevanten Berufen, die sich unter den jeweiligen Beiträgen melden konnten. „So konnte ich den Hildener Unternehmern helfen, die unter dem Lockdown litten und gleichzeitig den Menschen für ihre wichtige Arbeit danken“, sagt Kehmeier.

Den Vertrauensvorschuss gab sie den Teilnehmern zurück. Einen Nachweis für den Beruf mussten sie nicht erbringen. Pro Verlosung nahmen zwischen 15 und 20 Hildener teil.

Zu den Gewinnern zählten Feuerwehrleute, Erzieher und Krankenschwestern. „Das waren genau die Menschen, die ihren Beitrag in der Krise geleistet haben“, freut sich Kehmeier, die selbst eine Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen hat:„Einige von ihnen haben die Gutscheine sogar mit ihren Kollegen geteilt oder gespendet. Das fand ich ganz toll“. Auch die Unternehmer gaben ihr positive Rückmeldungen und bewarben die Aktion.

Insgesamt zeigt sich Kehmeier zufrieden. „Die Menschen hatten das Bedürfnis, helfen zu wollen. Meine Idee kam da genau richtig“, fasst sie zusammen. „Ich freue mich, dass ich einigen Leuten damit eine Freude machen konnte.“