Hilden: Ein Pater lebt zwischen zwei Welten

Bernardo Watzling leitet seit 20 Jahren ein Kinderheim in Santo Domingo. Auf seinem Heimaturlaub in Haan erzählt er nun von dem Leben in der Dominikanischen Republik.

Der gebürtige Düsseldorfer kam 1976 mit 23 Jahren im Außendienst für Thyssenkrupp nach Santo Domingo. Sein Ziel war nach beruflichen Zwischenstationen eigentlich Madrid. Es kam jedoch ganz anders: Der Stahlkonzern schloss Außenstellen. Bernardo Watzling trat in den Orden der Dominikaner ein und wurde mit 36 Jahren Priester. Bald gründete er das Kinderheim und die Begegnungsstätte für Kinder aus der Umgebung, die von starker Armut betroffen ist. Neben dem Kinderheim gibt es mittlerweile zwei Wohnhäuser für Familien und Fortbildungskurse im Nähen, Töpfern und anderen Handarbeiten für Mütter, bei denen sie sich etwas dazu verdienen können. Die große Armut der Menschen ist auf Bildern oft nicht zu sehen, erzählt Watzling: „Selbst bei den kleinsten Anlässen ‚schmücken’ die Lateinamerikaner sich – das ist ihnen sehr wichtig. Leute, die dann die Bilder sehen, sind oft verwirrt.“ Die Kinder werden von der Schule abgeholt, versorgt und ihnen wird das Schulgeld gezahlt. Darüber hinaus werden verschiedene Aktivitäten angeboten.

Bestürzt berichtet der Pater: „Wir wollten mit den Kindern Ball spielen. Aber eines der Kinder gab den Ball nicht mehr her. Der Junge war es nicht gewohnt, überhaupt etwas zu haben.“ Aktuell werden 45 Kinder betreut. Ein Drittel von ihnen wohnt dauerhaft im Heim. Kapazitäten für mehr Kinder sind vorhanden, aber es fehlen die Helfer. Das Team besteht nur aus 15 Leuten. Ab und zu helfen Austauschstudenten. Der Pater ist darüber hinaus im Orden aktiv und gibt an einer Schule Deutschunterricht.

Aktuell ist er im Heimaturlaub bei seiner Schwester in Haan und übernimmt in der Umgebung einige Messen. Pfarrer Reiner Nieswandt ist nicht nur dankbar über die personelle Entlastung, sondern auch, weil Watzling von seiner Arbeit erzählt: „Es tut der Gemeinde gut, wenn jemand aus erster Hand berichtet. Das öffnet den Blick für die Weltkirche.“

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Organisieren und die Kontaktpflege machen einen Großteil von Watzlings Arbeit aus. Mit viel Geschick schafft er es manchmal, einen kostenlosen Ausflug ins Schwimmbad oder zur Kirmes zu organisieren. Der Pater betont, dass nicht nur die materielle Unterstützung wichtig ist. Er legt auch großen Wert auf den familiären Zusammenhalt und das Auftreten der Eltern. Oft unterstützt er auch sie. In Deutschland kümmert sich der Pater, neben den Messen, um die finanzielle Unterstützung und besorgt allerhand. Dabei hat er immer die Bedürfnisse seiner Schützlinge vor Augen: Ob Schuhe, ein Geburtstagsgeschenk oder ein Nagelset, der Pater denkt an jeden.

Er wird sehr ernst, sobald er vom Finanziellen und den Zuständen im Land berichtet. Die Politik, Korruption und Bürokratie verärgern ihn. Manchmal merke er seine deutsche Mentalität: Die Arbeitsweise sei auf den Antillen eine andere. Vieles laufe nicht effizient. Er besänftigt sich dann mit einem kurzen „Bien“ oder besinnt sich: „Nicht verzweifeln, Gott ist da.“ Im September ist der Heimaturlaub zu Ende, und der Pater fliegt zurück nach Santo Domingo, in eine Welt, die ihm mittlerweile vertrauter ist als die Heimat. Am 18. August hält er in St. Jacobus die Sonntagvorabendmesse um 17 Uhr.

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