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Hilden/Haan: Für Störfallbetriebe gibt es einen Notfallplan

Notfallpläne : Für Störfallbetriebe gibt es einen Notfallplan

Beim Katastrophenschutz des Kreises werden vor allem Kontaktdaten der Beteiligten eingepflegt. Mittelfristig sollen die Daten digitalisiert werden.

In seinem Wissenschaftsthriller „Blackout“ schildert der Journalist Marc Elsberg, was im Fall eines europaweiten Stromausfalls passierten würde: Durch ausfallende Ampeln und Straßenlaternen würde es sofort zu einem Verkehrschaos mit Toten und Verletzten kommen, alle Kommunikationsnetze verstummen, niemand könnte mehr einkaufen, tanken oder Geld abheben. Die gesamte von Elektrizität betriebene moderne Infrastruktur würde quasi einen Herzstillstand erleiden. Da auch in Mastbetrieben die Fütterung und das Stallklima automatisch reguliert wird, würde ein Massensterben von Kühen, Hühnern und Schweinen einsetzen. Um den fortlaufenden Betrieb lebenserhaltender Geräte zu sichern, würden in Krankenhäusern Notstromaggregate anspringen.

„Bei einem kreisweiten Stromausfall hätte die Versorgung pflegebedürftiger Menschen bei uns Priorität“, sagt Alina Engel, Sachbearbeiterin für den Katastrophenschutz beim Kreis Mettmann. Das Deutsche Rote Kreuz würde ein Bürgertelefon einrichten, dazu gebe es eine Vereinbarung, weil die Leitstelle, die ebenfalls per Notstromaggregat betrieben würde, nicht alle Hilfe suchenden Bürger bedienen könnte. „Hilfe zur Selbsthilfe“ wäre nämlich das Gebot der Stunde. „Denn, wenn es hart auf hart kommt, können wir nicht für alle da ein“, so Engel. Zunehmend befasse sich das Amt für Bevölkerungsschutz mit solchen Szenarien.

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Diesem Thema widmete sich auch die letzte Simulation im November, welche der Krisenstab unter Mitwirkung der Netzbetreiber durchgespielt hat. „Wir empfehlen daher auch, sich für diesen Fall entsprechende Notvorräte anzulegen“, sagt Engel, die früher bei der Jugendfeuerwehr aktiv war und einen freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr absolviert hat. „Was früher durchaus üblich war, zieht heute oft den Vorwurf der Panikmache nach sich“, bedauert sie.

Bevölkerungsschutz heißt vor allem: Kontaktdaten sammeln und vorhalten. Ziel sei, die Beteiligten – also vor allem Feuerwehr, Polizei und Kommune – in die Lage zu versetzen, ohne Zeitverlust geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung der Gefahr anzuwenden, um im Falle einer Naturkatastrophe oder Epidemie Schaden von der Bevölkerung fernzuhalten. Für alle erdenklichen Szenarien – beispielsweise eine Explosion mit Gasaustritt  – werden solche Notfallpläne erarbeitet. Rechtsgrundlage für solche Sonderschutzpläne, die Betriebe wie 3M an der Düsseldorf Straße in Hilden oder das nur wenige Meter weiter beheimatete Unternehmen Akzo Nobel betreffen, ist die Störfallverordnung oder XII. Bundesimmissionsschutzverordnung.

Ein Störfallbetrieb ist ein Unternehmen, in dem entzündliche, explosive oder giftige Stoffe lagern oder verarbeitet werden, die eine potenzielle Gefahr für Leben oder Gesundheit von Mensch und Tier oder die Umwelt darstellen. Je nach Mengen oder Gefährlichkeit der Stoffe sind sie in bestimmte Kategorien eingeteilt. Daher enthalten die Notfallpläne auch Datenblätter zu allen dort vorhandenen chemischen Stoffen. Allein die Informationen über Zusammensetzung, gesundheitliche Gefahren, Brennverhalten und Brandbekämpfung von handelsüblichem Benzin umfassen 113 Seiten. „Natürlich ist jeder Betreiber einer solche Anlage zur Mitwirkung verpflichtet, muss die Behörden über die Stoffe informieren, Sicherheitsvorkehrungen treffen, um Störfälle von vornherein zu vermeiden und die Öffentlichkeit über das richtige Verhalten im Störfall unterrichten“, sagt Engel.

„Die örtlichen Feuerwehren machen regelmäßig Begehungen, um sich die Begebenheiten vor Ort anzusehen, wo die Wasseranschlüsse sind, an welchen Bereitstellungsräumen sie Kräfte zusammenziehen können.“ Die Pläne, wo im Betrieb die gefährlichen Stoff lagern, und Angaben, wie die auf Sauerstoff oder Wasser reagieren, lägen meist auch in den Wachen. Die Sonderschutzpläne für ein Unternehmen enthalten darüber hinaus Angaben über besonders schützenswerte Objekte in der Nachbarschaft, wie Schulen und Krankenhäuser und Altenheime, auch ist die Nachbarschaft in Evakuierungszonen eingeteilt, deren Größe natürlich von der Schwere des Störfalles abhängen.

Die vom Bevölkerungsschutz eingepflegte Datenbank enthält vor allem Kontaktdaten der potenziell involvierten Akteure von Feuerwehr, Kommune, Kreis und den Hilfsorganisationen. Und damit die Akteure nicht jedes Mal hunderte von Seiten durchblättern müssen, „um zu wissen, was im Fall XY zu tun ist“ wird derzeit an der Digitalisierung der Daten gearbeitet. Das erleichtere auch die Aktualisierung, so Engel. Durch die Vergabe entsprechender Schreibrechte soll dies an die entsprechenden Stellen delegiert werden. Nur was, wenn dann der Strom ausfällt?