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Hauptschule geht, Jobbörse bleibt in Haan

Haan : Hauptschule geht, Jobbörse bleibt

20 Firmen haben bei der Jobbörse der Hauptschule „Zum Diek“ 25 Berufe vorgestellt. Die Messe für junge Menschen, die in Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung veranstaltet wird, soll auch in Zukunft stattfinden.

„Wie finde ich für mich den richtigen Beruf?“ Dieser existenziellen Frage ungezählter Jugendlicher widmen sich in jedem Jahr die Hauptschule „Zum Diek“ in Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung für Haan und Gruiten. Petra van der Lest von der Bürgerstiftung und die Lehrerin der Hauptschule Svena Schölling haben den Berufspool schon seit Wochen vorbereitet. Informiert wurden Schüler der Hauptschule, der Realschule und der Waldorfschule.

Eigentlich ist dieser Tag, an dem sich in Haan Berufsausbilder und Schüler begegnen, schon ein Selbstläufer. Denn die Jobbörse vermittelt seit vielen Jahren erfolgreich die unterschiedlichen Ausbildungsplätze. An diesem Montag stellten 20 Firmen insgesamt 25 Berufe vor. „Wir kommen gerne“, sagt zum Beispiel Gerhard Krämer, Leiter der gewerblichen Ausbildung bei der Haaner Firma Centa. Aktuell werden Zerspanungsmechaniker gesucht. Mit in seinem Beraterteam sind Sefa Özgede, Bilal Gülcubuk und Nicolas Bartlewicz. Alle sind im dritten Lehrjahr und von ihrer anspruchsvollen Arbeit begeistert. Ihre Produkte werden zum Beispiel geliefert an die Windkraftindustrie, die Deutsche Bahn oder für Containerschiffe. Hundertstel Millimeter genau müssen ihre Arbeiten sein.

Die beiden 16-jährigen Hauptschülerinnen der Klasse 9b, Zilan Cakmak und Emily Kammler, haben andere Berufsvorstellungen. Informiert haben sie sich bei der Deutschen Bank, der AOK und der Einzelhandelsfirma aczenta. „Wie sieht ein klassischer Arbeitsalltag aus?“, haben sich die zwei Schülerinnen zum Beispiel bei der AOK erkundigt. Die Jugendlichen haben sich noch nicht entschieden. „Es ist nicht wichtig, sofort den richtigen Beruf zu finden“, sagt Sven Uthmann, Ausbildungslotse der IHK in Velbert. Er empfiehlt, möglichst viele Berufspraktika zu machen. „Auch mal in den Ferien“, sagt er. Nur  wenn man genau wisse, was man nicht machen wolle, könne man bei der Berufswahl die richtige Entscheidung fällen. Viele Haaner Unternehmen, die sich an diesem Tag im Schulzentrum an der Walder Straße eingefunden haben, machten die Erfahrung, dass viele Jugendliche erst lernen müssen „wie die Welt funktioniert“.

Von der Stadt-Sparkasse Haan bis zum Gebäudereiniger Raddatz war man sich einig, dass die wichtigste Voraussetzung für Schulabsolventen ist, dass sie bereit sind zu lernen „wie man arbeitet“. Und Peter Raddatz fasst zusammen, welche Kriterien für ihn von Bedeutung  sind, einen Ausbildungsplatz anzubieten. Sie müssen „pünktlich, zuverlässig, freundlich und  offen“ sein. Mit diesen Eigenschaften und mit der Bereitschaft zur Fortbildung könne man überall Karriere machen. Und er fügt hinzu: „Der Lehrherr erkennt sofort, wenn ein Bewerbungsschreiben aus dem Internet stammt“. Ihm sei ein authentischer Brief mit orthografischen Fehlern lieber als ein Anschreiben von Eltern verfasst.

Und übrigens: Urlaubsfotos in Bewerbungsschreiben würden eher negativ beurteilt, sagen alle. Viele Unternehmen sind sich auch einig, dass ein guter Hauptschulabschluss mindestens so viel wert ist wie ein mittelmäßiger Realschulabschluss.

Die Apothekerin Lea Bittner von der Bergischen Apotheke am Haaner Neuen Markt hatte ebenfalls einen Stand im Berufspool der Hauptschule. Sie pries die Berufsbilder Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte (Hauptschulabschluss) und Pharmazeutisch-Technische Assistentin (Realschulabschluss) an und fand regen Zuspruch.

Der Kommisarische Schulleiter der Hauptschule „Zum Diek“ Daniel Bisdorf, verkündete, dass dieses Berufspool-Projekt auch dann von der Gesamtschule weitergeführt wird, wenn es Haupt- und Realschule in etwa zwei Jahren nicht mehr gibt. „Dazu ist uns die Berufsorientierung zu wichtig“, sagt er im Namen seiner Kollegen.