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Analyse: Haaner Schulen: Streit um sensible Zahlen

Analyse : Haaner Schulen: Streit um sensible Zahlen

Die Diskussion um die Schulentwicklung in Haan nimmt bizarre Züge an. Viele wollen sie hinter verschlossenen Türen führen.

Achtung, heißes Eisen: Ein sensibles Thema sei die Schulentwicklungsplanung in Haan, heißt es allerorten. Warum eigentlich? Warum ist es nicht möglich, frisch und freudig an diese Aufgabe heranzugehen, eine Aufbruchstimmung nicht nur für das Gymnasium zu erzeugen, mit der Maßgabe, das Beste für künftige Schülergenerationen schaffen zu wollen?

Antwort: Weil es Interessenslagen gibt, die sich teils widersprechen und unterschiedlich starke Unterstützer haben. Das ist an den Ereignissen der vergangenen Tage deutlich abzulesen. Es herrschte Nervosität. Sie gipfelte darin, dass ein für die Sitzung des Bildungsausschusses eingeladener Referent wieder ausgeladen wurde, weil die Diskussion um die Zukunft des Gymnasiums nicht mit der zur Haaner Schulentwicklung vermischt werden sollte. "Das gehört nicht in einen Topf", begründete Ausschussvorsitzende Monika Morwind (CDU).

Nicht in einen Topf? Das Gymnasium ist ein elementarer Bestandteil der Haaner Schullandschaft, und es gibt sehr wohl Verbindungen. Das zeigt klar eine Expertise des Gutachters Dr. Detlef Garbe auf, der eine Machbarkeitsstudie anfertigte. Die ihr zugrunde liegende Frage: Welche Schulformen sind anhand der Schülerzahlen in Haan möglich? Antwort: Die Schülerzahlen geben es her, dass in Haan zugleich sowohl eine Gesamtschule, als auch ein Gymnasium existieren könnten. Würde aber die Realschule weiter bestehen, "dann wären weder eine Gesamt-, noch eine Sekundarschule möglich", sagte Garbe. Ihre Existenz ist also je nach Planungsvariante in Frage gestellt - genauso wie die der Hauptschule, deren Anmeldezahlen sinken. Das hört kein Schulleiter gern. Von Gymnasium, Sekundar- und Gesamtschule hängen also auch Haupt- und Realschule ab. Grundlage des Gutachters sind dabei Daten des Schuljahres 2013/14. Demnach zählte Haan 259 Viertklässler. Davon besuchen 37,4 Prozent das Gymnasium. Diese so genannte Übergangsquote ist aktuell recht schwach und war schon stärker. CDU-Fraktionschef Lemke kritisiert jetzt, dass die Verwaltung dem Gutachter "nur die Zahlen aus dem schlechtesten Anmeldejahr" zur Verfügung gestellt habe. Die verwahrt sich dagegen. Das gelieferte Zahlenmaterial sei weitaus umfangreicher, Garbe stehe erst am Anfang seiner Arbeit. Schon also laufen die Auseinandersetzungen weiter.

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Die Übergangsquote ist in der Diskussion wichtig, denn je höher sie ist, desto stärker ist die Position des Gymnasiums. Je mehr Schüler aber auf das Gymnasium gehen, desto weniger bleiben rein rechnerisch für andere Schulformen übrig. Und das Gymnasium wird künftig, mit der Investition eines vierzügigen Neubaus im Hintergrund, ein starkes Interesse an einer möglichst großen Zahl von Schülern haben.

Nicht in einen Topf? Allein diese Beispiele zeigen, dass die Haaner Schullandschaft weitaus komplexer ist, als öffentlich dargestellt. Eltern sollten die Diskussion aufmerksam verfolgen, denn bald wird ihr Wille abgefragt. Spät - aber noch früh genug, um wahrnehmbar zu sein.

(RP)