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Haaner Naturschutzwächter hat aus Zigarettenkippen ein Kunstwerk gemacht

Umweltproblem in Haan : Kunstwerk aus Kippen soll wachrütteln

Hans-Joachim Friebe hat gesammelte Zigarettenkippen zur Kunst-Installation gemacht. Damit lädt er zum Nachdenken ein.

Wer am Heinhauser Weg in Richtung historischem Ortskern in Richtung Gruiten geht, der wird vermutlich auf den Vorgarten von Hans-Joachim Friebe aufmerksam – Einheimische wie Auswärtige. Neben einer Art Maibaum, der mit alten Feuerzeugen behangen ist, zieht nun ein neues kleineres Kunstwerk die Blicke der Vorbeilaufenden auf sich. „Rauchen Sie etwa?“, fragen einige Neugierige nun den Naturschutzwart, wenn sie die Pyramide mit Zigarettenstummel sehen. Doch die Antwort ist eindeutig: Nein. Bei den Zigarettenkippen handelt es sich um achtlos weggeworfenen Müll, den Friebe gesammelt hat: „Ich will damit Aufmerksamkeit erzeugen.“

Hans-Joachim Friebe ist seit rund 40 Jahren Naturschutzwächter im Kreis Mettmann und für den Bezirk Gruiten zuständig. Seine Aufgabe als Ehrenamtler ist es unter anderem, die Behörden über Veränderungen in der Landschaft aufzuklären, Schäden von der Natur abzuwenden, und über die Landschaftspflege aufzuklären.

Auf seinen Spaziergängern sammelt der 78-Jährige täglich Abfall, der achtlos von anderen weggeworfen wurde. Mittlerweile hat er in letzten Jahren allein an die 300 Feuerzeuge gefunden, Souvenirs, die die einstigen Besitzer sich aus Urlaubszielen wie London, Helgoland oder Tunesien mitgebracht haben. Die Zahl der eingesammelten Zigarettenkippen ist deutlich höher. „Da muss man aufpassen, nicht zu verzweifeln“, erklärt der ehemalige Malermeister.

Allein bei einer Säuberungsaktion der Haaner Innenstadt im vergangenen Herbst hatte die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (AGNU), deren Vorstandmitglied Friebe ist, an einem Tag drei große Zehnliter-Eimer voller Kippen gesammelt. Die Funde stammen aus dem Bereich Kaiserstraße und rund um die Bushaltestellen Haan-Markt. Die Sammlung hatte damals auch gezeigt, dass die Haaner Gastronomen scheinbar zu wenig Aschenbecher in ihren Außenbereichen aufgestellt hatten. Auf Anregung der AGNU hatte die Wirtschaftsförderung der Stadt Haan dann die Gastronomen in einem Informationsschreiben auf die Problematik von weggeworfenen Zigarettenkippen hingewiesen und gebeten, zusätzliche Aschenbecher aufzustellen. Laut Stadt habe es daraufhin ein positives Echo geben. So hätten unter anderem die Karabusta Rösterei, das Café König und das Becherhus umgehend reagiert und die Aktion unterstützt.

„Das Wegwerfen von Zigarettenkippen ist eine Marotte, die jetzt mal endlich wahrgenommen wird“, sagt Friebe. Das sei nicht nur ein unschönes Ärgernis, das mit einem Verwarngeld geahndet werden kann. Ein achtlos weggeworfener Stummel verseuche auch rund 40 Liter Wasser. Wie schädlich Rauchen ist, darauf verweist der Gruitener Naturschutzwächter auch seiner neusten Kunst-Installation hin.  Zwischen Zigarettenstummeln, die einzeln auf kleine Nägel gespickt wurden, prangern die Warnhinweise von Zigarettenschachteln den Betrachter an. „Wenn Sie rauchen, schaden Sie Ihren Kindern, Ihrer Familie und Ihren Freunden“, heißt es unter anderem da. Ein Informations-Chart informiert den Betrachter zusätzlich „Was du über Zigarettenstummel wissen solltest“. Für die Fertigung der Pyramide hat Friebe etwa zwei Tage benötigt. Bei schönem Wetter steht sie in seinem Vorgarten auf einem Holztisch und lädt zum Nachdenken und Handeln ein.

(isf)