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Haaner leistet Erste Hilfe nach Messerattacke

Prozess am Landgericht : Haaner leistet Erste Hilfe nach Messerattacke

Vor dem Landgericht Wuppertal hat der Prozess gegen einen Iraker begonnen, der in Solingen mit dem Messer auf seine Ehefrau losgegangen war. Ein Haaner kam zu Hilfe und rettete der Frau vermutlich das Leben.

Nach einem Streit mit ihrem Ehemann und dessen folgenschwerem Messerangriff war eine 50-jährige in Solingen-Ohligs blutüberströmt zusammengebrochen. Opfer und Täter stammen aus dem Irak, einige der zehn gemeinsamen Kinder waren zu Zeugen der Bluttat geworden und mit der Mutter mitten in der Nacht zum 31. Januar auf die Straße geflohen. Dort waren sie auf das Auto eines Haaners zugelaufen, der sofort Zivilcourage zeigte und sich um Frau und Kinder kümmerte.

Durch das geöffnete Fenster hindurch hätten ihn Frau und Kinder um Hilfe angefleht – er habe sofort angehalten und sich gekümmert. Ein Fahrgast des Nachtbusses habe versucht, die starken Blutungen zu stoppen – er selbst habe derweilen den Notruf gewählt.

Der Zeuge sagte vor Gericht aus, dass er die Situation vollkommen unvermittelt hineingeraten sei. Er sei auf dem Heimweg von der Spätschicht gewesen und direkt hinter dem Nachtbus gefahren, als es auf der Straße in der Nähe einer Bushaltestelle plötzlich turbulent gewesen sei. In einer Ecke habe eine Gruppe Jugendlicher gestanden, was ihm schon ungewöhnlich vorgekommen sei. Dann habe er plötzlich auf der Straße die blutüberströmte Frau und die beiden etwa 12 Jahre alten Kinder gesehen, die laut um Hilfe gerufen hätten. Einer der Jungen habe noch gesagt: „Der Papa war´s, mit dem Messer.“

Der Anblick der schweren Stichverletzungen verfolge ihn bis heute: „Das Blut lief unentwegt aus der Wunde. Sowas habe ich noch nie gesehen.“ Dann sei auch schon der Fahrgast aus dem Nachtbus herbeigeeilt, um die Blutung mit einem Taschentuch zu stoppen. Dem habe er dann einen Verbandskasten aus seinem Auto geholt. Der Frau habe er noch gesagt, dass sie sich hinsetzen solle, damit sie nicht umkippe. Sie sei bei Bewusstsein gewesen, bis der Rettungswagen gekommen sei. Er habe auch versucht, die verängstigten Kinder zu beruhigen.

Derweilen hat der am Wuppertaler Landgericht wegen versuchten Totschlags angeklagte Ehemann des Opfers am mittlerweile dritten Verhandlungstag sein Schweigen gebrochen. Der 54-Jährige gestand die Tat und schilderte dem Gericht die Eskalation eines seit Wochen schwelenden Ehestreits, bei dem es um Geld, um seinen Alkoholkonsum und immer wieder auch um die beengten Wohnverhältnisse der Eltern und ihrer zehn Kinder gegangen sei.

Er selbst habe das Gefühl gehabt, von seiner sich zunehmend emanzipierenden Frau respektlos behandelt worden zu sein. Am Tattag sei er spätabends alkoholisiert nach Hause gekommen und habe seine Frau aufgefordert, für ihn zu kochen. Die 50-jährige soll zu ihm gesagt haben, dass er doch selbst wisse, wo die Küche sei. Daraufhin habe er die mit der Mutter im Schlafzimmer auf dem Bett sitzenden Zwillinge rausgeschickt und seine Frau mit dem Messer angegriffen. Die habe ihn weggeschubst und sich auf ihn gesetzt, er habe sie an den Haaren gezogen und weiter unkontrolliert auf sie eingestochen. Die Kinder hätten alles mitangesehen und seien später mit der Mutter auf die Straße geflohen.

Er selbst habe alkoholisiert und an der Hand verletzt in Richtung Bahnhof fliehen wollen und sei auf der Straße zusammengebrochen. Vor der Tat habe man wegen des schwelenden Streits drei Tage lang nicht miteinander gesprochen, dann sei die Lage plötzlich eskaliert. Dass seine Frau sich nun von ihm trennen wolle, würde er akzeptieren.