Haaner Kleiderkammer kann viele Spenden nicht gebrauchen

Haan : Kleiderkammer bittet Spender um Hilfe

Leitungsteam wünscht sich ein besseres Vorsortieren. Geeignet sind nur Textilien, die in Ordnung und sauber sind.

Immer schneller bringen die Modeketten neue Kollektionen auf den Markt. Die Branche nennt das „fast fashion“. Die Kleiderschränke sind voll, großzügig werden Alttextilien gespendet – auch in Haan. Dies könnte ein Grund zur Freude sein bei der Kleiderkammer Haan, doch es gibt auch Schattenseiten.

Die Kleiderkammer Haan an der Friedrich-Ebert-Straße 111-117, die sich als günstige Einkaufsquelle für Menschen mit geringem Einkommen versteht, nimmt Monat für Monat zwischen zwei und drei Tonnen Kleiderspenden der Haaner Bevölkerung entgegen. „Wir freuen uns sehr über die anhaltend hohe Spendenbereitschaft“, sagt Heike Müller, die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Gesellschaft. „Doch längst nicht alles, was wir bekommen, können wir an unsere Kunden weitergeben. Sie zahlen aus ihrem kleinen  Budget einen Kostenbeitrag und dürfen dafür ein uneingeschränkt nutzbares und gut erhaltenes Kleidungsstück erwarten.“

Die Kleiderkammer, ergänzt Heike Müller, bemühe sich durch sorgfältige Sortierung, eine hohe Wiederverwendungsquote zu erreichen, und gebe einen Teil der überschüssigen Kleidung an andere caritative Organisationen in der Region ab, zum Beispiel an die Obdachlosenhilfe in Düsseldorf und an das Internationale Friedensdorf Oberhausen. „Es bleibt jedoch eine problematisch große Menge, die wir zum Teil selbst als Müll entsorgen oder an einen gewerblichen Textilverwerter abgeben müssen.“ Etwa 40 Prozent der in Haan gespendeten Kleidung werden weitergereicht.

Die schnelllebige Mode sei leider viel zu oft schlecht verarbeitete Kleidung, die nur wenige Waschzyklen aushalte und schnell die Form verliere. „Es wäre schön“, ergänzt Martina Harbecke vom Leitungsteam, „wenn Kleidung nachhaltiger eingekauft würde. Natürlich freuen wir uns über ein hohes Spendenaufkommen, aber bei schlechter Qualität nützt uns die große Menge nichts.“

Sabine Groß-Seidler, ebenfalls im Leitungsteam aktiv, bittet die Spender, „sinnvoll und mit Bedacht zu spenden“. Sie hat ein paar Prüfkriterien parat, um zu entscheiden, ob ein Kleidungsstück noch in den Spendensack gehört oder schon in die Altkleidersammlung: „Ist die Kleidung sauber, unbeschädigt und nicht zu stark abgetragen? Sind alle Knöpfe noch vorhanden und die Reißverschlüsse intakt? Würde man das Kleidungsstück jemandem aus dem Bekanntenkreis anbieten? Kann man es im jetzigen Zustand noch für kleines Geld verkaufen? Nur wenn diese Fragen mit Ja beantwortet werden, handelt es sich um eine Spende, mit der bedürftigen Menschen geholfen werden kann.“

Die Kleiderkammer Haan bittet daher alle Spender um einen kritischen Blick auf die eigene Spende, bevor man sie abgibt. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kleiderkammer haben keine Möglichkeit, gespendete Kleidung zu waschen oder zu bügeln. Beschädigte, verschmutzte, muffig oder nach Nikotin riechende und nasse Textilien sowie abgetragene Schuhe können nicht an Bedürftige weitergegeben werden. Sie sollten daher anderweitig entsorgt werden.

Was gar nicht geht, aber leider auch hin und wieder vorkommt, ist, dass „Spender“ außerhalb der Geschäftszeiten ihre abgelegte Kleidung, die in den meisten Fällen reif für die Tonne ist, vor der Kleiderkammer abladen. Für die engagierten Betreiber ist das besonders bitter, denn sie bleiben auf den Entsorgungskosten sitzen. Hinzu kommt, dass sie dann noch Ärger mit den Anwohnern fürchten müssen, denen der Müll vor der Tür natürlich auch nicht gefällt. Lumpen gehören in die Altkleidersammlung. Das kostet nichts und entlastet die Helfer. 100 sind es bei der Kleiderkammer, weitere sind willkommen. Informationen unter www.kleiderkammer-haan.de.

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