Haaner Fridays-For-Future-Gruppe spricht über ihre Ziele

Interview mit Fridays for future : „In Haan haben wir kleine Erfolge erreicht“

Für das Jahr 2020 wünschen die beiden Delegierten der Fridays for future Ortsgruppe Haan Marek Kasper und Jonas Lütz den Politikern insbesondere mehr Mut zu Entscheidungen.

Was hat FFF Haan im vergangenen Jahr erreicht?

Marek Kasper Auf Bundesebene hatten wir ein paar wichtige Streiks, wie zum Beispiel am 20. September, am Weltklimatag. Dann ist das Klimapaket gekommen, aber vielmehr als ein Päckchen ist es auch nicht. Seitens der Politik sind wir daher enttäuscht. Wie kann es jedoch sein, dass die Politik nicht auf 1,4 Millionen hört, die regelmäßig für den Klimaschutz auf die Straße gehen?

Jonas Lütz Auf lokaler Ebene haben wir jedoch kleine Erfolge erreicht. Die Demo, die wir veranstaltet haben, war die größte seit der Gebietsreform in Haan. Im September haben wir einen Bürgerantrag mit unseren kommunalen Minimalforderungen im Haupt- und Finanzausschuss eingebracht. Die Stadt ist darauf teilweise eingegangen, zumindest hat sie Gelder bereitgestellt, zum Beispiel für den kostenlosen Lastenräderverleih. Das ist schön. Große Schritte wie beispielsweise, dass es in städtischen Gebäuden künftig nur noch emissionsfreie Heizungen gibt,  sind allerdings ausgeblieben. Bei vielen Themen wird die Verantwortung einfach nur von A nach B geschoben.

In 2019 hatte die Ortsgruppe FFF Haan zu mehreren Demos aufgerufen. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Welche Hürden haben sich euch im vergangenen Jahr in den Weg gestellt?

Kasper Es wirkt, als habe die Politik manchmal keine Lust auf uns. Wir haben festgestellt, dass man auf allen Ebenen angreifen muss. Denn wenn wir etwas vorschlagen, fühlt sich hinterher keiner zuständig. Wichtig für uns ist, zunächst die kommunale und Kreisebene zu erreichen, dann geht es weiter über Landes-, Bundes-, EU- bis hin zur UN-Ebene.

Lütz Es ist jedoch nicht so, dass die Politik gar kein Interesse am Klimaschutz hat. Im vergangenen Jahr wollten Politiker mit uns auch konkrete Konzepte erarbeiten, wie zum Beispiel den Ausbau von Solaranlagen. Zum Teil sind diese Konzepte jedoch sehr kleinschrittig, und hält uns von anderen Planungen ab. Es gibt Experten, die sich besser darum kümmern können.

Ist es überhaupt schwierig, Unterstützer zu finden und zu mobilisieren?

Kasper Es kommt immer auf die Aktionsform an. Wenn es beispielsweise darum geht, im Rat seine Präsenz zu zeigen, weil es dort um umweltrelevante Themen geht, ist es schwieriger als beispielsweise bei Demos. Doch die Ratssitzungen werden eben auch als langweilig empfunden.

Lütz  Schwierig ist es auch die einzelnen Schulen zu erreichen. Da ist die Toleranz schon gering. Außerdem nehmen einige unserer Aktiven auch an Demos in anderen Städten teil, doch da die Anreise oft mit Aufwand verbunden ist, machen das nur wenige.

Wie hat FFF euer Leben beeinflusst? Was hat sich privat verändert?

Lütz Meine Familie war schon immer recht klimabewusst. Allerdings habe ich es angestoßen, dass wir in diesem Jahr eine Photovoltaikanlage aufs Dach bekommen.

Kasper Grundsätzlich wirkt FFF auf mich wie eine Bildungsmaßnahme, ich habe viel über die Städte in der Umgebung gelernt, über die Gründe und Auswirkungen des Klimawandels und nicht zuletzt über politische Zusammenhänge und Verhaltensweisen. Das ist ein großer Effekt von Fridays for Future, der gerne übersehen wird.

Welches Thema ist euch für 2020 besonders wichtig?

Kasper Die Kommunalwahlen im Herbst werden ein wichtiges Thema sein. Wir haben bereits im vergangenen Jahr unsere Minimalforderungen an die Stadt Haan gestellt, diese bleiben auch weiterbestehen. Davon wollen wir aber nichts in den Fokus stellen, um nichts anderes aus dem Fokus zu rücken.

Lütz Das oberste Ziel ist, bis 2035 klimaneutral zu werden. Es wäre gut, wenn die Politik das auch so sehen würde. Dazu müsste man jedes Jahr überprüfen, was bislang erreicht worden ist und ob man das schafft. Für Haan wäre auch ein kostenloser ÖPNV erstrebenswert – um das attraktiver zu machen, müsste man aber auch gleichzeitig Parkpreise erhöhen, Parkplätze reduzieren und mehr Radwege schaffen. Wir bekommen immer zu hören, dass dann nur leere Busse durch Haan fahren würden. Die Politik sollte aber auch den Mut haben, etwas Neues zu probieren.

Kasper Mut ist ein gutes Stichwort. Dazu gehört aber auch, dass man Dinge wegmacht, die nicht gut waren. Zum Beispiel, wenn es darum geht, eine Straße durch eine Fahrradstraße zu ersetzen: Da wird ein Einwand über den nächsten gestapelt, anstatt dass es einfach mal ausprobiert wird, um zu überprüfen, ob diese Einwände überhaupt berechtigt sind.

(isf)