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Haaner Feuerwehr bangt um ihre mobile Kommandobrücke

Brückentag : Feuerwehr bangt um mobile Kommandobrücke

Bei einem Unfall ist der Einsatzleitwagen der Feuerwehr schwer beschädigt worden. Die technische Ausrüstung ist für die Wehrleute enorm wichtig.

Er trägt den Namen “Florian Haan 01”, stammt aus dem Hause VW und befindet sich seit 2005 im Dienst der Feuerwehr Haan. Er hat viele Einsätze auf dem Buckel. Doch jetzt ist der Einsatzleitwagen selbst zum Beteiligten eines Unfalls geworden – und plötzlich muss die Feuerwehr um ihre mobile Kommandobrücke bangen.

„Wir gehen davon aus, dass die Versicherung in den kommenden Tagen einen Gutachter schicken wird, der die weitere Verwendbarkeit des Fahrzeugs genau prüft“, sagt der Haaner Feuerwehrmann und stellvertretende Kreisbrandmeister Mirko Braunheim auf Anfrage. Schon jetzt sei allerdings festzuhalten: „Dieser Unfall hat uns hart getroffen.“

Was war passiert? Am vergangenen Samstagmorgen hatte eine Autofahrerin an der Ellscheiderstraße einen Unfall verursacht. Zeugen zufolge überholte sie in ihrem VW-Polo in einer unübersichtlichen Kurve eine Pferdekutsche und missachtete dabei eine durchgezogene Linie. Auf der Gegenspur kam ihr ein Notarztwagen mit Blaulicht und Martinshorn entgegen. Der musste eine Vollbremsung hinlegen, um einen Frontalzusammenstoß zu vermeiden. Der Einsatzleitwagen der Feuerwehr, der direkt hinter ihm fuhr, hatte keine Chance mehr auszuweichen und prallte aufs Heck. Die Unfallverursacherin, die zunächst Fahrerflucht beging, konnte inzwischen ermittelt werden. Es handelt sich um eine 58-jährige Frau aus Haan (wir berichteten).

Von außen sieht der Schaden am Einsatzleitwagen gar nicht mal so dramatisch aus. Braunheim weiß jedoch: “Die technische Ausstattung im Innenraum hat leider einiges abbekommen.” Und das hat Folgen, denn der Van funktioniert tatsächlich wie eine Art mobile Kommandobrücke. „Dort sind zum einen die Notfallpläne der Haaner Firmen gespeichert – sodass wir etwa beim Brand in einem Betrieb sofort die notwendigen Informationen über die Örtlichkeit abrufen können“, sagt Mirko Braunheim. Doch auch ein Besprechungstisch und die Funkanlagen, die im Einsatzfall von mehreren Kräften bedient werden, lassen sich nicht so einfach ersetzen. Zwar haben die Wehrleute alles verwendbare Material in Kisten verpackt und auf einem anderen Fahrzeug bereitgehalten – doch das ist halt nicht ansatzweise dasselbe wie eine solche Kommandobrücke.

Zuletzt konnte sie sich am Samstag, 14.Dezember, bewähren: Wegen eines Schadens an der Oberleitung war an diesem Tag ein Intercity im Bahnhof Gruiten liegengeblieben. Die Feuerwehr musste 192 Passagiere befreien. Florian 01 war mittendrin im Geschehen. Die Feuerwehrleute hoffen jetzt, dass ihre mobile Kommandobrücke möglichst bald wieder in Betrieb genommen werden kann.

Die Alternative wäre eine Neuanschaffung – und da stellt sich die Frage, wie schnell so etwas von statten gehen kann. Denn der Preis für Fahrzeug und Ausrüstung ist happig. Die Stadt Hilden, die gerade erst für ihre Feuerwehr so genannte Kommando-Wagen angeschafft hat, kann ein Lied davon singen. 136.000 Euro kostet so ein  BMW X3 mit Zubehör. Nun fährt die Haaner Feuerwehr ein anderes System ohne Kommandowagen. Ihr Fahrzeug dürfte dennoch wohl kaum billiger ausfallen.

Wie wichtig die Nutzung eines Einsatzleitwagens ist, darüber herrscht landauf, landab Einigkeit. Erst kürzlich brachte es ein bayerischer Feuerwehrchef bei der Einweihung eines neuen solchen Fahrzeugs auf den Punkt: „Wären wir ein Unternehmen“, sagte er, „dann könnte man diesen Einsatzleitwagen als Vertriebsbüro, Projektierungsabteilung, Arbeitsvorbereitung, Empfang von Besuchern und Qualitätskontrolle bezeichnen. In all diesen Abteilungen arbeiten, je nach Größe des Unternehmens mehrere Personen.“

In Haan wird jetzt mit Spannung das Gutachten erwartet.