Haan: Sturm löst Notfall im Kuhstall aus

Haan : Sturm löst Notfall im Kuhstall aus

Weil ein entwurzelter Baum in die Oberleitung stürzte, konnten die 60 Kühe auf dem Bauernhof Rosendahl stundenlang nicht gemolken werden.

Gut Ellscheid in Haan ist ein klassischer Milchvieh-Betrieb, der bereits in vierter Generation erfolgreich von der Familie Rosendahl geführt wird. Die 60 Kühe sind der ganze Stolz des Unternehmens an der Kreisstraße 20 zwischen Haan und Gruiten, das sich seit 1904 im Familienbesitz befindet.

Entsprechend groß war der Schreck, als am Sonntagnachmittag das Wohl und Wehe der Kühe von einer Sekunde auf die andere plötzlich auf der Kippe stand.

Es war 15 Uhr, als es unvermittelt einen Schlag tat und im gesamten Gebäude der Strom ausfiel. Ein Blick nach draußen reichte aus, um die Dramatik dieses Augenblicks deutlich werden zu lassen: „Ein Baum war durch den Sturm entwurzelt worden und genau in die Oberleitung der Stromversorgung gestürzt“, berichtet Marlene Rosendahl: „Wir wussten sofort – jetzt wird es ernst.“

Denn die Kühe auf Gut Ellscheid sind es gewohnt, pünktlich um 18 Uhr abends gemolken zu werden. Mit jeder Stunde Verzögerung wächst die Gefahr einer Euterentzündung oder noch schlimmerer Konsequenzen.

„Von Hand können Sie die Tiere heutzutage leider nicht mehr melken“, erläutert Marlene Rosendahl. Die Hochleistungs-Kühe seien auf die Maschine einfach angewiesen.

Allerdings brauchen sie im Lauf eines Tages auch viel Wasser – was gleich zu einem weiteren Problem führte. Denn auch die Frischwasserpumpe benötigt Strom. Den bekamen die Rosendahls zum Glück wenig später von der Feuerwehr, die ein Notstrom-Aggregat installierte. Doch für die Melk-Probleme konnte sie nicht eingesetzt werden. Selbst ein weiteres Exemplar – diesmal vom Technischen Hilfswerk (THW) – brachte die Melkmaschine nicht ans Laufen.

Die große technische Notstrom-Lösung musste zum Glück nicht ausgereizt werden – denn inzwischen hatten Techniker des Stromnetz-Betreibers den Hochspannungs-Mast erklommen und starteten die Reparatur.

„Ihre Auskunft war: Gegen 21.30 Uhr läuft der Strom wieder“, erinnert sich die Landwirtin: „Wir haben sofort gesagt – das riskieren wir.“

Offenbar mit Erfolg: Einige wenige Kühe zeigten am Morgen nach dem Stromausfall zwar Anzeichen einer möglichen Entzündung – die meisten haben jedoch alles unbeschadet überstanden und futtern wieder wie gehabt.

Normalerweise würde man jetzt sagen: Gut Ellscheid ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Nur leider hat der Sturm noch weitere empfindliche Schäden angerichtet. „Teile des Daches am Haupthaus sind abgedeckt worden“, berichtet Marlene Rosendahl auf Anfrage.

Immerhin sei dort kein Baum beteiligt gewesen, der Schaden sei aber auch durch den Wind schon groß genug. Und ob die Versicherung die Kosten für die Dachreparatur übernehmen werde, sei auch noch nicht klar. Milchvieh, Ackerbau und der kleine Bauernladen können jedoch weiter laufen. Überhaupt lässt die Familie Rosendahl sich nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Bäuerin Marlene erzählt voller Stolz, dass ihr Sohn, der zurzeit noch studiert, Gut Ellscheid eines Tages übernehmen möchte. Dann wäre die Familie sogar in fünfter Generation dort vertreten.

Was ist angesichts dieser Aussicht da schon so ein Stromausfall?

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