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Haan streitet um die öffentliche Toilette am Windhövel

Haan : Lautstarker Streit ums stille Örtchen

Die als Behinderten-WC ausgeschilderte Toilette am Windhövel ist zurzeit so gut wie nicht benutzbar.

„Es soll vorkommen, dass der Unglücksrabe seine Notdurft über einem Glückspilz verrichtet.”  Dieser Satz hat den Naturfotografen Daniel Mühlemann in den sozialen Netzwerken bekannt gemacht. Dass er damit allerdings auch ein Haaner Dauerthema streifen würde, hätte sich der Aphoristiker bestimmt nicht träumen lassen. Doch genau auf dieses Netz sprachlicher Feinheiten und skurriler Anmutung fühlte sich der Beobachter im jüngsten Sozialausschuss zurückgebeamt.

Es ging um die öffentliche Toilette am Windhövel – eigentlich ein spezielles Behinderten-WC, das allerdings weder für behinderte Menschen geeignet, noch seriös als Toilette zu benutzen ist. Denn nur Menschen mit einem besonderen Schlüssel ist der Zugang möglich. Wer allerdings auf die Idee kommt, den Raum nach dem Betreten abzuschließen, der kommt nicht wieder hinaus.

Bereits bei den Haushaltsplanberatungen hatten daher die WLH rund 20.000 Euro verlangt, mit denen eine Sanierung des WC erfolgen sollte. Der Antrag wurde abgelehnt. Jetzt legt die Wählergemeinschaft nach: Das dringende Bedürfnis vieler Menschen nach einer öffentlichen Toilette im Windhövel könne man direkt neben den dort ehemaligen öffentlichen, aber seit Jahren verschlossenen Toiletten sehen, hieß es süffisant in der Begründung des eigenen Antrags. Der sah vor, das  Behinderten-WC als öffentliche Toilette auszubauen. Die Haaner Lebenswirklichkeit sehe jedoch so aus, dass es zur Zeit keine Automatiktür, kein Notrufsystem und andere wichtige Funktionen gebe. Außerdem hänge kein Reinigungs-Plan aus.

Ratsherr Klaus Mentrop (CDU) befeuerte die Diskussion, indem er ausführte, wer diese Örtlichkeit nach Einbruch der Dunkelheit aufsuche, könne nicht „reinen Herzens sein“. Gemeint war der Ruf des WC als Treffpunkt für Dealer und Drogenabhängige. Das wiederum brachte Jochen Sack (GAL) auf die Palme: „Bis jetzt wollte ich mich zu dem Tagesordnungspunkt ja nicht melden“, sagte er, aber nach so viel Unkenntnis müsse er das jetzt doch tun: „Versuchen Sie mal als Rollstuhlfahrer, in einer der Gaststätten in der Umgebung auf Toilette zu kommen“, argumentierte er: „Es wird Ihnen nicht gelingen, weil die alle nur über Treppen zu erreichen sind.“

Auch wiesen mehrere Ausschussmitglieder Mentrops Annahme zurück, man müsse sich zunächst im Rathaus einen Schlüssel abholen, um dann die Örtlichkeit aufsuchen zu können.

Geholfen hat die Aussprache dennoch nicht: Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt, von einigen Beteiligten auch auf ein neues WC im Rahmen des geplanten Rathaus-Neubaus verwiesen.

Eine funktionierende öffentliche Toilette bleibt in der Stadt somit vorerst ein Wunsch. Und wer weiterhin damit hadert, mag sich lediglich mit dem weiteren Zitat eines Toiletten-Philosophen trösten: „Das Örtchen ist, da wird man lachen, ein Ort, um in Ruhe Krach zu machen.”