Haan: Senioren-Park „Carpe diem“ wegen Abrechnungspraxis in Kritik

Pflegeheim in Haan : Pflegeheimkosten stehen in der Kritik

Das NRW-Gesundheitsministerium wirft „Carpe diem“ vor, bei Selbstzahlern unzulässige Kosten zu veranschlagen.

„Finanzielle Übervorteilung der Bewohnerschaft und eine Irreführung als Verbraucher“, so heißt es im Schreiben des NRW-Gesundheitsministerium über die unzulässige Abrechnungspraxis bei „Carpe diem“. Dem Pflegeheim-Betreiber mit Hauptsitz in Wermelskirchen wird vorgeworfen, Selbstzahlern monatlich „rund 33 bis 38 Euro“ in Rechnung gestellt zu haben, die von den Landschaftsverbänden nicht genehmigt wurden.

Das Landesgesetz sieht vor, dass „allen Bewohnern für die gleichen Leistungen nur die gleichen Kosten in Rechnung gestellt werden“, so das Ministerium. Bei „Carpe diem“ sei hingegen festgestellt worden, dass Selbstzahler höhere Investitionskosten zahlen als Bewohner, die vom Sozialamt unterstützt werden. Die unter Investitionskosten geführten Zahlungen decken für den Pflegeheim-Betreiber die Miete und Mietnebenkosten. Die Berechnungen der Investitionskosten durch den Landschaftsverbands sei allerdings fehlerhaft, widerspricht der Betreiber in einer Stellungsnahme. Daher sei rechtzeitig Einspruch eingelegt worden, wodurch die Bescheide „noch nicht rechtskräftig“ seien.

In Haan liegt einer der betroffenen Seniorenparks. Er bietet 90 stationäre Pflegeplätze mit zusätzlich eingestreuter Kurzzeitpflege, 30 betreute Wohnungen und zwölf Tagespflege-Plätze. Etwa 20 Prozent der Bewohner sind Selbstzahler – unter ihnen Frau Faßbender.

Ihre Tochter Cornelia wendet sich in einem Leserbrief als Betroffene des „schwebenden Verfahrens“ an unsere Redaktion. Bisher haben sie und ihre Mutter nur gute Erfahrungen mit dem Senioren-Park in Haan gemacht. In erster Reaktion sei Cornelia Faßbender daher fassungslos ob der Vorwürfe gewesen. Sie habe sich jedoch näher mit der Sache befasst, die Einrichtungsleitung kontaktiert und sich aufklären lassen.

Leiterin des Haaner Senioren-Parks ist Ayten Saltik. Sie gibt an, jahrelange Mitarbeiterin in der Pflegebranche und stolz ein Teil des „Carpe diem“-Teams zu sein. Sie beschreibt das Unternehmen als „offen“ und „transparent“. Die Veränderungen der Kosten seien den Bewohnern stets frühzeitig schriftlich mitgeteilt und mit ihnen abgestimmt worden. Über die Verträge werde „immer offen kommuniziert“. Die Vorwürfe weist sie zurück und zieht dabei die offizielle Stellungsnahme heran.

In dieser heißt es: „Wie in den Vorjahren haben wir die gestiegenen Mietkosten dem Landschaftsverband angezeigt und beantragt, die höheren Mieten anzuerkennen. Diese erhöhten Investitionskosten haben wir den Bewohnern mitgeteilt und im Heimvertrag vereinbart.“ Das 2014 in NRW neu eingeführte Berechnungsverfahren sei zu kompliziert und ziehe nach sich, dass Mieterhöhungen und damit steigende Investitionskosten von Landschaftsverband nicht anerkannt werden. Da die vom „Landschaftsverband auf Basis eines fehlerhaften Berechnungsprogramms“ ermittelten Investitionskosten nicht für die Deckung von Miete und Mietnebenkosten ausreichen, gibt „Carpe diem“ an, den Selbstzahlern „bis auf weiteres“ die „angezeigten Investitionskosten in Rechnung“ zu stellen. Die potentiell „zu viel abgerechneten Kosten“ würden erstattet, sollte sich herausstellen, dass die Investitionskosten zu hoch angesetzt worden seien.

Faßbender vertraut dieser Darstellung. Sie weist darauf hin, dass die genehmigten Kosten des Landschaftsverbandes nicht für Miete und Mietnebenkosten ausreichen und „Carpe diem“ daher seit 2015 in einem Widerspruchsverfahren sei. Weiter sehe sie „Carpe diem“ zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt und empfehle daher, sich in der Einrichtung selbst über das Thema zu informieren. Zum Pflegeheim können sie und ihre Mutter „nur postive Erfarhungen berichten“.

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