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Haan: SEK überwältigt Mann am Bahnhof

Hintergründe noch unklar : SEK überwältigt Mann an der Bahnhofstraße in Haan

Nachdem ein Mann offenbar mehrere Passanten am Haaner Bahnhof angepöbelt und bedroht haben soll, hat ihn das SEK überwältigt und festgenommen. Er soll zuvor angedeutet haben, Waffen zu besitzen.

Die Bahnhofstraße am Freitagnachmittag: Sieben Namen sind auf dem Klingelschild an der Haustür zu lesen. Im engen Flur riecht es nach Linoleum. Ein Familienvater mit seiner kleinen Tochter steht am Fuß der Treppe, über die kurz zuvor noch Spezial-Einsatzkräfte der Polizei gelaufen sind, teils schwer bewaffnet.

Sie haben einen 44-jährigen Haaner in seiner Wohnung festgenommen, der zuvor gedroht hatte, er hole eine Waffe, wenn die Beamten nicht sofort verschwinden würden. Als „völlig unscheinbar“ bezeichnet der Nachbar den Mann: „Der hat nicht viel geredet, war eigentlich immer allein unterwegs und ist kaum aufgefallen.”

Das sieht wenige Stunden zuvor noch ganz anders aus: Es ist 12.40 Uhr, als Zeugen die Polizei über Telefon alarmieren, sie hätten auf der Bahnhofstraße einen augenscheinlich verwirrten Mann angetroffen. Er sei über die Straße gelaufen, habe geschrien und sowohl Passanten als auch Autofahrer angepöbelt. Anschließend – so die Zeugen weiter – sei der Mann in seine Wohnung in dem Mehrfamilienhaus verschwunden.

In einem dieser Häuser fand der SEK-Einsatz statt. Foto: Köhlen, Stephan (teph)/Köhlen Stephan (teph)

Die Polizei fährt zur Bahnhofstraße, klingelt an der Wohnungstür des Mannes. Doch der denkt gar nicht daran, den Sachverhalt aufzuklären, schreit stattdessen durch die verschlossene Tür, er hole eine Waffe. Die Beamten sollten verschwinden.

„Weitere Ermittlungen ergaben dann sehr schnell, dass der bereits wegen Widerstands und Beleidigungen polizeibekannte Mann sich in der Vergangenheit auch schon in psychiatrischer Behandlung befunden hatte”, beschreibt Polizeisprecher Ulrich Löhe das weitere Vorgehen.

Die Polizisten fordern Verstärkung in Form eines Spezialeinsatzkommandos an. Die Bahnhofstraße wird im Bereich zwischen Ohligser und Böttingerstraße gesperrt. Außerdem wird eine Verhandlungsgruppe eingesetzt. Es ist kurz vor 15.30 Uhr, als sich der Mann schließlich dazu bewegen lässt, die Wohnungstür freiwillig zu öffnen. Bei der anschließenden vorläufigen Festnahme verletzt er sich leicht. „Derzeit wird die Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung überprüft“, berichtet Ulrich Löhe kurz nach dem Einsatzende. Erste Überprüfungen in der Wohnung hätten keine Hinweise auf Waffenbesitz ergeben.

Einsam habe der 44-Jährige oft ausgesehen, beschreibt der Familienvater im Treppenhaus seinen Nachbarn. Dann streicht er seiner Tochter über den Kopf und fügt nachdenklich hinzu: „Einsamkeit macht die Leute verrückt.“