1. NRW
  2. Städte
  3. Haan

Haan: Haan-Rundgang lässt Gäste ratlos zurück

Haan : Haan-Rundgang lässt Gäste ratlos zurück

Etwa 25 historisch interessierte Haaner nahmen gestern am Stadtspaziergang mit Historiker Martin Banizza teil - und erlebten einen teils nervösen Chronisten.

Mit so vielen Teilnehmern hatte Martin Banniza nicht gerechnet, das sagt er mehrfach während der Führung. Die beginnt am Freitagnachmittag um 15.30 Uhr auf dem alten Kirchplatz, vis à vis vom "Hippes Use", einem uralten Fachwerkhaus. 25 Leute, die meisten schon lange im Rentenalter, mustern neugierig das Haus. Hier wohnt jetzt der evangelische Pfarrer, erfahren sie und prompt schaut der zum Fenster heraus. Die Leute lachen. Banizza hat einen alten plattdeutschen Text mitgebracht, den er versucht vorzulesen. Was davon hängen bleibt, ist, dass der Namensgeber des Hauses, Hippen Kläsper, Ziegen geschlachtet hat, Schrotthändler war und Mitglied in allen drei Haaner Schützenvereinen.

Zurück zum alten Kirchplatz. Hier werden Lithografien der alten romanischen Kirche gezeigt, weitere von alten Haaner Gebäuden, "die vor einigen Jahrzehnten abgerissen worden sind". Ein weiterer Text folgt. Diesmal von der Haaner Volksschullehrerin Martha Dörr "so heißen in Haan viele Leute. Sie war eine Zeitgenossin Emil Barths."

Dörr hat eine Episode aus ihrer Kindheit geschildert, als auf dem alten Kirchplatz die Gebeine von Leuten ausgegraben wurden, die dort Jahrhunderte zuvor bestattet worden waren. "Gut für Schlagball" sei der Platz gewesen, aber Klein-Martha mochte nach dem Anblick all der alten Knochen nicht mehr spielen. Historiker Banniza verweist auf das alte Hallenbad im Rücken der Teilnehmer, "hier haben wir 1976 unsere Abschlussfete von der Realschule gefeiert" und führt die Gruppe ein paar Meter weiter. Auf dem Bürgersteig an der Alleestraße zückt er noch mehr alte Fotos und reicht sie herum. Sie zeigen einige der Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Details seiner Ausführungen gehen immer wieder im Verkehrslärm unter. Manchmal stören auch Passanten, die sich zwischen die Gruppe drängen, den Vortrag.

Eine Dame mittleren Alters ist nicht begeistert: "Ich bin gekommen, weil ich nach 30 Jahren in Haan endlich mal mehr über die Geschichte erfahren wollte. Bisher habe ich aber noch nichts gehört, was ich nicht schon wusste", sagt sie. Ein älteres Ehepaar, das regelmäßig die historischen Führungen von Martin Banniza besucht, ist enttäuscht. "So unsicher haben wir den noch nie erlebt. Vielleicht liegt es an den vielen Leuten." Währenddessen springt der Stadtführer immer schneller von einem Thema zum anderen. Er weiß zweifellos viel über das historische Haan, aber vermitteln kann er es an diesem Freitagnachmittag nicht.

Nach gut einer Stunde ist die gesamte Gruppe immer noch in der Nähe des Schwimmbads, jetzt aber auf der anderen Straßenseite. Emil Barth steht noch auf dem Programm und Hammerstein, eine ehemaliger Bettfederfabrik. Der ein oder andere schleicht sich davon.

(RP)