Haan/Hagen Räuberische Erpressung – Haaner erhält Bewährungsstrafe

HAAN/HAGEN · Ein 48-jähriger Haaner hatte mit einem Kompagnon Zahlungsforderungen eingetrieben – und das Geld für sich behalten. Jetzt fiel das Urteil.

Der 48-Jährige aus Haan wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Der 48-Jährige aus Haan wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Foto: dpa/Volker Hartmann

Geld eintreiben von Leuten, die nicht zahlen wollen? Und das mit rabiaten Methoden? Ein solches Geschäftsmodell hatten Sener O. (48) und ein Gefur D. (44) für sich entdeckt. Beide mussten sich wegen räuberischer Erpressung vor dem Hagener Landgericht verantworten. Der 48-Jährige aus Haan wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das Verfahren gegen den 44-Jährigen Kompagnon aus Lüdenscheid wurde abgetrennt, gegen ihn wird noch gesondert verhandelt.

Im Vorfeld der Urteilsverkündung gegen Sener O. hatte es eine Verständigung von Verteidigung und Gericht gegeben. Der Angeklagte hatte die ihm vorgeworfene, räuberische Erpressung eingeräumt. Im Gegenzug hatte die Kammer die nun verhängte Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Männern zuvor vorgeworfen, Geldforderungen im Stil von Schutzgelderpressungen durchgesetzt zu haben. Dabei sei es jedoch nicht um die übliche Form der Eintreibung von Schutzgeldern gegangen, stattdessen hätten die Angeklagten eine Art „Inkasso-Unternehmen“ betrieben, um Forderungen von Geldverleihern einzutreiben. Dafür hätten sie Gebühren von säumigen Zahlern eingefordert – in dem nun verhandelten Fall sollen Sener O. und der mitangeklagte Gafur D. nicht nur die Gebühren, sondern die komplette Summe für sich behalten haben.

Die angeklagte Tat soll im Dezember 2019 so abgelaufen sein: Der Haaner und sein Kompagnon aus Lüdenscheid hatten einen Mann aufgesucht, der die später eingetriebenen Forderungen von 65.000 Euro zuvor verliehen haben soll. Die Anklageschrift sprach von „unnachgiebigem Auftreten“, das die beiden Angeklagten an den Tag gelegt hätten, um ihrer Absicht besonderen Nachdruck zu verleihen. Schließlich habe man gemeinsam mit dem Geldgeber den Schuldner aufgesucht, die beiden Angeklagten sollen massiv die Herausgabe des Geldes gefordert haben. Sowohl der Kreditgeber, als auch der davon Begünstigte seien von Sener O. und Gafur D. angeschrien, geschubst und bedroht worden. So waren am 15. Januar 2020 zunächst 5000 Euro und an den Folgetagen weitere 10.000 Euro übergeben worden. Und das nicht etwa an den Kreditgeber, sondern an die beiden Angeklagten – als Ausgleich für deren Bemühungen. Anschließend forderten sie auch noch die Zahlung der restlichen 50.000 Euro in zwei Raten. Erneut war in der Anklageschrift vom „Auftreten der Angeklagten“ die Rede, unter dessen Eindruck auch diese Summe an sie gezahlt worden sei. Und damit nicht genug: Sener O. und Gafur D. sollen den Geldgeber auch noch gezwungen haben, dem Kreditnehmer eine Quittung auszustellen, um zu dokumentieren, dass der keine Forderungen mehr habe.