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Haan: Lernpartnerschaft zwischen Hauptschule und Gebäudereinigung

Haan : Unterschriften für eine gute Kooperation

Schüler sollen Einblick in die Berufswelt bekommen, das Unternehmen hofft auf Kontakte zu potentiellen künftigen Azubis. Die Haaner Hauptschule Zum Diek und die Gebäudereinigung Raddatz vereinbarten am Montag eine Lernpartnerschaft. Die 72. im Kreisgebiet. Darauf ist das 2002 begründete Kooperationsnetzwerk Schule – Wirtschaft stolz.

Die Hauptschule „Zum Diek“ und die Gebäudereinigung Raddatz haben am Montag eine neue Lernpartnerschaft abgeschlossen. Damit erhalten Schüler die Möglichkeit, Einblicke in den Berufsalltag zu gewinnen. Umgekehrt hat Raddatz – in Zeiten des Fachkräftemangels – Gelegenheit mit jungen Leuten in Kontakt zu kommen und sie aus der Praxis heraus für seine Ausbildungsberufe zu begeistern.

Für Schulleiter Rolf Schlierkamp war es ein besonderer Tag und die Ratifizierung des Kooperationsvertrags zwischen seiner Hauptschule und der Haaner Gebäudereinigung Raddatz ein unverzichtbarer Akt. In vier Jahren läuft die Schulform aus, dennoch seien die Bemühungen gegenüber den Schülern nach wie vor groß, betont er. „Für uns ist es ein wichtiger Vertrag, weil wir unseren Schülern damit zeigen, dass sie hier bis zum Schluss bestmöglich gefördert werden, obwohl unser Schulmodell ausläuft,. Wir kümmern uns nicht nur um Noten, sondern auch um eine gute Berufsorientierung.“

Abgeschlossen wurde der Vertrag innerhalb des Kooperationsnetzwerk Schule-Wirtschaft, das weiterführende Schulen mit Unternehmen zusammenbringt. Dadurch sollen die Schüler den Berufsalltag verschiedener Branchen kennenlernen. Betriebe bekommen wiederum die Chance unbekanntere Berufe im Blickfeld der Jugendlichen zu platzieren und aus der Praxis heraus für eine Ausbildung zu begeistern.

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Zwar gebe es auf der einen Seite einen Fachkräftemangel und Ausbildungsstellen blieben unbesetzt. „Andererseits gibt es auch Ausbildungswillige die keinen Ausbildungsplatz finden“, bemerkte der stellvertretende Landrat Michael Ruppert. Die Entfernung zwischen Schülern und Betrieben zu verringern, sei das Ziel des KSW. Auch bei den wenigen Hauptschulen im Kreis, von denen es nur noch drei gibt, bedauerte Ruppert. Er schätze die Schulform für ihre starke Berufsorientierung. Durch die längere Schulzeit, das damit verbundene Abitur und Studium, sei das duale System mittlerweile latent gefährdet. „Gute Unis gibt es auf der ganzen Welt, aber das duale Ausbildungssystem ist ein Erfolgsmodell Deutschlands um das uns alle anderen auf der Welt beneiden.“

Peter Raddatz ist seit Jahren bemüht, junge Menschen für den Beruf des Gebäudereinigers zu gewinnen; vor vielen Jahren pflegte er bereits eine Lernpartnerschaft mit der später geschlossenen Haaner Förderschule. Kein leichtes Unterfangen, leidet der Beruf des Gebäudereinigers bei Schülern – häufig wegen Unkenntnis – unter einem fragwürdigen Image. „Wenn man sich mit Schülern darüber unterhält, dann hört man häufig, dass sie keine Putzfrauen werden wollen. Dabei fangen wir erst dort an, wo die Reinigungskräfte aufhören.“

Ein Gebäudereiniger schwinge selten den Mopp, bediene dafür leistungsstarke Maschinen, Laser- und Hochdruckreiniger, säubere und pflege Fassaden, Denkmäler, Industriegelände oder in einigen Fällen sogar öffentliche Transportmittel, erläutert der Haaner Unternehmer. Genau das will Raddatz den Schülern in Praxisangeboten aufzeigen.

Geplant sind unter anderem die fachmännische Reinigung der schuleigenen Schaukästen und der Küche aber auch eine externe Übungsstunde mit den Maschinen auf dem Firmengelände. Für Raddatz ist es die dritte Lernpartnerschaft. „Was mich motiviert? Von meinen letzten fünf eingestellten Azubis kamen drei von der Hauptschule. Eine von ihnen hat kürzlich sogar die Meisterprüfung abgelegt.“ Hauptschule sei kein Endpunkt im Lebenslauf, ebenso wenig wie die Ausbildung zum Gebäudereiniger.

Alle weiterführenden Schulen in der Stadt Haan unterhalten Lernpartnerschaften zu örtlichen Unternehmen.