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Haan: Haan legt neues Flüchtlingskonzept vor

Haan : Haan legt neues Flüchtlingskonzept vor

Die Diskussion um geeignete Standorte zur Unterbringung von Flüchtlingen in Haan wird neu befeuert. Die Stadtverwaltung legte jetzt ein Konzept vor, das der Sozialausschuss in seiner Sitzung am 9. April beraten und der Rat am 6. Mai beschließen soll. Wie viel von der Diskussionsgrundlage dann noch übrig sein wird, ist völlig offen. Denn schon bei Veröffentlichung des Konzeptes wurde erste Kritik laut.

Wie viele Standorte sind geeignet? Eigenen Angaben zufolge hat die Stadtverwaltung 22 Standorte untersucht. Nur elf sind aus ihrer Sicht geeignet. Auf dem freien Wohnungsmarkt seien hingegen nur begrenzt Kapazitäten verfügbar, heißt es in dem Konzept. Zurzeit leben rund 20 Flüchtlinge in Wohnungen.

Welche Standorte werden genannt? Schon bestehende Standorte sollen gehalten oder erweitert, andere erstmals hergerichtet werden. So bleibt beispielsweise das ehemalige VHS-Gebäude an der Bachstraße eine Option. Neu hinzu kommen die ehemalige Musikschule an der Dieker Straße und das Grundstück am Neandertalweg in Gruiten, wo es zwar schon eine Unterkunft für Flüchtlinge und Obdachlose gab, die aber Ende 2010 abbrannte. Außerdem hält die Verwaltung Standorte an der Landstraße, der Deller und der Düsselberger Straße, am Heidfeld und auf der Zirkuswiese für geeignet.

Was ändert sich? Auf den Standort untere Landstraße wurde wegen der hohen Erschließungskosten verzichtet. Stattdessen wird als neuer Standort ein Grundstück an der Kampheider Straße benannt. Diese Fläche ist eigentlich für die Erweiterung von Gewerbe reserviert, wird aber nach Angaben der Stadtverwaltung nicht mehr gebraucht.

Wo liegen die Knackpunkte? Beobachter sehen in der räumlichen Nähe des Standortes Kampheider Straße zum dort ansässigen Möbelhaus ein mögliches Problem. Caritas-Mitarbeiter haben die ehemalige Musikschule Dieker Straße geprüft und als denkbar ungeeignet beurteilt. Eine weitere oder dauerhafte Belegung des Standortes Bachstraße würde diesen für eine andere Vermarktung blockieren.

In Ellscheid sollen statt der bisher geplanten zwei nun drei Container aufgestellt werden. In Containern aber sehen viele keine menschenwürdige Form der Unterbringung. Der Standort Neandertalweg soll nur befristet vorgehalten werden. Ferner soll durch eine intensive Begleitung der Flüchtlinge durch den Caritasverband "den negativen Aspekten" an den beiden letztgenannten Standorten entgegen gewirkt werden — offenbar rechnet die Stadt mit Anwohnerärger.

Was passiert nun mit der Bachstraße? Der Rat hat jetzt einem Antrag der CDU-Fraktion zugestimmt, den Standort für die Kita nicht zu sanieren, sondern das alte Gebäude abzureißen und neu zu bauen, um für eine fünfgruppige Kindertagesstätte Platz zu machen. Die Fachausschüsse sollen bald ein Investorenmodell beraten und alternative Unterkünfte für die dort wohnenden Flüchtlinge finden.

Diese Pläne bekommen nun noch zusätzlichen Druck durch eine Unterschriftensammlung des Vereins Private Kindergruppe, der die Kita Bachstraße betreibt. Der Verein wirbt seit mehr als zwei Jahren für einen fünfgruppigen Neubau der Kita Bachstraße und will Eigenmittel beisteuern, die aus zahlreichen Spenden und Aktionen zusammengekommen sind. Außerdem könne mit Landesgeld gerechnet werden. Der Verein fordert nun "eine zeitnahe Entscheidung" und will am Donnerstagnachmittag, 3. April, Bürgermeister Knut vom Bovert eine Unterschriftenliste übergeben, um das Anliegen zu bekräftigen. In einem Pressegespräch will vom Bovert zuvor noch am gleichen Tag die Sicht der Stadtverwaltung erläutern. Das Konzept der Stadtverwaltung wird die Diskussion um geeignete Standorte für die Unterbringung von Flüchtlingen also nicht beenden. Sie fängt gerade erst an.

(RP)