Haan: Gymnasiasten diskutieren mit Politikern über die EU

Haan : Podiumsdiskussion: Keine Chance für Floskeln

Das Haaner Gymnasium macht seinem Namen als Europaschule alle Ehre: Oberstufenschüler haben Politikern aller im Bundestag vertretenen Parteien zum Thema EU ordentlich auf den Zahn gefühlt.

HAAN Manchmal kann Sandra nur genervt mit den Augen rollen, dann nämlich, wenn sie zum wiederholten Mal einige der an der Podiumsdiskussion teilnehmenden Politiker zum Thema Redezeit in ihre Schranken verweisen muss – und diese trotzdem nicht auf den Punkt kommen.

Sandra ist Schülerin des Q1 Leistungskurses „Sozialwissenschaften“ und moderiert gemeinsam mit Mitschüler Matthias die Talkrunde zum Thema EU. Sechs Parteien wurden eingeladen; alle sind der Einladung gefolgt: An einem Dreiertisch auf der Bühne links sitzen die Vertreter von Die Linke, SPD und Die Grünen, am rechten Flügel haben Politiker von FDP, CDU und AfD Platz genommen.

Der große Saal des CVJM Hauses, in den die Schule wegen ihrer Baumaßnahmen die Veranstaltung verlegen musste, ist gefüllt mit Oberstufenschülern. Verschiedene Themenbereiche hat der Leistungskurs Sozialwissenschaften als „Gastgeber“ der heutigen Debatte erarbeitet, darunter auch das Thema „Ökologie“. „Wie stehen Sie zu Fridays for Future?“ will Kursteilnehmerin Meike von den Gästen wissen, „ernsthafte Demonstration oder schlicht Schulschwänzerei?“ Moritz Körner, NRW-Spitzenkandidat der FDP für die Europawahl am 26. Mai und mit 28 Jahren der Jüngste der Runde, begrüßt das Engagement, empfiehlt aber, die Demos auf den Samstag zu verlegen, dann sei das Thema Schulschwänzen vom Tisch und man könne sich auf die wirklich wichtigen Botschaften konzentrieren.

Christian Leye von den Linken erntet viel Applaus für seine kurzen klaren Worte: „Schulschwänzen geht nicht. Erde kaputt erst Recht nicht. Wer schwänzen will, findet auch so Gründe, das weiß ich aus eigener Erfahrung.“ Und auch AFD Vertreter Sebastian Schulze erhält einstimmige Resonanz auf sein Statement, nämlich absolute Fassungslosigkeit. „Klimawandel gab es schon immer, ist also nix Neues. Das ist doch alles nur medialer Hype. Woher kommt überhaupt diese Greta?“ – Sandra muss intervenieren, ihr Co-Moderator gerät über diese Aussage ein wenig in Rage: „Woher nehmen Sie diese Behauptung, Greta sei bewusst von den Medien gemacht?“

Zeit für eine Diskussion bleibt nicht, zu viele Fragen sind noch offen, natürlich auch zum Thema Brexit. „Auch Ihr werdet die Folgen eines harten Brexit zu spüren bekommen“, erklärt Prof. Dr. Hasan Alkaz (SPD) den interessiert zuhörenden Schülern, „wenn Ihr etwa später in England studieren wollt, wird das wesentlich teurer.“ Für eineinhalb Stunden ist die Diskussion angesetzt, die Zeit pro Themengebiet klar bemessen, immer wieder müssen die beiden Modertoren einige ihrer Gesprächsrundenteilnehmer daran erinnern, auf den Punkt zu kommen.

Angesprochen auf die Einwanderungspolitik, fordert Uwe Pakendorf von der CDU gleichen Standard für alle Länder und auf die Frage, ob die EU sich überhaupt lohne, kommt die Grüne Nilab Fayaz auf die Gefahr der Länder zu sprechen, die durch aufkeimenden Populismus und Nationalismus zu zerbrechen drohten.

Viel Gesagtes ist bereits bekannt, nur selten antworten die Politiker unmittelbar auf die gestellten Fragen. Die Antworten überraschen nicht wirklich, einzig AfD-Vertreter Sebastian Schulze sorgt immer wieder mit seinen selbsternannten Fakten für raunenden Unmut und absolutes Unverständnis. „Wenn ich das immer höre, Meeresverschmutzung. Erklärt mir mal bitte, wie meine Plastikflasche die ich hier habe, ins Meer kommen sollte?“. Moderator Matthias schluckt, scheint kurz mit sich zu kämpfen, reagiert dann aber sehr souverän und erhält dafür tosenden Applaus. „Es gibt hier einen Fluss, der heißt Rhein. Und jetzt raten Sie mal, wo der mündet. Na? Im Meer!“

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